Die Bedrohung am Himmel

Enten und Elstern sterben schon länger an der Geflügelpest. Wissenschaftler befürchten, dass der Erreger in Zukunft viele Menschen gefährden könnte.

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Vogelgrippe, H5N1

Hühner, die an Vogelgrippe leiden, werden erst untersucht, dann gekeult©

Die Vogelgrippe ist eine Tierseuche. Bauern in Europa kennen sie seit hundert Jahren: unter dem Namen Geflügelpest. Immer wieder werden deswegen massenhaft Enten, Gänse, Puten oder Hühner gekeult. Human-Mediziner nennen dieselbe Krankheit "aviäre Influenza", Vogelgrippe. Menschen erkranken daran eher selten. Doch Wissenschaftler vermuten, dass der Erreger auch für den Menschen gefährlich werden könnte: sobald er sich mit menschlichen Grippeviren kreuzt. Denn beide Virentypen sind sich recht ähnlich.

Vogelgrippe wird von dem Virus H5N1 ausgelöst. Dieser Keim gehört zur Gruppe der Grippeviren, genauer: zu den Influenza-A-Viren. Mit H und N werden die beiden wichtigsten Eiweiße abgekürzt, die an der Virenhülle sitzen: das Hämagglutinin und die Neuraminidase. Forscher haben die jeweiligen Hüll-Eiweiße einfach durchnummeriert, das Vogelgrippe-Virus besitzt das Hämagglutinin Nummer 5 und die Neuraminidase 1. Es gibt aber auch andere Subtypen, zum Beispiel H3N2 oder H1N1 - das sind herkömmliche Grippe-Erreger, die den Menschen häufig befallen.

Bislang erkranken Menschen selten an dem Vogelgrippe-Virus H5N1. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es weltweit etwas mehr als 300 Fälle, davon keiner in Deutschland. Zu unterschätzen ist eine Vogelgrippe-Infektion aber nicht: Mehr als 60 Prozent der Infizierten sterben.

Das Virus lauert im Vogelkot

Bedrohlich wird die Situation erst dann, wenn sich das Virus genetisch so verändert, dass es auch den Menschen leicht infizieren kann. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Mutation ist hoch, doch niemand weiß, wann H5N1 sich verändern wird. "Grund zur Besorgnis besteht erst, wenn der Erreger dazu fähig ist, sich effizient von Mensch zu Mensch auszubreiten", sagt Winfried Kern, Infektionsexperte am Universitätsklinikum Freiburg. Bislang sind nur zwei Fälle bekannt, in denen ein Mensch andere Menschen ansteckte: einer wurde 2004 in Thailand dokumentiert, ein anderer 2006 in Indonesien. "Damit sich das Virus effektiv übertragen kann, muss es sich erst noch besser an den Menschen anpassen", sagt Kern.

Die Gefahr, sich durch Geflügel oder Wildvögel anzustecken, ist sehr gering. Dazu müssen Menschen nah an die Tiere herankommen. In Asien ist das Infektions-Risiko größer: Dort leben Mensch und Geflügel oft auf kleinstem Raum zusammen. Die Erreger finden sich vor allem im Vogelkot. Sie können durch Einatmen oder durch Kontakt mit den Händen in den menschlichen Körper gelangen.

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