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Das müssen Sie über H1N1 wissen

Ein neuer Influenza-Erreger ging 2009 und 2010 um die Welt und verunsicherte die Menschen. Zum Glück verlief die Grippewelle mild. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen über den Erreger.

Die Schweinegrippe begann im Februar 2009 in Mexiko und hat sich wie ein Lauffeuer fast über den gesamten Globus verbreitet. Ausgelöst wird sie durch eine neue Variante von Grippeviren des Typs A H1N1. Der oft verwendete Begriff Schweinegrippe ist allerdings irreführend: Die Erreger enthalten lediglich genetisches Material, das ursprünglich aus Grippeviren von Schweinen, Vögeln und Menschen stammt. Schweine waren dagegen bei Ausbruch der Krankheit nicht infiziert, erst im Mai steckten sich Schweine in Kanada mit dem neuen Virus an.

Übertragen werden die Viren wie jede herkömmliche Wintergrippe: Wenn ein Infizierter hustet, spricht oder niest, gelangen kleine Tröpfchen in die Luft, die das Virus enthalten. Wenn Sie nah, also weniger als einen Meter entfernt, bei einem infizierten Menschen stehen oder sich mit ihm unterhalten, können Sie die Viren mit den Tröpfchen einatmen. Anstecken können Sie sich auch, wenn Sie einen Stuhl, eine Türklinke oder einen Tisch anfassen, auf dem das Virus sitzt. Denn wenn Sie sich anschließend ins Gesicht fassen, gelangen die Erreger über Ihre Hände auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund.

Es kann noch schlimmer kommen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass das leicht übertragbare Virus nicht mehr einzudämmen ist. Und auch wenn die neue Influenza bislang sogar harmloser verläuft als manche Wintergrippe, kann niemand sagen, wie es weitergeht. Experten befürchten eine Art Kreuzung des H1N1-Virus mit einem weitaus aggressiveren Virus - zum Beispiel mit dem Vogelgrippe-Erreger vom Typ H5N1, der bislang noch nicht gut an den Menschen angepasst ist.

Hinzu kommt, dass sich, wie bei früheren Grippe-Pandemien, mehr gesunde junge Menschen anstecken als bei der Wintergrippe. Warum das so ist, wissen die Experten noch nicht. Auch für Schwangere und chronisch Kranke scheint der Erreger gefährlicher zu sein als für den Durchschnitt der Bevölkerung. Sicher ist jedoch: Je mehr Menschen sich infizieren, desto höher ist das Risiko, dass der Erreger bedrohlicher wird. Denn in jedem Infizierten kann sich das Virus mit Grippe-Erregern eines anderen Typs genetisch vermischen und so neue, womöglich gefährlichere Eigenschaften entwickeln.

Symptome

Hatten Sie vor kurzem Kontakt mit einer Person, die an Schweinegrippe erkrankt ist, und haben Sie nun selbst typische Symptome wie Fieber und Husten? Dann bleiben Sie am besten zu Hause und rufen von dort Ihren Hausarzt an. So vermeiden Sie, dass Sie andere Menschen an Ihrem Arbeitsplatz oder im Bus anstecken können.

Wenn Sie sich mit dem Virus infiziert haben, dauert es ähnlich wie bei der jährlichen Wintergrippe meist ein bis vier Tage, bis Sie erste Krankheitszeichen spüren. Ansteckend ist ein Infizierter jedoch schon am Tag vor Symptombeginn. Bis zu einer Woche scheiden Menschen, die sich angesteckt haben, Viren aus. Die Symptome der neuen Grippe unterscheiden sich kaum von denen einer herkömmlichen Influenza. Es beginnt plötzlich mit Fieber und Atembeschwerden wie Husten, manchmal kommen Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit und wenig Appetit hinzu. Einige Menschen haben zudem berichtet, dass ihnen übel wurde, sie sich übergeben mussten oder Durchfall bekamen.

Meist verläuft die Krankheit mild. Nach etwa einer Woche geht es den Betroffenen wieder gut, und sie sind nicht mehr ansteckend. Wie bei jeder Grippe gibt es jedoch auch die Gefahr, dass weitere Probleme auftreten wie eine Lungenentzündung - die dann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein kann. Zu den Risikogruppen zählen Schwangere, Neugeborene, Menschen mit chronischen Krankheiten und mit geschwächtem Immunsystem.

Diagnose

Wenn Sie mit dem Verdacht auf die neue Grippe Ihren Arzt anrufen, sollte er zunächst klären: Ist es wirklich eine Grippe, die Sie plagt, oder sind Sie nur stark erkältet? Dazu fragt er zunächst Ihre Symptome ab: Haben Sie hohes Fieber? Leiden Sie unter Kopf- und Gliederschmerzen? Auch anhand einer Blutuntersuchung kann der Arzt feststellen, ob es Viren oder Bakterien sind, die Sie ans Bett fesseln. Sollten Sie tatsächlich an einer Virusinfektion leiden, muss im nächsten Schritt festgestellt werden, ob es der neue Erreger ist, der Ihre Grippesymptome verursacht.

Es gibt zwar Schnelltests für die neue Grippe, die sind allerdings sehr unzuverlässig. Sichere Ergebnisse liefert ein anderes Verfahren: Mit einem Tupfer macht der Arzt einen Abstrich in Ihrem Rachen und den beiden Nasenlöchern. Die Proben schickt er an ein Speziallabor. Dort vervielfältigen Mediziner die Erbanlagen des Virus mit einem besonderen Verfahren, der sogenannten Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR). Diese Technik dient dazu, selbst kleinste Mengen des Virus-Erbguts so stark zu vermehren, dass die Forscher in der Lage sind, sie sich genauer anzusehen - und mit dem Erbgut der neuen Variante von H1N1 zu vergleichen. Das ist vor allem wichtig, um die Ausbreitung des neuen Virus und mögliche Veränderungen seiner Eigenschaften genau verfolgen zu können.

Therapie

Wenn der Arzt bei Ihnen die neue Grippe diagnostiziert hat, sollten Sie zu Hause im Bett bleiben und möglichst viel trinken, am besten Früchte- und Kräutertee oder verdünnten Fruchtsaft. Die Ruhe hilft Ihrer Immunabwehr, gegen die Viren vorzugehen. Wie bei einer Wintergrippe stehen Ihre Chancen gut, mit etwas Geduld die neue Influenza ohne Schaden zu überstehen.

Wenn die Erreger über die Schleimhäute in Ihren Körper eindringen und sich in den Atemwegszellen vermehren, wird Ihr Arzt Ihnen möglicherweise auch Medikamente verschreiben. Die beiden Wirkstoffe Oseltamivir und Zanamivir, besser bekannt unter ihren Handelsnamen Tamiflu und Relenza, greifen genau dort ein: Sie hemmen ein Protein namens Neuraminidase. Viren-Nachkommen benötigen das Protein, um die infizierte Körperzelle wieder zu verlassen. Oseltamivir gibt es als Tabletten, Zanamivir ist ein Pulver zum Inhalieren. Nehmen Infizierte die Mittel ein, kommen die neuen Viren nicht mehr von der Wirtszelle los und bleiben an deren Oberfläche haften. Dort erkennen Zellen des körpereigenen Abwehrsystems die Übeltäter und beseitigen sie.

Hören Sie auf Ihren Arzt

Meist wirken die Substanzen gut. Manchmal haben sich die Viren jedoch angepasst und die Medikamente bleiben wirkungslos. Das gilt vor allem für Tabletten mit Oseltamivir. Solche Resistenzen sind aber noch nicht weit verbreitet, die WHO geht von Einzelfällen aus. Stellen Ärzte bei Ihrer Virusinfektion fest, dass die Tabletten nicht wirken, können Sie zum Inhalationspulver mit Zanamivir wechseln - bei diesem Wirkstoff sind bislang weniger Resistenzen bekannt.

Richtig eingenommen können die Wirkstoffe die Krankheit um ein bis zwei Tage verkürzen und möglicherweise auch vor Komplikationen schützen. Dafür ist es allerdings wichtig, dass Sie möglichst früh mit der Therapie beginnen. Leiden Sie schon ein paar Tage, können die Medikamente wahrscheinlich nicht mehr viel ausrichten.

Auf eigene Faust sollten Sie sich aber nicht behandeln. Nehmen Sie die Substanzen nur, wenn Ihr Arzt Ihnen dazu rät. Achten Sie auch darauf, die Mittel in der richtigen Dosis und über die vom Arzt vorgeschriebene Zeit einzunehmen. Ansonsten steigt die Gefahr, dass die Viren resistent gegen die Mittel werden.

Tipps

Berühren Sie Ihr Gesicht möglichst selten mit den Fingern. Vielleicht sitzen Viren auf Ihren Händen, die Sie dann direkt auf den Schleimhäuten von Mund, Nase oder den Augen absetzen. Zudem sollten Sie besser nicht aus Tassen oder Flaschen trinken, aus denen bereits Menschen mit Krankheitssymptomen getrunken haben.

Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig mindestens 20 bis 30 Sekunden lang mit Seife und Wasser oder benutzen sie ein Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis.

Wahren Sie Abstand: Verzichten Sie besser auf Händeschütteln, Umarmungen und den Begrüßungskuss.

Wenn Sie nah bei Infizierten arbeiten oder einen Grippekranken versorgen müssen, legen Sie einen Mund-Nasen-Schutz an, am besten eine OP-Maske aus dem Sanitätshaus oder der Apotheke. Sie kann möglicherweise vor einem größeren Teil der Viren schützen. Wichtig ist, dass solche Masken eng anliegen, da die Viren sonst oben oder seitlich eindringen können. Die Masken eignen sich auch für Menschen, die an der neuen Grippe erkrankt sind. Sie vermindert dann die Zahl der Viren, die in die Umgebung gelangen.

Wenn Sie einen Grippekranken versorgen müssen, halten Sie die meiste Zeit mindestens einen Meter Abstand von ihm. Natürlich können Sie ihn berühren, ihm zu trinken oder zu essen bringen. Waschen Sie sich aber danach die Hände, am besten 20 bis 30 Sekunden lang mit Seife oder Alkohollösung.

Nehmen Sie ein Papiertuch, um nach dem Händewaschen die Türklinke der Toilettentür zu öffnen. Auch auf dem Treppengeländer können Viren sitzen.

Wenn Sie selbst erkrankt sind, schleudern Sie beim Niesen oder Sprechen die Viren aus Ihrem Körper. Am besten niesen Sie in Ihren Ärmel auf Höhe des Ellbogens. So bleiben die Hände sauber. Oder legen Sie eine OP-Maske an.

Helfen Sie Ihrem Körper und stärken Sie Ihre Abwehr, indem Sie Stress reduzieren, sich gesund ernähren, viel Wasser trinken, genügend schlafen und sich regelmäßig ausreichend bewegen.

Expertenrat

Professor Winfried Kern, Infektiologe am Universitätsklinikum Freiburg, beantwortet Ihre Fragen:

Ich habe Fieber und Kopfschmerzen, wie sollte ich mich jetzt verhalten?

Wenn Sie innerhalb der vergangenen acht Tage mit einem Schweinegrippe-Erkrankten Kontakt hatten, sollten Sie Ihren Hausarzt verständigen. Denn nur ein Arzt kann klären, ob Sie an einer Erkältung, der saisonalen oder tatsächlich der neuen Grippe leiden. Mit Ihrem Hausarzt besprechen Sie dann das weitere Vorgehen. Dies ist abhängig davon, in welchem Bereich Sie arbeiten, wie schwer die Symptome sind, und ob Sie an einer kritischen Grunderkrankung leiden.

Ich bin beruflich viel im Ausland unterwegs. Wie kann ich mich auf der Reise vor einer Ansteckung schützen?

Ein sicherer Schutz ist nicht möglich. Man kann die Ansteckungsgefahr jedoch verringern. Meiden Sie allzu dichte Menschenansammlungen und waschen Sie sich so häufig wie möglich die Hände mit Seife. Eventuell ist es sinnvoll, zusätzlich einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Ich bin bereits an der neuen Variante der Grippe erkrankt - bin ich nun auch gegen die saisonale Grippe geschützt?

Nein, die Impfung gegen die saisonale Grippe sollten Sie trotzdem durchführen.

Wie effektiv ist ein Mundschutz?

Wenn die Maske richtig sitzt und nach einer Tragezeit von etwa einem halben Tag ersetzt wird, ist die Wirksamkeit recht gut. Das gilt allerdings nur, wenn Sie zusätzlich darauf achten, sich möglichst wenig im Gesicht zu berühren.

Links

Weitere Informationen zur Schweinegrippe finden Sie auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen können, erfahren Sie unter wir-gegen-viren.de. Die europäische Seuchenbehörde ECDC informiert Sie ebenso in englischer Sprache wie die amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention und die Weltgesundheitsbehörde.

Arnd Schweitzer, Nicole Simon

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