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11. November 2009, 22:15 Uhr

Das sollten Sie wissen

Warum heißt die Schweinegrippe eigentlich Schweinegrippe? Wie unterscheidet sie sich von einem grippalen Infekt? Und wer ist besonders gefährdet? stern TV beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist die Schweinegrippe?

Bei der Schweinegrippe handelt es sich um eine Atemwegserkrankung, deren Erreger eine neue Variante des Virustyps H1N1 ist: Das Virus hat es in dieser Form vorher noch nicht gegeben. Es weist genetische Merkmale von Menschen, Schweinen und Vögeln auf. Entstanden ist das Virus im April 2009 in Mexiko - und hat sich seitdem rasch über Staaten und Kontinente verbreitet. Zunächst war das Grippevirus bei Schweinen aufgetreten und wurde nur vom Tier auf den Menschen übertragen. Inzwischen ist auch eine Ansteckung von Mensch zu Mensch möglich.

Warum heißt die Schweinegrippe eigentlich Schweinegrippe?

Zunächst war das Grippevirus bei Schweinen aufgetreten und wurde nur vom Tier auf den Menschen übertragen: Ein Schwein kann gleichzeitig mit Schweine-, Vogel- und Menschenviren infiziert sein. Deren Gene können sich dann im Körper des Schweins vermischen, und so entstehen im Schweinekörper leicht neue Virustypen - wie auch im aktuellen Fall. Deshalb spricht man umgangssprachlich von "Schweinegrippe". Experten benutzen für das Virus dagegen die Bezeichnung "Neue Grippe".

Was ist der Unterschied zwischen der Schweinegrippe, der saisonalen Grippe und einem grippalen Infekt?

Sowohl die Schweinegrippe als auch die "normale", saisonale Grippe unterscheiden sich deutlich von einem grippalen Infekt: Von einem grippalen Infekt spricht man bei einer Erkältung, zum Beispiel mit Husten, Schnupfen und Halskratzen. In diesem Fall treten die Symptome langsam auf. Grippale Infekte, die durch Bakterien verursacht werden, werden häufig fälschlicherweise als Grippe bezeichnet.

Eine "echte", saisonale Grippe hingegen ist eine ernst zu nehmende Erkrankung: Sie wird durch Viren ausgelöst und unterscheidet sich durch ihren abrupten Krankheitsbeginn deutlich von einem grippalen Infekt. Häufig treten Symptome wie hohes Fieber, starke Gelenk- und Muskelschmerzen, starke Halsschmerzen, Müdigkeit oder Appetitlosigkeit auf.

Die Symptome der Schweinegrippe ähneln denen der saisonalen Grippe. Einige Menschen, die mit dem Erreger der Schweinegrippe infiziert waren, berichteten auch von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Ist das aktuelle Virus besonders gefährlich?

Wie gefährlich das Virus wirklich ist, ist nur sehr schwer zu sagen. Fest steht aber, dass sich das Virus derzeit immer weiter ausbreitet: So hat sich die Zahl der neuen Schweinegrippe-Infektionen in Deutschland innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Das Robert Koch-Institut (RKI) registrierte in der 44. Kalenderwoche 7822 neue Fälle. 60 Prozent der neu gemeldeten Fälle stammen aus Bayern. Den schnellsten Anstieg der Infektionszahlen gibt es in Bremen: Dort hat sich die Zahl der neuen Fälle innerhalb einer Woche verachtfacht.

Im Gegensatz zu früheren Virusarten - etwa der Vogelgrippe - wird das aktuelle Virus auch von Mensch zu Mensch übertragen. Dazu kommt, dass die Schweinegrippe nicht nur alte und schwache Menschen trifft, sondern auch junge, gesunde Erwachsene. Es waren auch viele junge Betroffene, die daran gestorben sind. Bei der normalen Grippe sterben häufig vor allem alte Menschen.

Was das Virus außerdem gefährlich macht, ist die Tatsache, dass es noch relativ neu ist. Die üblichen Grippeviren, die jährlich im Umlauf sind, kennt man vergleichsweise gut. Sie verändern sich zwar auch stetig, allerdings nur in geringem Maße. Der Impfstoff wird daran jährlich angepasst. Es gibt in der Bevölkerung daher inzwischen eine gewisse Immunität. Die Schweinegrippe wird hingegen von einem neuen Influenzavirus vom Typ A/H1N1 verursacht. Daher liegt bisher kaum ein Immunschutz in der Bevölkerung vor.

Droht eine weitere Ausbreitung der Schweinegrippe?

Niemand kann voraussagen, wie sich das Virus und seine Verbreitung weiter entwickeln. Die Weltgesundheitsorganisation spricht derzeit von einer moderaten Pandemie (weltweite Ausbreitung eines Virus). Es ist allerdings möglich, dass sich noch deutlich mehr Menschen anstecken und auch schwerer krank werden.

Wie wird das Virus übertragen?

Die Schweinegrippe kann vom Tier auf den Menschen und vom Menschen auf den Menschen übertragen werden – in diesem Fall durch die so genannte Tröpfcheninfektion. Das heißt: beim Küssen, Niesen, Husten oder auch beim bloßen Sprechen. Die virenhaltigen Tröpfchen bleiben aber auch an Gegenständen - etwa Türklinken, Computertastaturen oder Telefonen - haften. Sie gelangen dann über die Hände auf die Schleimhäute in Mund und Nase.

Bei der Tröpfcheninfektion gilt: Die "Tröpfchen" der Grippe fliegen in der Regel nicht weiter als einen Meter.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr bei der Schweinegrippe?

Etwa genauso hoch wie bei einer normalen Grippe: Wenn sich die ersten Symptome zeigen, ist man für andere in der Regel drei bis fünf Tage lang ansteckend. Nur in Ausnahmen können es sieben und mehr Tage sein. Es kann allerdings auch vorkommen, dass infizierte Menschen bereits vor den ersten Symptomen Viren übertragen. Das ist aber die Ausnahme.

Wer ist besonders gefährdet?

Jeder kann sich mit der Schweinegrippe anstecken. Einer erhöhten Gefahr sind natürlich diejenigen ausgesetzt, die sich häufig in größeren Menschenmengen aufhalten. Stark gefährdet ist außerdem medizinisches Personal.

Besonders gefährlich ist der Verlauf der Grippe für Menschen mit anderen Erkrankungen (zum Beispiel chronischen Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen, chronischen Krankheiten der Atemorgane, Krebs, Diabetes, verschiedenen Immundefekten oder einer HIV-Infektion). Auch für Schwangere besteht ein erhöhtes Risiko.

Wie kann man sich gegen die Grippe schützen?

Einen wirksamen Schutz gegen die Schweinegrippe bietet die Impfung. Wer allerdings einige Verhaltensweisen beachtet, kann das Risiko einer Ansteckung zumindest mindern: So sollte man Menschenmassen meiden und sich regelmäßig und gründlich die Hände waschen - vor allem dann, wenn man in öffentlichen Gebäuden mit Gegenständen in Berührung gekommen ist. Lüften Sie außerdem regelmäßig und vermeiden Sie, sich mit den Händen ins Gesicht zu fassen.

Ist die Impfung gegen die Schweinegrippe sinnvoll?

Ob man sich impfen lässt oder nicht, ist immer eine persönliche Entscheidung - so auch im Fall der Schweinegrippe. Jeder muss die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Im Fall des aktuellen Virus' verspricht die Impfung in jedem Fall einen wirksamen Schutz. Vor allem Personen, die sich häufig in größeren Menschenmengen aufhalten, oder medizinischem Personal wird die Impfung empfohlen.

Weitere Informationen zur Impfung, zu Risiken oder möglichen Nebenwirkungen bekommen Sie beim Bundesgesundheitsministerium und beim Paul-Ehrlich-Institut.

Wo kann man sich impfen lassen?

Eine Liste aller Ärzte, die sich als Impfärzte gegen die Schweinegrippe haben registrieren lassen und die von den Apotheken mit Impfstoff versorgt werden, gibt es unter:
www.aerzte-im-netz.eu

Muss man für die Impfung bezahlen?

Nein. Die Kosten für die Impfung tragen die Krankenkassen.

Geimpft und trotzdem krank - geht das?

Wer das Virus zum Zeitpunkt der Impfung bereits in sich trägt, kann trotzdem erkranken. Der Impfschutz tritt nämlich erst etwa zwei Wochen nach der Impfung ein.

Danach gilt: Wenn das Virus nicht stark mutiert, sind geimpfte Personen geschützt.

Sind diejenigen, die die Schweinegrippe bereits hatten, immun?

Ganz sicher lässt sich das derzeit nicht sagen. Prinzipiell ist man nach einer Erkrankung gegen das Virus immun. Allerdings können sich Grippeviren mit der Zeit verändern, so dass das Risiko einer zweiten Ansteckung bestehen kann.

Welche Symptome treten bei der Schweinegrippe auf?

Die Symptome ähneln denen der saisonalen Grippe: Häufig treten Husten, hohes Fieber, starke Gelenk- und Muskelschmerzen, starke Halsschmerzen, Müdigkeit oder Appetitlosigkeit auf. Einige Menschen, die mit dem Erreger der Schweinegrippe infiziert waren, berichteten auch von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Achtung: Von der saisonalen Grippe und der Schweinegrippe grundsätzlich zu unterscheiden ist die normale Erkältung (grippaler Infekt), bei der die Symptome meist langsam über mehrere Tage einsetzen: Oft beginnend mit Schnupfen, dann folgt Husten und unter Umständen Fieber.

Wann zeigen sich die ersten Symptome (Inkubationszeit)?

Zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit liegen in der Regel ein bis zwei Tage. In Einzelfällen kann es bis zu vier Tage dauern.

Kann ich Schweinegrippe haben, ohne es zu merken?

Ja. Tatsächlich hat sich in den letzten Wochen und Monaten gezeigt, dass es Menschen gibt, die Antikörper im Blut haben, ohne dass sie wussten, dass sie an der Schweinegrippe erkrankt waren.

Gleichzeitig warnen Gesundheitsexperten aber vor einer übertriebenen Hysterie: Grippeähnliche Symptome werden auch durch andere Viren hervorgerufen. Von der jährlichen und von der Schweinegrippe grundsätzlich zu unterscheiden ist die normale Erkältung, die während der Wintermonate grassiert – und bei der die Symptome meist langsam über mehrere Tage einsetzen. Oft beginnend mit Schnupfen, dann folgt Husten und unter Umständen Fieber.

Aktuelle Tests des Robert-Koch-Instituts zeigen: Nur 4 von 5 Personen, die sich haben testen lassen, waren tatsächlich infiziert.

Wie soll man sich verhalten, wenn ein Familien- oder Haushaltsangehöriger erkrankt ist?

Man sollte auf engen Körperkontakt verzichten. Erkrankte sollten sich nach Möglichkeit überwiegend in einem separaten Raum aufhalten. Und besonders wichtig ist, dass man sich an bestimmte Hygiene-Empfehlungen hält. Zudem sollte man genau auf erste Zeichen einer Erkrankung bei anderen Familienangehörigen achten.

Wie wird die Schweinegrippe behandelt?

So wie die saisonale Grippe wird auch die Schweinegrippe in den meisten Fällen mit antiviralen Medikamenten behandelt: Dazu zählen Tamiflu und Relenza. Aber: Beide Medikamente sind verschreibungspflichtig. Und: Da die Erkrankung nicht bei jedem Betroffenen gleich verläuft, entscheidet der Arzt immer im Einzelfall, ob und welche Medikamente gegen Viren eingenommen werden sollten.

Wo bekomme ich weitere Informationen?

Ausführliche Informationen zur Schweinegrippe, zur Impfung und zum Impfstoff, zur Ausbreitung des Virus' und zu vorbeugenden Maßnahmen gibt es im Internet beim Bundesgesundheitsministerium unter:
www.neuegrippe.bund.de

KOMMENTARE (6 von 6)
 
DKIna (13.11.2009, 02:46 Uhr)
Zum Thema Impfen oder nicht
Ich werde mich nicht impfen lassen und habe gute Gründe dafür. Mein Sohn wurde im Alter von 6 Monaten gegen sämtliche Kinderkrankheiten geimpft. Alles Routine! Noch nicht einmal 24 Stunden nach der Impfung kam es zu einer Attacke des Plötzlichen Kindstodes, die er nur knapp überlebte. Viele Ärzte sahen damals einen Zusammenhang mit der Impfung und dieser Verdacht konnte nie ganz ausgeschlossen werden. Einige Ärzte weigerten sich nach dem Vorfal sogar meinen Sohn ambulant zu impfen und rieten sogar von weitere Impfungen ab. Als Eltern waren wir damals total verunsichert unt entschieden eigenhändig, dass unser Sohn niemals mehr geimpft werden sollte. Auch als unser zweiter Sohn geboren wurde, lehnten wir jegliche Impfungen ab, weil wir mittlerweile erschreckende Erkundigungen eingeholt hatten.
Allen Kritikern zum Trotz: Unsere Söhne gehen ungeimpft durchs Leben und haben noch nie eine Kinderkrankheit gehabt. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann meine Söhne zuletzt einen Kinderarzt gesehen haben.
Wer so etwas erlebt hat, wird jeder Impfung kritisch gegenüber stehen.
In diesem Sinne
zickla (12.11.2009, 09:49 Uhr)
Neurodermitis
Bin ich mit Neurodermitis gefährdet (offene Stellen an Beinen und Armen)? Wenn ja ist eine Impfung ratsam? Wer kann mir helfen diese fragen zu beantworten!?!
honex (12.11.2009, 01:50 Uhr)
Nebenwirkungen
Es wurde bekannt, dass in Schweden bereits 5 Personen nach der Impfung verstorben sind. Es heißt, dass der Zusammenhang mit der Impfung noch nicht bestätigt werden kann. Kann denn überhaupt bestätigt werden, dass diese 16 Personen tatsächlich an den Folgen der Schweinegrippe verstorben sind? Vielleicht sind das auch nur Peronen, die gestorben sind und zufällig den Schweinegrippen-Virus hatten. Schließlich sterben rein statistisch gesehen jeden Tag in Deutschland ca. 2500-3000 Menschen.
JackRed (11.11.2009, 23:54 Uhr)
Danke Herr Jauch, danke!
Sehr geehrter Herr Jauch,

wenn ich mir bisher schon sicher war mich nicht gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen, so bin ich nach Ihrer Sendung absolut sicher es nicht zu tun. Denn: Der von Ihnen befragte und die Impfung befürwortende Experte meinte, dass mit nur einem Toten bei 10.000 Infizierten ganz schnell 1000 oder gar 10.000 Tote zu beklagen seien.

Wenn ich richtig rechnen gelernt habe, dann müssten bei diesen tollen, dramatisch klingenden Zahlen EINHUNDERTMILLIONEN Infizierte vorhanden sein, damit es bei einer Quote von 1 zu 10.000 zu 10.000 Toten kommen kann. Wie das bei ca. 83 Millionen Einwohnern in Deutschland möglich ist, entzieht sich meiner Logik. Oder der Experte ging davon aus, dass sich ALLE in Deutschland lebenden infiziert haben, restlos ALLE. Das wiederum sehe ich als nahezu unmöglich an und den Experten irgendwie nicht als Experten.

VIelleicht sind das aber auch nur die Nebenwirkungen der Impfung?

mfG,

Jens Roth
webster1of3 (11.11.2009, 23:24 Uhr)
Vorsicht vor Menschenansammlungen
Zuschauerbereiche in Fernsehstudios, öffentliche Veranstaltungen, Trauermärsche, Rock-Konzerte, Warteschlangen bei Impfungen oder generell Ärztewartezimmern (da gehen fast ausschließlich bereits Erkrankte hin!), Karneval ist auch nicht gerade eine brilliante Idee.
michellesh (11.11.2009, 23:13 Uhr)
Meine Kinder
Meine Kinder haben heute die Impfung bekommen....
Meine Tochter ist einmal 5 Jahre alt...
und die ältere knapp 9Jahre... schwer Herzkrank...
Beide haben die Impfung um 12:30 bekommen...
Sie haben keine Nebenwirkungen bis jetzt ist alles so wie immer....