Grippewelle startet ungewöhnlich früh

14. Januar 2013, 15:49 Uhr

In den USA verläuft die Grippesaison besonders schwer. Auch hierzulande ist die Influenza-Welle bereits angekommen. Wie heftig sie wird, ist unklar. Aber: Eine Impfung ist auch jetzt noch möglich. Von Lea Wolz

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Die richtige Grippe beginnt plötzlich und heftig, das Fieber steigt schnell©

Der Blick auf die Ergebnisse der Suchmaschine lässt keinen Zweifel: In den USA kursiert die Grippe - und zwar heftiger als die Jahre zuvor. Besonders viele Menschen geben dort den Begriff bei Google ein. "Google Grippe-Trends", das 2009 auch für Deutschland gestartet ist, erfasst die Suchanfrage, gleicht die Daten mit anderen Basisdaten zur Influenza ab und erstellt so eine Art Frühwarnsystem. In den USA steigen die Anfragen seit Mitte November deutlich an, mittlerweile ist die Landkarte fast gänzlich dunkelrot eingefärbt.

Dass die Daten die reale Situation ganz gut widerspiegeln, zeigte sich spätestens am Wochenende. Andrew Cuomo, Gouverneur von New York, rief am Samstag für seinen Bundesstaat den Grippe-Notstand aus. Fast 20.000 Menschen sind mittlerweile dort an der Influenza erkrankt - und damit mehr als vier Mal so viele wie in der gesamten Saison ein Jahr zuvor. Krankenhäuser sind überfüllt, die Nachfrage nach Impfstoff steigt. Was bedeutet dies für Deutschland? Droht uns hierzulande eine ähnlich schwere Grippe-Welle?

In Deutschland ist die Grippesaison in diesem Jahr ungewöhnlich früh gestartet. In den letzten beiden Meldewochen im Jahr 2012 wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) 388 Influenza-Fälle gemeldet. Seit der 40. Meldewoche wurden insgesamt 950 Grippe-Fälle übermittelt. "Die seit einigen Wochen ansteigenden Zahlen zeigen, dass die Saison begonnen hat", sagt eine RKI-Sprecherin zu stern.de. "Doch ob eine Grippe-Welle normal verläuft oder heftig wird, lässt sich seriös nicht vorhersagen."

Vergangene Saison verlief mild

Die Stärke der Grippe-Welle schwanke von Jahr zu Jahr. Zudem sei bekannt, dass die Aktivität weltweit sehr unterschiedlich sein kann. "Von einem starken Verlauf in einem Land lässt sich daher nicht auf einen starken Verlauf in einem anderen Land schließen", heißt es aus dem RKI.

Klar ist allerdings: Die Furcht vor einer neuen Pandemie wie 2009 bei der sogenannten Schweinegrippe ist unbegründet. Denn anders als damals treten die Erkrankungen wie erwartet zur Wintersaison auf der Nordhalbkugel auf. Zudem kursieren die bekannten Viren-Subtypen - in Amerika vor allem H3N2. "Dieser Subtyp wird zwar immer wieder mit einem schweren Verlauf in Verbindung gebracht", sagt die RKI-Sprecherin. Doch auch das sei nicht immer der Fall. "Im vergangenen Winter kursierten in Deutschland vor allem H3N2-Viren. Doch die Grippe-Saison verlief relativ mild."

Ob starke oder schwache Grippewelle - das individuelle Risiko für eine schwere Erkrankungen beeinflusse dies ohnehin nicht, so die RKI-Sprecherin. Schutz vor der Influenza bietet eine Impfung. Diese empfiehlt das RKI besonders Menschen mit einem erhöhten Risiko für eine Erkrankung: Älteren über 60 Jahre, chronisch Kranken und Schwangeren.

In den vergangenen Jahren hat die Grippe-Saison laut RKI zumeist im Januar oder Februar begonnen und etwa drei Monate gedauert. "Auch nach Beginn der Grippe-Welle ist eine Impfung noch sinnvoll", betont die RKI-Sprecherin. Allerdings dauere es etwa zwei Wochen, bis der Impfschutz aufgebaut ist.

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Die stern-Experten
Die Professoren Winfried Kern und Reinhard Berner stehen dem Ratgeber Erkältung und Grippe als Experten zur Seite. Sie arbeiten am Universitätsklinikum Freiburg.