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Geschnitten, geschürft, geprellt

Unsere Haut ist unser Schutzschild. Ist er kaputt, können Bakterien, Schmutz und Chemikalien in die Wunde eindringen. So behandeln Sie Verletzungen am besten.

Tipps bei Verletzungen: Keine Panik, wenn Blut fließt!
  Fließt Blut, ist der Schreck erst mal groß. Doch meist sieht es dramatischer aus, als es ist. Denn Haut blutet stark, wenn sie verletzt ist: Schließlich ist sie mit einem dichten Adernetz durchzogen. Das heraussickernde Blut schwemmt Keime aus der Wunde. Zudem sitzen in der Haut ziemlich viele Nerven: Deshalb schmerzen auch oberflächliche Wunden.

Fließt Blut, ist der Schreck erst mal groß. Doch meist sieht es dramatischer aus, als es ist. Denn Haut blutet stark, wenn sie verletzt ist: Schließlich ist sie mit einem dichten Adernetz durchzogen. Das heraussickernde Blut schwemmt Keime aus der Wunde. Zudem sitzen in der Haut ziemlich viele Nerven: Deshalb schmerzen auch oberflächliche Wunden.

Unsere Haut hält vieles ab: Sie überzieht wie ein natürlicher Schutzmantel unseren Körper - und leistet dabei ganze Arbeit. Denn sie hindert viele Bakterien, Viren und Parasiten daran, in unseren Körper einzudringen. Sie schirmt unseren Organismus auch vor äußeren Umwelteinflüssen ab - wie Hitze, Kälte oder Sonnenstrahlen. Dazu benötigt sie eine entsprechende Ausrüstung.

Ganz knapp unter der dünnen äußeren Hornschicht wimmelt es daher vor Leben: Ein aktives und komplexes System aus vielen verschiedenen Haut- und Immunzellen, Nerven und Blutgefäßen schreitet rasch ein, sobald unser Schutzmantel Risse bekommt, das heißt, wenn wir uns eine Wunde zugezogen haben. Die Haut kann sich so wieder vollständig regenerieren - oft sogar, ohne sichtbare Narben zu hinterlassen.

Zahlreiche kleine Hautsensoren, die Nervenfasern und Sinneszellen, nehmen ständig wahr, was um uns herum geschieht. Sie registrieren Wärme, Kälte, Druck oder auch ein Pieksen. Die Haut sendet ihre Sinneseindrücke über Nerven an Rückenmark und Gehirn. So werden wir vor Gefahren gewarnt, bevor ein größerer Schaden entsteht. Doch manchmal können wir, trotz des eingebauten Warnsystems der Haut, einfach nicht mehr rechtzeitig reagieren. Und es entsteht eine Wunde, wenn das Gewebe der Haut oder der inneren Organe geschädigt oder ganz durchtrennt wird. Sie kann dabei so klein sein, dass wir sie gar nicht zur Kenntnis nehmen.

Gefährliches Gemüsemesser

Betrifft so eine Verletzung nur die Haut, wird sie als einfache Wunde bezeichnet. Doch schon ein tiefer Schnitt mit dem Gemüsemesser kann eine größere, unter Umständen sogar eine komplexe Wunde verursachen - davon spricht der Arzt, wenn unter der Haut auch Nerven, Sehnen, Muskeln oder Blutgefäße zertrennt werden.

Häufig verletzen wir uns in den eigenen vier Wänden. Oft sind das nur kleine Schürf- oder harmlose Schnittwunden. Gefährlicher kann es werden, wenn wir hinfallen - zum Beispiel beim Fensterputzen oder auf dem rutschigen Fliesenboden: Unter den tödlichen häuslichen Unfällen sind Stürze mit rund 80 Prozent die häufigste Ursache.

Auch Krankheiten verletzen uns

Nicht alle Verletzungen entstehen durch äußere Einflüsse wie Schnitte, Abschürfungen, Bisse oder starke Hitze. Es gibt auch organische Ursachen. So führt eine Zuckerkrankheit, die sogenannte Diabetes mellitus, oder eine Venenschwäche dazu, dass Wunden sich schneller bilden und länger bleiben.

Bagatellverletzungen, die bei Gesunden unbemerkt entstehen und abheilen, können hier zu großen Problemwunden werden.

Außerdem gibt es verschiedene Medikamente, die die Selbstheilung der Haut hemmen. Dazu gehören zum Beispiel Arzneien zur Chemotherapie, bestimmte Rheumamittel und Kortison. Ärzte schätzen, dass etwa vier Millionen Menschen hierzulande an nicht heilenden, also chronischen, Wunden leiden.

Schürfwunden

Schürfwunden sind klassische Spiel-und-Sport-Verletzungen, also oberflächliche Schäden, die beim Toben und Rangeln schnell mal entstehen können. Wenn Ihr Kind zum Beispiel bei einem Wettrennen mit dem Arm oder Bein an einer rauen Wand entlang streift, wird an den entsprechenden Stellen die oberste Hautschicht, auch Epidermis genannt, weggerissen und viele kleine punktförmige Blutungen entstehen.

Die untersten Zellen der Oberhaut, die Basalzellen, bleiben dabei meist unversehrt. Sie sind für die ständige Regeneration der Haut zuständig und sorgen bei der Schürfwunde für ein narbenloses Abheilen. Wenn Sie jedoch ausrutschen oder mit so viel Schwung fallen, dass Sie ein Stück am Boden entlangschleifen, kann eine Schürf-Platzwunde entstehen. Das heißt, die Haut platzt an der Stelle der größten Gewalteinwirkung spaltartig auf.

Schmerzhaft, aber meist harmlos

Schürfwunden tun sehr weh, sehen aber meist schlimmer aus, als sie sind. Obwohl sie nur oberflächlich sind, können sie stark bluten. Das ist aber gut so, denn dadurch werden auf natürliche Weise viele Keime ausgespült. Wenn Sie unsicher sind, wie tief die Wunde ist, tupfen Sie das Blut einfach vorsichtig mit keimfreiem Verbandmaterial ab. Bildet es sich anschließend nicht flächig, sondern nur punktweise neu, betrifft die Wunde allein die obere Hautschicht und lässt sich schnell selbst behandeln.

Entfernen Sie leichte Verschmutzungen vorsichtig mit einem sterilen Tupfer. Den können Sie zum Beispiel aus einer Kompresse formen. Desinfizieren Sie die Wunde und lassen Sie sie dann an der Luft trocknen. Sogenannte Hydrokolloidpflaster oder Alginatpflaster mit Algenextrakten nehmen die Flüssigkeiten der Wunde auf, trocknen sie aber nicht aus und sind zudem ideal, wenn über die verletzte Stelle wieder ein Kleidungsstück muss. Sie schützen die Schürfwunde vor Keimen und verhindern, dass sie am Hosenbein oder Ärmel festklebt.

Wichtig: Wenn eine Schürfung stark blutet, gehen Sie lieber zum Arzt. Die Wunde könnte in der Tiefe aufgerissen oder aufgeplatzt sein und muss genäht werden. Manche Abschürfungen an Beinen oder Knien, zum Beispiel nach Fahrrad- oder Mopedstürzen, sind so groß und schmerzhaft, dass der Betroffene kaum laufen kann. Sind zwei Helfer zur Stelle, bietet sich in diesen Fällen ein sogenannter Tragring an.

Platzwunden

Die Platzwunde entsteht ähnlich wie eine Prellung, nämlich durch stumpfe Gewalteinwirkung, die nahezu senkrecht auf die Haut trifft. Das kann zum Beispiel bei einem Sturz auf den Kantstein passieren. Anders als bei der Prellung bleibt die Haut dabei nicht intakt. Sie wird durch den stumpfen Schlag über den kritischen Punkt hinaus gedehnt, platzt auf und blutet stark. Häufig sind Körperstellen betroffen, an denen der Knochen knapp unter der Haut liegt, also ohne abfederndes Binde- oder Fettgewebe dazwischen. Daher entstehen Platzwunden oft am Kopf.

Grundsätzlich sind Platzwunden ein Fall für den Chirurgen. Schon aus ästhetischen Gründen: Die Wundränder sind oft unregelmäßig aufgerissen. Werden sie vom Experten geglättet, heilt die Verletzung schneller und hinterlässt nur eine unauffällige Narbe. Achtung: Wunden lassen sich nur in den ersten sechs Stunden problemlos nähen. Vertun Sie nach einem Unfall also nicht zu viel Zeit! Suchen Sie, falls Sie sich die Verletzung nachts oder am Wochenende zuziehen, umgehend die Notaufnahme eines Krankenhauses auf.

Prellungen

Stumpfe Gewalteinwirkung, zum Beispiel ein Faustschlag aufs Auge oder ein Sturz auf den Fahrradlenker, kann zu einer Prellung führen. Die betroffene Stelle schwillt oft durch Gewebswasser oder Blutergüsse an, die Haut selbst bleibt aber meist unversehrt.

Achtung: Werden Bauch oder Lunge geprellt, entstehen unter Umständen in der Tiefe Wunden, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Risse innerer Organe wie Milz oder Leber verursachen oft starke Bauchschmerzen. Werden sie nicht rechtzeitig behandelt, besteht die Gefahr des inneren Verblutens. Bei einem Sturz oder Schlag auf die Rippen kann die zarte Lunge verletzt werden. Indizien dafür sind plötzliche Atemlosigkeit oder stechende Schmerzen.

Eine Prellung des Kopfes kann zum Schädelhirntrauma führen. Vorübergehende Vergesslichkeit, Bewusstlosigkeit, Schwindelgefühl oder Übelkeit, Kopf- und Nackenschmerzen sind die Warnsignale, die auf eine Gehirnerschütterung hindeuten.

Harmlose Prellungen zum Beispiel an Armen und Beinen lassen nur kurzzeitig die Haut anschwellen. Lagern Sie den betroffenen Körperteil erhöht, kühlen Sie die Verletzung mit einer Kompresse oder nassen Umschlägen. Wenn die Schwellung oder die Schmerzen stärker werden oder die Stelle gar taub wird, holen Sie medizinischen Rat ein. Prellungen am Oberkörper und Bauchraum sind immer ein Fall für den Arzt, der mittels Ultraschall oder Röntgenbild prüfen kann, ob Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz oder Lunge etwas abbekommen haben.

Schnittwunden

Schnittwunden sind die häufigsten Alltagsverletzungen. Vor allem in der Küche sind wir verwundbar: Mal rutscht das Schälmesser von der Kartoffel ab, mal hacken wir statt der Zwiebel die Fingerkuppe. Gute Messer sind scharf und hinterlassen oft stark blutende, sehr schmerzhafte Wunden - je schärfer, desto tiefer.

Besonders anfällig sind naturgemäß unsere Hände. Und ausgerechnet hier ist die Haut sehr dünn. Sehnen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße liegen gleich darunter und können schnell mit verletzt werden.

Kleine, oberflächliche Schnittwunden heilen oft gut ab, da die Wundränder glatt sind und nur die Haut eingerissen wurde. Diese Verletzungen können Sie so lange an der Luft lassen, bis es nicht mehr blutet. Wollen Sie dann weiter Kartoffeln schälen oder Zwiebeln hacken, sollten Sie zum Schutz vor Keimen ein breites Pflaster auf die verletzte Haut kleben.

Wenn die Wunde tief ist, vergessen Sie besser den geplanten Eintopf und gehen zum Arzt. Manchmal ist nämlich mehr passiert, als Sie sehen können. Tiefere Strukturen können verletzt sein, obwohl Sie kaum einen Pieks - zum Beispiel mit der Pellkartoffelgabel - gespürt haben und es nicht mal stark blutet. Und denken Sie auch an die Infektionsgefahr: Messer, mit denen Sie gerade Fleisch oder Fisch geschnitten haben, sind oft richtige Keimschleudern. Schnittwunden sind die häufigsten Alltagsverletzungen. Vor allem in der Küche sind wir verwundbar: Mal rutscht das Schälmesser von der Kartoffel ab, mal hacken wir statt der Zwiebel die Fingerkuppe. Gute Messer sind scharf und hinterlassen oft stark blutende, sehr schmerzhafte Wunden - je schärfer, desto tiefer.

Besonders anfällig sind naturgemäß unsere Hände. Und ausgerechnet hier ist die Haut sehr dünn. Sehnen, Muskeln, Nerven und Blutgefäße liegen gleich darunter und können schnell mit verletzt werden.

Kleine, oberflächliche Schnittwunden heilen oft gut ab, da die Wundränder glatt sind und nur die Haut eingerissen wurde. Diese Verletzungen können Sie so lange an der Luft lassen, bis es nicht mehr blutet. Wollen Sie dann weiter Kartoffeln schälen oder Zwiebeln hacken, sollten Sie zum Schutz vor Keimen ein breites Pflaster auf die verletzte Haut kleben.

Wenn die Wunde tief ist, vergessen Sie besser den geplanten Eintopf und gehen zum Arzt. Manchmal ist nämlich mehr passiert, als Sie sehen können. Tiefere Strukturen können verletzt sein, obwohl Sie kaum einen Pieks - zum Beispiel mit der Pellkartoffelgabel - gespürt haben und es nicht mal stark blutet. Und denken Sie auch an die Infektionsgefahr: Messer, mit denen Sie gerade Fleisch oder Fisch geschnitten haben, sind oft richtige Keimschleudern.

Bisswunden

Geschätzte 50.000 Mal im Jahr wird in Deutschland ein Mensch gebissen. Meist sind Hunde die Übeltäter. Sie haben es nicht nur auf den Postboten abgesehen, sondern beißen manchmal auch die Hand, die sie füttert. Vor allem Kleinkinder überschreiten beim Spielen schnell mal die Toleranzgrenze des Tiers. Es fühlt sich angegriffen und wehrt sich.

Seltener, aber besonders gefürchtet sind Katzenbisse. Die spitzen Zähne dringen bis in den Fingerknochen. Die kleine Punktionsverletzung kann sich infizieren - schwer zu behandelnde Knochen- und Gelenkentzündungen sind mitunter die Folge.

Generell gilt: Alle Bissverletzungen, ob groß oder winzig klein, können gefährlich werden. Und nicht immer sind die Tiere schuld. Auch wir Menschen haben prinzipiell ein böses Mundwerk. Denn unser Speichel ist normalerweise noch riskanter als der von Hund, Katze und Co. Menschliche Spucke enthält unter anderem antibiotikaresistente Bakterien, die die Behandlung von Entzündungen erschweren.

Nähen oder nicht?

Bei tiefen Bissen - egal von wem - sind auch Nerven, Sehnen, Bindegewebe und Muskeln gefährdet. Suchen Sie daher bei jeder Bisswunde, die über einen oberflächlichen Kratzer hinausgeht, einen Arzt auf. Das gilt ebenfalls, wenn Sie unsicher sind, wie tief die Verletzung ist. Oder Sie nicht einschätzen können, ob sich die Stelle entzündet hat.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Ihr Immunsystem durch eine Krankheit oder Medikamente ohnehin geschwächt ist. Der Arzt wird die Bissstelle spülen, gegebenenfalls abgestorbenes Gewebe entfernen und die Wundränder begradigen. Ob Bisse gleich genäht werden sollten, oder ob es besser ist abzuwarten, darüber diskutieren die Experten derzeit noch. Wenn jedoch schon beim Arztbesuch Zeichen einer Entzündung sichtbar sind, wird die Wunde in jedem Fall erst einmal offen gelassen.

Seit Frühjahr 2008 gilt Deutschland offiziell als tollwutfrei. Wenn Sie von einem Wildtier gebissen wurden oder von einem Haustier, das sich ungewöhnlich verhält, gehen Sie trotzdem lieber zum Arzt. Beißt Sie im Urlaub, zum Beispiel in Asien, ein Wild- oder Haustier, gilt die höchste Alarmstufe. Denn ist die Tollwut erst mal ausgebrochen, verläuft sie immer tödlich. Eine sofortige Impfung kann den Ausbruch aber verhindern.

Verbrennungen und Verbrühungen

Hitze ist ein gefährlicher Feind der Haut. Ab 45 Grad Celsius reagiert sie mit roten, juckenden Entzündungen, ab 55 Grad bilden sich zusätzlich Blasen auf der Oberfläche, ab 60 Grad stockt das Eiweiß in den Zellen - es kommt zum Zelltod. Besonders bei kleinen Kindern können schon geringe Mengen heißen Wassers oder Öls große Hautpartien schädigen, unter Umständen besteht sogar Lebensgefahr. Auch der erwachsene Körper verkraftet größere Verbrennungen der Haut nicht, es kommt womöglich zum Schock. Paradoxerweise führen großflächige Verbrennungen und Verbrühungen auch zu Unterkühlung, denn der wärmende Schutzmantel der Haut fehlt.

Bei kleineren Verbrennungen ohne Blasen hilft es, wenn Sie die betroffene Stelle ausgiebig unter fließendes Leitungswasser halten. Kühlen Sie, bis der Schmerz weg ist. Das kann bis zu 20 Minuten dauern, denn die Verbrennung geht auch in die Tiefe, und dort braucht es etwas länger, bis der Effekt greift. Verwenden Sie bitte keine Eiswürfel oder Kältepackungen, sonst kriegen Sie obendrein noch eine Erfrierung.

Kinder unter sechs Jahren und Erwachsene mit größeren Verbrennungen und Verbrennungen mit Blasenbildung gehören in die Hände eines Arztes. Öffnen Sie Blasen nicht selbst. Auch an verbrannten Stellen haftende Kleidung sollten Sie nur in der Klinik entfernen lassen. Ab einer verbrannten Körperfläche von zehn Prozent, das entspricht zum Beispiel beiden Armen oder einem Bein, muss der Betroffene in einem Zentrum für Brandverletzte intensivmedizinisch behandelt werden.

Wunden durch Chemikalien

Grundsätzlich gilt: Alles, was hartnäckigem Schmutz mit chemischen Mitteln zu Leibe rückt, lässt uns bei direktem Kontakt nicht mit heiler Haut davonkommen. So ätzt ein Abflussreiniger nicht nur das verklebte Rohr der Küche frei, sondern frisst sich gegebenenfalls auch in unsere Haut. Ähnlich wie bei einer Verbrennungen werden bei Unfällen mit Säure die Hauteiweiße zerstört und die Zellen gehen zugrunde. Laugenverätzungen verflüssigen sogar das Gewebe und dringen so auch in die tiefen Hautschichten vor. Dieser Schmelzvorgang ist an einem weichen, weißen Schorf zu erkennen.

Höchste Alarmstufe gilt, wenn Säuren oder Laugen geschluckt werden. Sie ätzen sich in die zarten Schleimhäute von Mund, Speiseröhre und Verdauungsorganen und können beim reflexartigen Erbrechen oder durch Einatmen auch in die Lunge gelangen und dort zu einem Lungenödem führen, einer lebensbedrohlichen Wassereinlagerung. Alle Verätzungen sind sehr schmerzhaft.

Jetzt heißt es: Augen auf!

Rufen Sie in jedem Fall den Rettungsdienst. Geben Sie gleich an, welches Mittel die Verletzung verursacht hat. Dann kann der Notarzt gleich ein entsprechendes Gegenmittel, das die Wirkung neutralisiert, mitbringen. Entfernen Sie danach vorsichtig alle benetzten Kleidungsstücke und spülen Sie die Wunde unter kühlem, laufendem Leitungswasser. Lassen Sie das Wasser mindestens zehn Minuten über die Stelle laufen, damit auch tiefere Hautschichten gekühlt und ausgespült werden.

Wenn Säure oder Lauge ins Auge gelangt ist, spülen Sie umgehend mit Leitungswasser, damit die Hornhaut nicht geschädigt wird. Legen Sie den Betroffenen dafür auf den Boden und drehen Sie seinen Kopf zur Seite. Eine Augenverletzung sollten Sie - wenn möglich - zu zweit versorgen. Eine Person spült aus einem Gefäß Wasser aus rund zehn Zentimetern Höhe vom inneren Augenwinkel nach außen, die andere hält dabei die Augen des Opfers auf. Notfalls mit sanfter Gewalt, denn die brennenden Augen werden reflexartig zusammengepresst. Danach legen Sie eine Augenbinde oder eine sterile Kompresse aus dem Verbandkasten auf.

Wunden durch Fremdkörper

Alles, was in und unter die Haut geht, ist im Prinzip ein Fremdkörper, der in unserem Organismus nichts zu suchen hat und ihn unter Umständen sogar schwer schädigt. Schon die Steinchen, die sich bei einem Sturz auf dem Asphalt in die Schürfwunde reiben, sind Fremdkörper, und auch beim Holzschleifen können kleinste Splitter die Haut verwunden. Gerade Verletzungen durch Fremdkörper, die kaum bluten oder nur ein wenig ziepen, werden oft unterschätzt und sind keineswegs immer so harmlos, wie sie aussehen.

Wenn ein größerer Gegenstand - zum Beispiel ein Messer - sich wie ein Pfahl in die Haut und das darunter liegende Gewebe bohrt, sprechen Ärzte von einer Pfählung, einer Sonderform der Schnittverletzung. Pfählungsunfälle passieren oft im Kindesalter, wenn die Kleinen beim Klettern abrutschen und auf einen spitzen Ast oder einen Zaun fallen. Die Spitze des sogenannten Pfahls schneidet tief in die Haut und verletzt dabei oft lebenswichtige Organe und Blutgefäße.

Bei Pfählungsverletzungen gibt's nur eins: Rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter der Nummer 112. Lassen Sie den Gegenstand in der Wunde, egal, ob es eine Stricknadel, ein Zirkel, ein Dolch oder eine Zaunspitze ist. Er könnte in einem Blutgefäß oder in einem gut durchbluteten Organ wie Milz oder Leber stecken und die Wunde so wie ein Pfropf verschließen. Würden Sie das Objekt nun herausziehen, käme es neben der Gewebsverletzung auch zu starken Blutungen ins Körperinnere und nach außen. Für den Verletzten kann dieser Blutverlust dann lebensgefährlich sein.

Stark blutende Wunden

Wenn messerscharfe oder sehr spitze Gegenstände tief in das Gewebe rutschen, zersäbeln sie auf ihrem Weg auch Blutgefäße. Und wir haben alle noch funktionierenden Hände voll damit zu tun, die Blutung zu stillen. Nicht immer sind solche Verletzungen gefährlich. Rufen Sie dennoch Hilfe, wenn Sie selbst betroffen sind und sich schwindlig oder fröstelig fühlen. Vor allem, wenn Sie gerade ganz allein in der Wohnung oder im Büro sind.

Im Rhythmus des Herzens

Ist die Schlagader an Handgelenk, Armen, Beinen oder gar am Hals betroffen, fließt das Blut im Rhythmus des Herzschlags aus der Wunde. Blutet eine Armarterie, kann binnen kürzester Zeit ein Liter Blut verloren gehen. Bei Beckenverletzungen können es sogar fünf Liter sein, ohne dass Sie sofort etwas davon sehen. Denn diese Blutungen gehen meistens nach innen.

Für alle Wunden, die spritzend oder pulsierend bluten, gilt: Es droht ein Schock, und der Betroffene läuft womöglich Gefahr zu verbluten. Solche Situationen sind immer Notfälle, rufen Sie also umgehend den Rettungsdienst unter 112 an. Stoppen Sie die Blutung bis medizinische Hilfe eintrifft mit einem Kompressions- oder Druckverband.

Chronische Wunden

Mit den Jahren schwinden die Selbstheilungskräfte unserer Haut. Der Körper produziert zum Beispiel weniger Kollagen. Und Alterserscheinungen wie Verkalkungen der Blutgefäße, auch Arteriosklerose genannt, verzögern die Wiederherstellung.

Krankheiten können die Haut ebenfalls dauerhaft schwächen. Bei einem Diabetes mellitus, der Zuckerkrankheit, schädigt der Zucker im Blut über Jahre hinweg Hautnerven und Blutgefäße. Mit der Folge, dass aus kleinsten Verletzungen riesige Wunden werden können, die schlecht heilen - so entstehen zum Beispiel die berüchtigten offenen Beine. Experten schätzen, dass mindestens ein Viertel der älteren Diabetiker von solchen Wunden betroffen sind.

Auch Medikamente wie Kortison, bestimmte Rheumamittel und Substanzen der Chemotherapie sowie einseitige oder unzureichende Ernährung, zu viel Sonnenlicht und Rauchen können die Wundheilung verzögern.

Eine Larve kann helfen

Chronische Wunden sind oft schwer zu therapieren. Vor allem, wenn sie durch Krankheiten verursacht wurden, die ihrerseits schwierig zu behandeln sind. So sind bei der fortgeschrittenen Zuckerkrankheit die Nerven und Gefäße unwiederbringlich geschädigt, eine Wunde heilt deshalb langsam oder gar nicht. Die Gefahr einer Entzündung wird durch tägliche Spülungen bekämpft. Der Chirurg verbessert den Zustand der betroffenen Stellen durch Maßnahmen wie Wundausschneiden oder Abtrennen von totem Gewebe.

Seit einigen Jahren verwenden Ärzte auch Goldfliegenlarven für ein sanftes chirurgisches Peeling. Die Tiere werden für ein paar Tage auf die Wunde gesetzt, wo sie sich von abgestorbenem Gewebe ernähren. Ihre Ausscheidungen wirken sich außerdem positiv auf die Heilung aus.

Therapie

Zum Glück sind die meisten Verletzungen, die wir uns im Laufe unseres Lebens zuziehen, eher harmlos und wir können sie ohne Probleme selbst behandeln. Das gilt in vielen Fällen sogar dann, wenn Blut fließt. Blutende Wunden reinigen sich nämlich praktisch von selbst: Das Blut spült die Keime aus.

Um eine Entzündung zu verhindern, sprühen Sie ein nicht brennendes Desinfektionsmittel auf die Stelle. Kleinere Verschmutzungen können Sie behutsam mit sterilem, also keimfreiem Verbandmaterial entfernen.

Lassen Sie in jedem Fall regelmäßig prüfen, ob Sie ausreichend gegen Tetanus geschützt sind. Denn diese witterungsbeständigen Bakterien sind überall und können den gefährlichen Wundstarrkrampf auslösen. Alle zehn Jahre empfiehlt sich daher eine auffrischende Impfung.

Da muss ein Arzt ran!

Manchmal lässt sich der Weg zum Arzt nicht vermeiden. Das gilt generell bei Gesichtsverletzungen oder Verletzungen im Genitalbereich, bei großen Wunden, tiefen Wunden oder Wunden, die stark bluten.

Achtung: Bisswunden und Verletzungen durch Fremdkörper sind oft stark mit Keimen verschmutzt und können sich leicht entzünden. In solchen Fällen ist es ebenfalls besser, wenn ein Mediziner die betroffene Stelle säubert, eventuell die Wundränder auffrischt und bei Bedarf vorsorglich Antibiotika gibt. Auch Prellungen im Bauch- und Brustbereich und am Kopf, Wunden mit Knochenbrüchen, Muskel- oder Sehnenverletzungen sollte unbedingt ein Fachmann checken.

Ziel der medizinischen Wundversorgung ist immer die sogenannte Primärheilung. Das heißt: Der Arzt sorgt idealerweise dafür, dass Ihre Wunde fast folgenlos abheilt. Nur eine möglichst kleine, strichförmige Narbe, die mit dem bloßen Auge später nicht mehr zu entdecken ist, sollte zurückbleiben.

So eine Primärheilung braucht aber bestimmte Voraussetzungen, die der Arzt nur zum Teil beeinflussen kann: Die Haut muss gut durchblutet sein, die Verletzung darf keine Keime, Fremdkörper oder abgestorbenes Gewebe enthalten und sollte glatte Wundränder haben. Letzteres ist normalerweise höchstens nach Schnittverletzungen der Fall.

Ist die Wunde eher zerklüftet, muss der Arzt nachhelfen und die Ränder ausschneiden, bevor er das Ganze klebt, näht oder klammert. Zerfetzte Wunden, deren Ränder vor dem Verschluss nicht chirurgisch geglättet werden, hinterlassen große, hässliche Narben - das nennt man dann Sekundärheilung.

Tipps

Kaufen Sie sich einen Verbandkasten für die Wohnung. Die handelsüblichen Automodelle der DIN-Norm 13164 lassen sich prima für den Hausgebrauch aufrüsten - etwa mit einem nicht brennenden Desinfektionsmittel, einer Augenbinde und einem Fingerkuppenverband.

Deponieren Sie den Kasten an einer festen Stelle. Jedes Familienmitglied sollte Zugang dazu haben und wissen, wofür welche Binden, Kompressen und Verbände da sind - und zwar bevor etwas passiert.

Auch wenn es heftig blutet und Eile geboten ist: Bevor Sie eine Wunde versorgen, waschen Sie sich immer gründlich die Hände. Verbandszeug ist steril, also keimfrei. Nehmen Sie Binden und Kompressen nur mit den Fingerspitzen aus der Verpackung und legen Sie sie gleich auf die Wunde.

Tetanusbakterien überleben die härtesten Witterungsbedingungen und sind allgegenwärtig. Ihr Gift, das Tetanustoxin, führt über den Wundstarrkrampf häufig zum Tod. Steht im Impfpass, dass die letzte Spritze zehn Jahre oder länger her ist, ist es Zeit für eine Auffrischung. Bei unklarem Schutz lassen Sie sich lieber noch einmal pieksen.

Wenn die Wunde sich rötet, warm wird, vermehrt Flüssigkeit absondert oder immer heftiger schmerzt, deutet das auf eine bakterielle Entzündung hin. Gehen Sie zum Arzt.

Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht: Verwahren Sie gefährliche Gegenstände außerhalb der Reichweite Ihrer Sprösslinge.

Gerade bei Kindern können nach einer Verletzung oder einem Unfall auch seelische Wunden entstanden sein, die nicht so leicht vergessen sind wie die körperlichen. Wenn Ihr Nachwuchs tagsüber ungewöhnlich ängstlich ist, nachts schlecht schläft oder sich in der Freizeit von den Freunden zurückzieht, könnten das Warnzeichen sein.

Expertenrat

Almut Tempka, Oberärztin in der Unfallchirurgie der Charité Berlin, antwortet.

Worauf muss ich generell bei jeder offenen Wunde achten?

Tetanusbakterien sind sehr widerstandsfähig, sie überleben harte Umweltbedingungen und finden sich überall. Bei offenen Wunden sollte man also immer einen Blick auf den Impfpass werfen und nachsehen, wie lang die letzte Impfung her ist. Im Zweifelsfall lieber einmal zu oft pieksen lassen. Ein von den Bakterien hervorgerufener Wundstarrkrampf kann tödlich enden.auf der Wunde kleben. Sollten Verbände doch einmal festbacken, können sie mit Desinfektionslösung getränkt und wieder gelöst werden. Das geht auch gut mit abgekochtem Kamillentee.

Was muss ich beachten, wenn ich gebissen wurde?

Bisswunden können tiefer sein, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Wir nennen das Kulisseneffekt. Das bedeutet, dass sich obere Gewebeschichten über der eigentlich tieferen Wunde verschieben und das tatsächliche Ausmaß der Verletzung verdecken. Ein Katzenzahn kann auch mal sechs Millimeter lang sein und durchbohrt, spitz wie er ist, schnell die nur ein Millimeter dünne Haut. Beim Biss in die Hand kann der Zahn also schnell im Knochen landen. Wichtig beim Tierbiss ist natürlich auch immer, eine Tollwut auszuschließen. Ist das nicht möglich, gehört der Gebissene schnellstens behandelt - hier kann es auf Stunden ankommen. Bei Kindern sollte man genau nachfragen, welches Tier gebissen hat, denn es muss sich nicht immer um Hund oder Fuchs handeln. Tierbisse, aber auch menschliche Zahnverletzungen, sind entzündete Wunden, gehen Sie damit zum Arzt.

Sind Schnittwunden besonders gefährlich?

Schnittwunden sind oft eine komplexe Angelegenheit, weil man sich eben häufig in die Hand schneidet, wo Nerven, Gefäße und Muskelsehnen gleich unter der relativ dünnen Haut liegen. Scheint die Verletzung tief zu sein, blutet sie stark, ist die Fettschicht unter der Haut oder sogar eine Sehne zu sehen, gehört die Wunde in Chirurgenhand. Wurde mit dem Messer schon Fleisch zerschnitten, können daran Bakterien haften. Bei solch einem Schnitt, egal wie groß, sollte man gleich den Arzt aufsuchen.

Kann ich auffällige Narben später nachbessern lassen?

Narbenbildung hängt vom Hauttyp und der Art sowie der Stelle der Verletzung ab. Einige Narben sind nach zwei Jahren fast verschwunden. Andere Narben liegen so ungünstig, dass sie immer unter Zug sind. Hier empfiehlt sich die erneute Operation durch einen Plastischen Chirurgen, der den Narbenverlauf verändern kann. Die Narbe wird dadurch weniger auffällig. Bei kleineren Problemnarben können Silikongels, Narbenmassagen oder konsequent verwandte Druckverbände helfen.

Janina Behrens

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