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Stern Logo Ratgeber Erkältung & Grippe

Was taugen Taschentücher mit Duft und Balsam?

Erkältete müssen sich häufig schnäuzen, das macht die Nase auf Dauer wund. Abhilfe versprechen Taschentücher mit Kamille- oder Aloe Vera-Balsam. Wie sinnvoll sind diese Produkte?

  Taschentücher mit Duft: Ist das sinnvoll?

Taschentücher mit Duft: Ist das sinnvoll?

Jahrzehntelang zeichneten sich Taschentücher vor allem durch eines aus: Schlichtheit. Möglichst praktisch sollten sie sein, reißfest und im Notfall schnell aufzufalten. Doch das war einmal. Hersteller fluten den Markt derzeit mit neuen Produkten, die weitere Zusatznutzen versprechen: So sollen sie die Haut schonen, mit Kamillebalsam pflegen oder gar antibakteriell wirken. Doch sind sie auch zu empfehlen?

Nach Meinung von Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena, muss ein Taschentuch zunächst zwei Aufgaben erfüllen: Es sollte Feuchtigkeit schnell aufsaugen und dabei die Haut möglichst wenig strapazieren. "Durch Kälte, Feuchtigkeit und häufiges Putzen kann es zu Hautentzündungen um die Nase, sogenannten Ekzemen, kommen", erklärt der Experte. Auch die Reibung des Taschentuchs trage dazu bei, dass sich die Haut um die Nase rötet und entzündet. Am hautfreundlichsten seien daher besonders weiche Taschentücher, die zusätzlich eine hohe Saugfähigkeit besitzen.

Duftstoffe können Allergien auslösen

Tüchern mit weiteren Zusatznutzen steht der Experte dagegen skeptisch gegenüber. Zwar sei die antientzündliche Wirkung von Aloe Vera oder Kamille wissenschaftlich belegt. Allerdings bleibe fraglich, ob diese Stoffe auch auf Taschentüchern ihre Wirkung entfalten können. "Hersteller müssen erwünschte Zusatznutzen für Konsumentenprodukte wie Taschentücher nicht belegen", so Elsner. "Sie müssen lediglich sicherstellen, dass das Produkt nicht schädlich ist." Werbebotschaften wie "verwöhnt empfindliche Schnupfennasen" sind daher nicht zwingend durch Studien untermauert.

Zudem sei zu bedenken, dass Zusatzstoffe, vor allem Duftstoffe, allergische Reaktionen auslösen können, so Elsner. Wird ein Duft nicht vertragen, äußert sich das Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) durch ein Kontaktekzem: Es bilden sich Bläschen, die Haut rötet sich, schuppt und juckt. Solche Reaktionen treten plötzlich auf und können sich auch nach jahrelangem Kontakt mit dem Duftstoff entwickeln. In diesen Fällen ist es sinnvoll, den Auslöser konsequent zu meiden und länger anhaltende Symptome bei einem Arzt abklären zu lassen.

Kritisch bewertet Elsner auch die Verwendung von Desinfektionsmitteln in Taschentüchern. "Inwieweit Desinfektionsmittel im Taschentuch selbst eine Wirkung entfalten, ist nicht belegt", erklärt er. "Fraglich bleibt also, ob diese Taschentücher eine Ausbreitung des Erregers verhindern können." Zudem könnten Desinfektionsmittel wie Benzalkoniumchlorid, das in solchen Taschentüchern enthalten ist, die ohnehin geschädigte Haut weiter reizen und allergische Reaktionen auslösen.

Taschentücher: Die richtige Verwendung zählt

Schnupfengeplagten empfiehlt der Experte einige einfache, hilfreiche Tipps: Er rät, Taschentücher nie lose in die Tasche zu legen, sondern immer in gut verschlossenen Packungen mit sich zu führen. Das verringert die Keimbelastung. Nach dem Benutzen sollten die Tücher außerdem sofort in den Müll wandern und nicht wiederbenutzt werden. Der Grund: "Die Feuchtigkeit lässt die Taschentücher durchweichen, und die Viren durchdringen das Fasernetz." Vom feuchten Tuch gelangen die Krankheitserreger im Anschluss mühelos auf Hände, Türklinken und weitere Alltagsgegenstände, was zu weiteren Ansteckungen führen könnte. Generell gilt, was Mediziner bereits lange empfehlen: häufig Hände waschen und in den Ärmel husten oder nießen – damit auch die Mitmenschen gesund bleiben.

ikr

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