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Tiefer Stachel im Fleisch

Warzen wuchern gern auf Hand und Fuß: Meist sind sie harmlos, nur an den Genitalien nicht - dort können sie Krebs auslösen.

Dornwarze

Dornwarze auf einer Fußsohle.

Warzen können überall wachsen. Besonders gern aber wuchern sie an den Händen, zwischen den Zehen, an den Armen oder am Hals. Manche kleben auch flach auf Fußsohlen, andere sprießen im Gesicht oder an den Schleimhäuten der Genitalien.

Viele Warzen sehen aus wie winzige hautfarbene Knötchen. Manche aber sind zerfasert und schuppig und überdecken ganze Hautpartien. An den Fußsohlen tun sie mitunter ziemlich weh: Sie ragen in die Oberhaut hinein und drücken auf die tiefer liegenden empfindlichen Nervenenden.

Schon ein Händedruck reicht

Hinter den Gewächsen stecken Viren, sogenannte humane Papillom-Viren - kurz HPV. Sie dringen in die Zellen der Oberhaut ein. Nach frühestens vier Wochen, manchmal erst nach mehreren Monaten, fangen diese Zellen an zu wuchern. Über hundert verschiedene Erregertypen gibt es. Sie befallen nur den Menschen.

Warzen sind ansteckend. Ihre Erreger wandern meist beim Händedruck von Hand zu Hand. Auch im Schwimmbad oder in der Sauna stecken sich viele Menschen an. Denn Wasser und Wärme weicht die Hornschicht auf. Die Viren dringen dann in die weiche Haut ein und vermehren sich in den Zellen. Vielfach verschwinden die Knötchen nach einiger Zeit so plötzlich, wie sie aufgetaucht sind. Die körpereigene Abwehr bekämpft die Viren - zumindest vorläufig. Denn sie können - müssen aber nicht - jederzeit wieder eine Warze hervorrufen.

Symptome

Gewöhnliche Warzen sehen aus wie schuppige Beulen. Mitunter werden sie enorm groß und verhornen regelrecht. Besonders lästig sind sie, wenn sie an Fingern oder Zehen, am Nagelbett, Handrücken oder an den Ellenbogen sitzen - also dort, wo die Warzen Stöße abkriegen. Dann verbreiten sich die Erreger schnell: durch abgeschürfte Hautzellen oder mit dem Blut, das durch die Warze rinnt.

Feigwarzen sind anfangs so groß wie Stecknadelköpfe. Die winzigen Knötchen bilden sich an Genitalien und After. Sie wachsen schnell an und wuchern schließlich blumenkohlartig über Schamlippen und Penis. Am liebsten bilden sie sich unter der Vorhaut, an den kleinen Schamlippen und am After. Denn Genitalwarzen mögen es warm und feucht.

Wie sehr Warzen schmerzen können, weiß jeder, der sie an den Fußsohlen hat. Meist sind es vulgäre, also gewöhnliche Warzen. Besonders aber nerven Dornwarzen. Flach sitzen sie in der Hornhaut und bilden lange, spitze Stiele. Die ragen tief ins Gewebe hinein und drücken auf die Nervenfasern. Beim Drauftreten tut es weh.

Flachwarzen befallen vor allem Kinder

Die rundlichen, leicht zerfaserten Papeln erheben sich flach auf der Hautoberfläche. Oft sind Flachwarzen so platt, dass man sie kaum ertasten kann. Hellbraun oder hautfarben gefärbt, sitzen sie auf Stirn und Wangen, auf Mund und Hals, auf Handrücken und Armen. Durch Kratzen gelangen die Erreger an gesunde Stellen, wo sie andere Hautzellen infizieren. Um die Ursprungswarze bilden sich dann lauter kleine neue Knötchen. Flachwarzen befallen überwiegend Kinder.

Dellwarzen werden nicht vom üblichen Papillomvirus hervorgerufen, sondern sie bilden sich, wenn die Haut vom sogenannten Molluscum-Contagiosum-Virus befallen wird. Dieses Virus gehört zur Gruppe der Pockenviren, es ist aber harmlos. Dellwarzen übersäen, Pickeln ähnlich, ganze Hautpartien im Gesicht, am Hals und am Rumpf. Sie sind leicht rosa gefärbt, ballonartig aufgebläht und in der Mitte leicht gedellt.

Diagnose

Ein verdächtig wucherndes Gewächs auf der Haut kann vieles sein: ein Leberfleck, ein Muttermal - oder eben eine Warze. Erkennen kann das nur der Hautarzt. Meist sieht er schon an der Form, was Warze ist und was nicht. Ist er sich nicht ganz sicher, nimmt er ein Dermatoskop zu Hilfe, eine Lupe mit zehnfacher Vergrößerung. Damit schaut er sich das Gewebe genau an.

Auswüchse an den Genitalien betupft er zudem mit verdünnter Essigsäure. Sind Viren am Werk, färbt sich das Gewebe an den befallenen Stellen weiß. Die restliche Haut behält ihre Farbe. Wenn Sie selbst feststellen, dass vermeintliche Warzen sich allmählich verändern, sollten Sie die Wucherung unbedingt einem Hautarzt zeigen.

Gewebeprobe bringt Klarheit

Bei warzenartigen Wucherungen an den Genitalien wird die Ärztin in jedem Fall eine Gewebeprobe entnehmen, um den Virentyp zu bestimmen. Denn manche Papillomviren können Krebs verursachen. Meist aber handelt es sich bei der unangenehmen Hautbesiedelung um Feigwarzen. Sie werden durch Geschlechtsverkehr übertragen und sind hoch ansteckend. Schlimmstenfalls sitzen sie wie ein Blumenkohl auf Schamlippen und Penis. Abgeflacht bis hahnenkammartig wachsen sie am After.

Therapie

Ob sich Warzen völlig ausheilen lassen, ist umstritten. Sie sind aber gut zu behandeln. Doch Vorsicht: Viele der gängigen Mittel sind ätzend und können Narben hinterlassen. Sie sollten daher grundsätzlich Ihre Warzen in Absprache mit dem Hautarzt therapieren.

Der geht meist mit Eisspray zu Werke, entfernt die Wucherungen mit dem Skalpell oder ätzt sie mit Tinkturen weg. Es kann jedoch sein, dass die Viren in der Haut bleiben. Das heißt aber nicht, dass sie unbedingt wieder Warzen entstehen lassen.

Bei Kindern verschwinden Warzen oft von ganz allein. Bei Erwachsenen kann es dauern. Daher raten Ärzte oft dazu, die Hautgewächse lieber gleich zu entfernen. Damit das nicht wehtut, betäubt der Arzt die Warze zuerst durch ein Pflaster mit entsprechendem Wirkstoff oder mit Eisspray. Anschließend schneidet er sie mit einem elektrischen Messer, einer kleinen Stanze oder mit einem scharfen Löffel heraus.

Mit flüssigem Stickstoff vereist

Er kann sie aber auch mit flüssigem Stickstoff vereisen. Unter der Geschwulst bildet sich dann eine Erfrierungsblase, auf der die Warze regelrecht schwimmt. Diese hebt der Arzt dann einfach ab. Von einer Behandlung mit Laser raten Hautärzte allerdings ab. Danach kann die Stelle wehtun, oder es bilden sich womöglich Narben. Zudem ist die Ansteckungsgefahr hoch: Während der Arzt die Warze abträgt, werden ultrafeine Partikel freigesetzt. Die enthalten Viren. Sie wirbeln durch die Luft, und jeder im Raum kann sie einatmen.

Seit kurzem bestrahlen Ärzte die Warzenhaut mit speziellem Infrarotlicht. Hautärzte bezeichnen dieses Verfahren als WIRA-Therapie. Das Rotlicht dringt tief ins Gewebe und erwärmt die Haut ohne zu brennen. Nach mehrmaligem Bestrahlen sind die Warzen meistens weg.

Warum sie so reagieren, darüber rätseln Forscher noch. Möglicherweise verschwinden die Warzen, weil die Haut warm ist und dadurch besser durchblutet wird. Das regt die körpereigene Abwehr an, die Viren zu bekämpfen.

Spezielle Pflaster ätzen Auswüchse weg

Auch Pflaster mit Salicylsäure eignen sich gegen vulgäre Warzen und Dornwarzen an den Füßen. Sie werden in Warzengröße zurechtgeschnitten und mehrmals für ein bis zwei Tage auf die Beule geklebt. Danach wird die Warze mehrmals am Tag über mehrere Wochen mit einer Lösung aus Salicylsäure bestrichen. Die löst zunächst das Gewebe an. Die Lösung dringt tief in die Haut und ätzt das Ding regelrecht weg.

Zudem hilft beispielsweise eine Tinktur, die den Wirkstoff 5-Fluorouracil enthält. Der tötet kranke Hautzellen ab. Allerdings erwischt er auch gesunde. Beide Mittel sollten deshalb vorsichtig und nur auf befallene Stellen aufgetragen werden.

Flachwarzen verschwinden bei Vitamin A

Gegen flache Warzen, vor allem im Gesicht, helfen vielfach Cremes mit Vitamin-A-Säure. Dreimal täglich sollten Sie das jeweilige Mittel mit einem Wattestab auf die Warze auftragen, so lange, bis sich die Warzen von selbst abschälen. Aber auch hier sollten Sie vorsichtig sein: Diese Mittel greifen die gesunde Haut an.

Dellwarzen entfernt die Hautärztin mit einem scharfen Löffel. Eine Stunde vorher bestreicht sie die Gewächse mit einer Salbe, die betäubend wirkt.

Klassische Genitalwarzen sind immer ein Fall für den Arzt. Er stanzt oder schneidet sie großflächig heraus. Mitunter muss er nachbehandeln. Denn an den Schnitträndern breiten sie sich gelegentlich erneut aus.

Manche Papillomviren sind gefährlich

Um zu sehen, ob HP-Viren die Gebärmutterschleimhaut krankhaft verändert haben, macht der Frauenarzt im Rahmen der Krebsfrüherkennung einmal im Jahr einen sogenannten PAP-Abstrich. Mit einem Wattestäbchen entnimmt sie dabei ein paar Zellen vom Gebärmutterhals, also dem unteren Teil der Gebärmutter, der in die Scheide mündet. Anschließend untersucht sie diese Zellen. Diese Untersuchung bezahlen die Krankenkassen.

Durch einen zusätzlichen - von Ihnen zu bezahlenden - HPV-Test kann der Arzt feststellen, ob es sich um HP-Viren handelt, die Krebs in der Gebärmutterschleimhaut verursachen können. Gegen diese Viren gibt es eine Impfung. Jungen Mädchen empfehlen Ärzte daher, sich vor dem ersten Geschlechtsverkehr vorbeugend gegen die HP-Viren vom Typ 16 und 18 impfen zu lassen.

Tipps

Warzenviren mögen es kühl und feucht. Halten Sie daher die befallenen Körperteile stets trocken und warm. Kalte, nasse Hände und Füße begünstigen eine Ansteckung.

Wenn Sie Warzen an den Fußsohlen haben, sollten Sie täglich die Strümpfe wechseln und nicht barfuß in Schuhen laufen.

Tragen Sie stets Badelatschen in öffentlichen Bädern, Saunen oder im Freibad. Benutzen Sie dort nur Ihr eigenes Handtuch.

Kratzen Sie nicht an den Warzen. Dadurch werden die Erreger übertragen, und die Wucherungen breiten sich leichter aus.

Nicht jede Wucherung ist eine Warze. Seien Sie daher vorsichtig mit einer selbstgestrickten Behandlung, Sie könnten die Sache damit nur verschlimmern! Überlassen Sie das Erkennen und Behandeln lieber dem Hautarzt.

Wenden Sie die Salben, Cremes oder Tinkturen wirklich nur auf der Warze an. Die Mittel können die gesunde Haut verätzen.

Feigwarzen sind weiter verbreitet als vermutet. Etwa ein bis zwei Prozent der sexuell aktiven Bevölkerung sind angesteckt. Bei häufigem Partnerwechsel empfiehlt es sich schon deshalb, beim Sex Kondome zu benutzen.

Expertenrat

Oberärztin Mirjana Ziemer von der Universitäts-Hautklinik in Jena antwortet.

Befallen Warzen gleichermaßen Männer wie Frauen?

Gewöhnliche Warzen tauchen bei Frauen deutlich häufiger auf als bei Männern. Das liegt daran, dass bei Frauen der Kreislauf anders arbeitet. Ihr Körper ist an der Oberfläche weniger stark durchblutet. Das soll Wärmeverluste im Inneren verhindern. Frauen haben daher öfter kalte Hände und Füße als Männer. Warzen wiederum mögen das kalte und feuchte Milieu.

Wie gefährlich sind Feigwarzen?

Das ist abhängig vom jeweiligen Virentyp. Da sich Feigwarzen jedoch durch sexuellen Kontakt übertragen, müssen sie in jedem Fall behandelt werden. Dabei gibt es eine Reihe therapeutischer Möglichkeiten. Mitunter heilen sie, wie andere Warzen auch, spontan ab. Es gibt jedoch auch HP-Viren, die ein Potential zur bösartigen Entartung haben. Durch diese Typen können Tumoren entstehen. Bei Frauen verursachen sie den gefürchteten Gebärmutterhalskrebs, bei Männern können Geschwüre an der Vorhaut entstehen.

Kann man Warzen besprechen?

Warzen zu besprechen gehört nicht zu den gängigen Methoden in der Therapie. Tatsächlich spielt die Psyche aber eine gewisse Rolle. Manchen Menschen hilft allein der sogenannte Placeboeffekt: Eine harmlose Flüssigkeit auf die betroffene Stelle gepinselt oder ein Bindfaden, gekreuzt über die Warze, mag in den Augen dieser Personen genügen, damit die Dinger verschwinden. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass zufällig während einer solchen Prozedur die Warze spontan heilt.

Kirsten Milhahn

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