Warum wir uns immer wieder erkälten

Herbstzeit ist Schnupfenzeit. Das Immunsystem hält uns viele Erreger vom Leib. Bei Erkältungen versagt es - immer wieder. Besonders jetzt sind wir oft einige Tage krank. Dafür gibt es drei Gründe.

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Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens 200 bis 300 Schnupfenepisoden durch©

Bei Masern ist die Sache klar: Wir erkranken einmal im Leben daran, danach sind wir davor gefeit. Doch Husten und Schnupfen quälen uns immer wieder - mit schöner Regelmäßigkeit mindestens einmal im Jahr. Forscher gehen davon aus, dass Menschen etwa 200 bis 300 Erkältungen im Laufe ihres Lebens mitmachen. Warum werden wir nicht immun gegen diese Erreger? Warum ist unser körpereigenes Abwehrsystem so hilflos?

Dafür gibt es drei Gründe: Erstens gibt es viele verschiedene Erkältungserreger. Zweitens mutieren die Viren ständig. Und drittens tricksen viele Keime unser Immunsystem aus.

Das Immunsystem muss jedes Mal neu lernen

Über 200 verschiedene Virenarten können Husten, Schnupfen und Heiserkeit auslösen. Die Übeltäter sind unterschiedlich gebaut, verursachen aber ähnliche Symptome. Kaum hat sich unser Immunsystem gegen einen der Erreger gewehrt und ihn bekämpft, kommt schon der nächste daher: Weil er für das Immunsystem neu ist, kann es nicht mit bewährten Mitteln gegen ihn vorgehen. Stattdessen braucht die Körperabwehr Zeit, um mit dem neuen Eindringling fertig zu werden. In der Regel sind das drei bis sieben Tage.

Da es so viele verschiedene Erkältungserreger gibt, ist die Produktion eines Allround-Impfstoffs schwierig: Er müsste gleich gegen alle Keime auf einmal schützen können. Bei der echten Grippe hingegen ist die Sache einfacher: Gegen die Influenza werden jedes Jahr neue Impfstoffe entwickelt. Denn die Anzahl der gerade grassierenden Grippe-Erreger ist überschaubar, pro Jahr sind es zwischen drei und sechs.

Viren kleiden sich gern neu ein

Auch wenn unser Immunsystem gegen ein bestimmtes Erkältungsvirus bereits Vorsichtsmaßnahmen getroffen hat, schützt uns das nur bedingt vor einer weiteren Infektion mit demselben Erreger. Denn alle Viren sind wandelbar. Sie verändern sich immer ein kleines bisschen. Eine winzige Mutation reicht schon aus, um die Hülle eines Virus etwas anders aussehen zu lassen. Ein solcher Kleiderwechsel lässt bewährte Kämpfer des Immunsystems ins Leere laufen. Denn die Körperabwehr identifiziert Eindringlinge anhand ihrer äußeren Form. Ändert der Erreger sein Aussehen, vermag das Immunsystem in ihm keinen alten Bekannten zu erkennen.

Nicht nur Erkältungsviren, sondern auch Grippekeime wandeln sich ständig. Doch deren Mutationen werden von Virologen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sorgsam beobachtet. Labors auf der ganzen Welt analysieren ständig, wie Influenzakeime derzeit aussehen. So können jedes Jahr passende Impfstoffe hergestellt werden.

Schnupfenkeime tricksen die Körperabwehr aus

Erkältungsviren sind Trickbetrüger. Rhinoviren zum Beispiel unterlaufen gezielt die Körperabwehr. Sie manipulieren die Fresszellen des Immunsystems auf molekularer Ebene. Über viele Zwischenschritte führt das dazu, dass sich die Körperabwehr nicht merken kann, wie die Außenhülle der Rhinoviren aussieht. Die Folge: Beim nächsten Kontakt mit den Schnupfenerregern erkennt unser Immunsystem die Übeltäter nicht als alte Bekannte - weil es ahnungslos ist, kann es sie nicht sofort ausschalten. Deshalb sind wir immer wieder mehrere Tage lang krank.

Hilfe gegen Schnupfen und Husten bieten zum einen Hausmittel. Wenn Sie stark verschleimt sind oder Fieber haben, sollten Sie viel trinken - am besten heißen Tee. Warme Wickel und Inhalationen haben sich ebenfalls bewährt. Auch die Naturapotheke hält einiges bereit. Medikamente gegen Fieber sind nicht in jedem Fall sinnvoll, können aber unter anderem helfen, wenn die Temperatur über 39 Grad Celsius steigt und das Fieber mehr als drei Tage anhält. Nasensprays sollten Sie nicht zu lange anwenden, da sich der Körper an sie gewöhnt. Eine Erkältung bringt häufig auch einen unangenehmen Husten mit sich, gegen den Schleimlöser und Hustenstiller genommen werden können.

Sandra Jessel/ Annette Bolz
 
 
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