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Farbspritze kann Allergien auslösen

Tattoos sind weit verbreitet. Ungefährlich ist der bleibende Hautschmuck trotzdem nicht. Denn die für Tätowierungen verwendeten Farben enthalten zum Teil krebserregende Substanzen.

  Sieht hübsch aus - kann aber Autolack enthalten

Sieht hübsch aus - kann aber Autolack enthalten

Jeder vierte Deutsche zwischen 15 und 29 Jahren trägt inzwischen ein Tattoo, Tendenz steigend. Die meisten wissen allerdings nicht mal ansatzweise, was ihnen der oft ähnlich ahnungslose Tätowierer da in die Haut genadelt hat.

Mediziner der Universität Regensburg haben die Farben einmal untersucht - mit alarmierenden Ergebnissen: In den bis zu 300 verschiedenen Mischungen, die zum Tätowieren benutzt werden, stecken zum Teil abenteuerliche Substanzen. Zwar besteht die blauschwarze Standardverzierung oft nur aus gewöhnlicher Tusche. Vielen andere Farben enthalten aber Stoffe, die auch zur Herstellung von Autolacken, zum Einfärben von Kunststoffen oder für Druckerpatronen verwendet werden. Sie können unter Umständen Kontaktallergien auslösen.

Auch sonst sollten Sie vielleicht ein paar Tage länger überlegen, ob Sie sich fürs Leben zeichnen lassen. Generell gilt: Wer sich ein Tattoo stechen lässt, trifft eine Entscheidung, die kaum mehr rückgängig zu machen ist.

Denn der Tätowierer schießt die Farbe regelrecht in die Haut. Dabei feuert die Nadel seiner Tätowierpistole bis zu 3500 winzige Stiche pro Minute ab. Auf diese Weise werden ein bis zwei Milligramm Farbstoff pro Quadratzentimeter in die mittlere Hautschicht, die sogenannte Dermis gespritzt. Immunzellen des Körpers sorgen dann dafür, dass das Motiv erhalten bleibt - sie kapseln die Farbpigmente regelrecht ein. Das heißt, der Körper kann sie nicht mehr abbauen.

Profis stechen meistens sauber

Wer sich sein Steißbeinornament oder den Schmetterling am Knöchel vom Profi stechen lässt, hat in punkto Hygiene meist nichts zu befürchten. Die professionellen Studios arbeiten heute größtenteils steril, die wunden Stellen werden anschließend ordentlich versorgt.

Lassen Sie aber keine Amateure mit Nähnadel oder gar Messer an Ihre Haut. Erstens wird es oft nicht besonders schön, zweitens lässt die Hygiene meist zu wünschen übrig, Bakterien oder Pilze können die Stellen entzünden. Schlimmstenfalls steckt sich der Empfänger mit Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV an.

Die Farbe bleibt nicht immer da, wo sie einst war

Untersuchungen der Lymphknoten haben zudem gezeigt, dass die Farbe keineswegs immer da bleibt, wo sie hingehört. Gelangt sie in die bis zu anderthalb Millimeter dicke Dermis, versucht der Körper, sie schnell wieder loszuwerden. Viele der Pigmente sind zwar zu groß und passen nicht durch die Zellwände. Kleine Partikel dagegen spült die Lymphe, die durch das Gewebe fließt, in die umliegenden Lymphknoten. Diese Filteranlagen des Körpers haben dann oft dieselbe Farbe wie das Tattoo. Außerdem verteilt die Lymphe die kleinsten Farbbestandteile im gesamten Körper. Sie können sogar in die Blutbahnen gelangen.

Risiken und Recht

Die Wunde heilt, die Farbe bleibt. Woraus sie besteht, zeigte eine Untersuchung von Regensburger Medizinern: Bis zu 300 verschiedene Mischungen werden zum Tätowieren verwendet. Das blauschwarze Standardtattoo besteht zwar mit großer Wahrscheinlichkeit aus simpler Tusche oder Farbruß. Buntere Körperbilder enthalten bis zu 60 verschiedene Farbpigmente. In vielen stecken Schwermetalle wie Nickel, Chrom und Quecksilber, die oft Allergien auslösen.

Rot gilt als riskanteste Farbwahl, denn hier wird Zinnober beigemischt, das giftiges Quecksilber enthält. Um und in den rot tätowierten Bereichen können sich Blasen bilden oder Entzündungen auftreten. Doch auch vor anderen Tönen warnen Hautärzte. So enthält Gelb Kadmium, Blau Kobalt und Grün Chromoxid. Unter Umständen stecken in bunt schimmernden Tätowierungen auch Azofarbstoffe, das sind chemische Verbindungen, deren Abbauprodukte Krebs erregen können.

Eine Institution, die Tattofarben auf Reinheit und Verträglichkeit testet, existiert nicht. Und die Hersteller dieser Farben halten sich bedeckt. Ihr Argument: Schließlich seien die verwendeten Farben normalerweise nicht zum Tätowieren gedacht. Bei falscher Anwendung sind sie folglich nicht haftbar.

Unglaublich, aber wahr: Auch hinsichtlich der Hygiene gibt es hierzulande gar keine Vorgaben. Mit anderen Worten: Jeder Tätowierer könnte seinen Klienten jede x-beliebige Farbe in die Haut spritzen und müsste sich dafür noch nicht mal die Hände waschen. Theoretisch darf er die Nadeln so oft benutzen, wie ihm beliebt, und braucht sie nicht mal zu sterilisieren. Glücklicherweise ist das nicht üblich. Profistudios, in denen derartige Zustände herrschen, sind nicht konkurrenzfähig.

Tattoos entfernen

Nun kann es ja durchaus passieren, dass das grüngelbe Unterseeboot, das der damalige Liebste so toll fand, sechs Jahre später nur noch albern wirkt. Oder dass plötzlich alle mit ornamental verziertem Rücken durch die Gegend rennen und Sie gern mal wieder etwas individueller auftreten würden.

#links;http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/tattoo-entfernung-die-trennung-schmerzt-707420.html;Im Prinzip ist es möglich, Körperkunst loszuwerden#. Bis vor ein paar Jahren war das allerdings noch eine ziemlich rabiate Prozedur: Ärzte schnitten missliebige Tattoos einfach großflächig heraus oder schliffen bemalte Hautstellen regelrecht runter. Beides hinterließ hässliche Narben.

Mittlerweile geht es auch sanfter, dem #links;http://www.stern.de/haut/therapie/laser-lichtschwert-fuer-aerzte-639809.html;Laser# sei Dank. Wobei leider gilt: Je professioneller eine Tätowierung gemacht wurde, desto schwieriger lässt sie sich entfernen. Bis zu zehn Behandlungen im Abstand von vier bis sechs Wochen sind fällig. Mit jeder Sitzung verblasst das Motiv ein bisschen mehr, denn die eingeschlossenen Farbpigmente werden durch den Laser so stark erhitzt, dass sie zerbersten. Fresszellen der körpereigenen Immunabwehr verschlingen die Farbreste.

Rückstandslos und schmerzfrei soll das lästige Motiv auf diese Weise verschwinden, versprechen zumindest #links;http://stern.arzt-auskunft.de/Suche_S/HtmMenu.plx;Hautkliniken#, die sich auf Tattooentfernung spezialisiert haben. Viele Dermatologen bleiben aber skeptisch. Nach wie vor gilt: Wer sich von seiner Körperkunst trennen will, muss Narben oder Pigmentveränderungen in Kauf nehmen. Auch gesundheitlich ist das Verfahren nicht ohne Risiko, denn die energiereichen Impulse des Lasers spalten vermutlich die ohnehin bedenklichen Azofarbstoffe in krebserregende Amine.

Weniger kunstvoll und auf jeden Fall unerwünscht sind jene unfreiwilligen Tattoos, die bei Unfällen entstehen können. Wenn Sie stürzen, graben sich womöglich winzige Asphaltsplitter ins Knie. Und beim unvorsichtigen Böllern kann sich das Pulver der Rakete fein gesiebt in die Haut sprengen. Das sieht dann aus wie schwarze Sommersprossen. Ärzte nennen dieses Phänomen Schmutztätowierung.

Heilt die Haut nach dem Vorfall, kapseln Fresszellen die fremden Teilchen wie beim normalen Tattoo ein. Dann lassen sie sich nur noch schwer entfernen. Gehen Sie daher möglichst schnell zum Arzt. Der bürstet oberflächliche Teilchen aus und entfernt tiefer liegende mit Pinzette, Nadel oder einer kleinen Stanze. In schwereren Fällen zertrümmert er die Eindringlinge mit dem Laser. Das Verfahren funktioniert hier viel besser als bei einer echten Tätowierung, denn die Partikel stecken längst nicht so tief in der Haut.

Permanent Make-up

Nie mehr zu Eyeliner und Lippenstift greifen - und trotzdem stets gut geschminkt aussehen: klingt erst mal toll! Immer öfter bieten Studios und Kosmetiksalons daher Schminktätowierungen an, sogenanntes Permanent Make-up, das sich nicht abwischen lässt. Tätowierer und Kosmetikerinnen röten dauerhaft Lippen, ziehen Lid- und Augenbrauenstriche, die ein Leben lang halten. Nachteil: Wer sich für Permanent Make-up entscheidet, sieht immer gleich aus. Und die verwendeten Farben sind die üblichen Tätowierungsmittel. Damit gilt für Schminktattoos gilt dasselbe wie für normale: Sie können Allergie auslösende Schwermetalle und krebserregende Azofarbstoffe enthalten.

Henna- und Biotattoos haben Risiken

Kurzfristiger aufhübschen kann man sich mit Tattoos aus Henna, die leicht auf die Haut gepinselt werden. Sie sind nicht für die Ewigkeit gedacht, sondern sollen nur ein paar Wochen lang schmücken. Ganz so harmlos wie viele glauben, sind die rotbraunen Malereien, die oft in Urlaubsländern angeboten werden, aber nicht: Dem Hennapulver wird oft Para-Phenylendiamin, kurz PPD, zugesetzt. Dieser Stoff kann in größeren Mengen auf der Haut Kontaktallergien auslösen und ist in Europa für Hennatattoos daher verboten.

Ideal für alle, die sich nicht festlegen wollen, ist angeblich das sogenannte Biotattoo. Offenbar werden die Farbpigmente dabei nur in die oberste Hautschicht, die Epidermis, eingearbeitet. Und die erneuert sich ständig. Nach zwei bis sieben Jahren soll das Motiv daher verschwunden sein, werben einige Studios. Mediziner und seriöse Profis raten jedoch ab. Alles Schwindel mit dem Biotattoo, heißt es. Begründung: Zum einen ist es höchst unwahrscheinlich, dass der Tätowierer tatsächlich nur in die millimeterdicke obere Hautschicht nadelt - ohne dabei auch die tiefer liegende Dermis zu treffen. Zum anderen halten Tattoos, die wie durch ein Wunder wirklich ausschließlich in der oberen Hautschicht landen, gerade mal vier Wochen. So lange brauchen die Hautzellen nämlich, um sich zu erneuern. Alles was länger halten soll, muss tiefer sitzen und ist damit auch weiterhin mehr oder weniger was fürs Leben.

Kirsten Milhahn

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