Die Grippe hat Deutschland im Griff

21. Februar 2013, 21:00 Uhr

Viele Bundesbürger erkranken in diesem Jahr an der Grippe. Das Robert-Koch-Institut spricht von einer starken Influenza-Welle, die nun auch im Süden Deutschlands angekommen ist. Von Lea Wolz

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Grippe und Erkältungen plagen in diesem Jahr viele Deutsche©

Seit gut zwei Wochen geht es in der Landarztpraxis von Petra Reis-Berkowicz und ihrem Mann in Gefrees, einem kleinen Ort mit 5000 Einwohnern in der Nähe von Bayreuth, rund: Die Patienten geben sich die Klinke in die Hand, die Ärztin arbeitet länger als üblich. "Wir verzeichnen einen deutlichen Anstieg von Grippefällen", sagt die 53-jährige Allgemeinmedizinerin. Mehr Patienten als im vergangenen Jahr kämen aber auch mit den typischen Erkältungssymptomen in die Praxis. Krankschreibungen stellt Reis-Berkowicz häufiger aus. Allein in dieser Woche waren es bereits 176 wegen Erkältungskrankheiten und acht wegen der echten Influenza.

Was die Allgemeinärztin in ihrer Praxis erlebt, deckt sich mit den Zahlen des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). "Die Grippewelle hat Bayern erreicht", sagt eine Sprecherin zu stern.de. In den vergangenen drei Wochen seien die Fallzahlen stark gestiegen. Vor allem im bevölkerungsreichen Oberbayern zwinge die Influenza viele ins Bett. "Ein Grund könnte sein, dass dort viele Menschen in Städten geballt aufeinander leben. Da ist das Ansteckungsrisiko höher", sagt die LGL-Sprecherin.

Früh gestartet und relativ stark

Bayernweit sind beim LGL seit Anfang des Jahres 3311 Grippeinfektionen gemeldet worden. Vor einem Jahr waren es zu dieser Zeit deutlich weniger, nämlich rund 150. Allein in der vergangenen Woche habe man 1210 Influenza-Fälle in dem Bundesland registriert. Die Woche zuvor lagen die Zahlen ebenfalls in diesem Bereich, vor zwei Wochen waren sie lediglich dreistellig. "Wir befinden uns mitten im Grippe-Geschehen", sagt die LGL-Sprecherin. Ob der Höhepunkt der Welle bereits erreicht sei, lasse sich aber nicht vorhersagen.

Beim LGL betont man aber auch, dass sich dieses Jahr nur schwer mit der Influenza-Saison im vergangenen Jahr vergleichen lasse. Denn die Saison 2011/2012 habe deutlich später begonnen und sei zudem sehr mild verlaufen. Einen ähnlichen Verlauf wie in diesem Jahr verzeichneten die bayerischen Behörden 2008/2009. Auch da sei die Grippewelle früh gestartet und relativ stark gewesen. Mitte Februar habe sie ihren Höhepunkt erreicht. "Insgesamt bewegen wir uns aber auch mit diesen Fallzahlen im Rahmen dessen, was bei einem Influenza-Geschehen normal ist", so die LGL-Sprecherin.

Nur im Osten sinken die Fallzahlen

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft die Grippewelle in diesem Jahr als "stark" ein. Seit Beginn der Saison im Oktober sind dort etwa 21.200 Influenzafälle gemeldet worden, darunter 36 laborbestätigte Todesfälle. Und noch steigen die Fallzahlen weiter, ein Abebben der Welle ist nicht in Sicht. Lediglich im Osten Deutschlands und in Berlin wird die Grippe-Aktivität langsam schwächer.

Auch typische Erkältungskrankheiten plagen in Deutschland zurzeit viele: Hier ist die Deutschlandkarte ebenfalls überwiegend rot eingefärbt. Lediglich in Schleswig-Holstein, Teilen von Niedersachsen, Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist die Lage entspannt.

Dass die Viren in diesem Jahr leichtes Spiel haben, liegt Allgemeinärztin Petra Reis-Berkowicz zufolge auch an den für einen Winter überwiegend milden Temperaturen. "Viele Menschen ziehen sich dann weniger dick an. Das Infektionsrisiko steigt, da die Viren leichter übertragen werden." Für die hohen Grippe-Zahlen macht Reis-Berkowicz aber auch den Impfstoff-Engpass im Herbst verantwortlich. In einigen Bundesländern war das Serum nicht rechtzeitig verfügbar. In ihrer Praxis ließen sich in der Regel zwischen 700 und 900 Patienten gegen die Grippe impfen, sagt die Medizinerin. "In diesem Jahr konnte ich lediglich 150 Patienten versorgen. Jetzt bekommen wir die Quittung für das Desaster."

Hilfreiche Tipps, wie Sie eine Grippe von einer Erkältung unterscheiden, wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen und wie Sie Ihr Immunsystem stärken, finden Sie im stern.de-Ratgeber "Grippe und Erkältung".

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Die stern-Experten
Die Professoren Winfried Kern und Reinhard Berner stehen dem Ratgeber Erkältung und Grippe als Experten zur Seite. Sie arbeiten am Universitätsklinikum Freiburg.