Hautarzts Liebling

Kortison hat einen schlechten Ruf - schließlich hat es viele Nebenwirkungen. Trotzdem verschreiben viele Dermatologen gerne Cremes mit Kortikosteroiden. Denn sie unterdrücken jede Entzündung der Haut.

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Ärzte verschreiben oft Salben mit Kortison©

Vor Kortison haben viele Patienten Angst, schließlich kann der Wirkstoff enorme Nebenwirkungen erzeugen. Was die wenigsten wissen: Unser Körper stellt eine ähnliche Substanz selbst her. Bei Stress bildet unsere Nebenniere das Hormon Kortisol. Die medizinische Substanz Kortison ist ein Abkömmling des körpereigenen Botenstoffes. Das Hormon selbst und alle synthetisch hergestellten Stoffe, die dem Hormon ähneln, werden unter dem Fachbegriff Kortikosteroide zusammengefasst.

Hautärzte verschreiben Salben mit Kortikosteroiden vor allem bei allergischen Ekzemen, Neurodermitis oder bei Schuppenflechte. In Europa unterscheiden Pharmazeuten bei den Kortikosteroiden vier verschiedene Wirkstoffklassen, je nachdem, wie stark sie wirken.

Auf der Haut weniger riskant

Die Nebenwirkungen haben nicht nur etwas mit der Stärke der Substanz zu tun, sondern hängen auch davon ab, ob Sie das Medikament schlucken oder nur auf der Haut auftragen. Gelangt Kortison mit der Tablette in den Körper, kann das Medikament über die Blutbahn jedes Organ erreichen und dort seine Wirkung entfalten - die Gefahr der Nebenwirkung ist also größer, als wenn Sie die Substanz nur auf der Haut verteilen. Dann wirkt Kortison nur in der Hautschicht der betroffenen Stelle. Dermatologen verschreiben kortisonhaltige Tabletten daher nur in schweren Fällen.

Kortikosteroide bremsen das Immunsystem aus - wie es natürlicher Stress auch vermag. Sie hemmen zum Beispiel bestimmte Botenstoffe, die Entzündungen verursachen. Krankheiten, die durch Entzündungen oder Allergien entstehen, können deshalb durch Kortikosteroide gelindert werden. Auch der Juckreiz kann durch die Medikamente nachlassen.

Der Hautarzt verschreibt Kortison in der Regel nur für eine bestimmte Zeit. Danach empfiehlt er ein Medikament ohne Kortison. Möglich ist auch eine Intervalltherapie - ein allgemein anerkanntes Behandlungsschema gibt es aber nicht. Wegen der Gefahr von Nebenwirkungen eignen sich Kortikosteroide jedenfalls nicht zur Dauerbehandlung.

Expertenmeinung Thomas Diepgen, ärztlicher Direktor der Abteilung klinische Sozialmedizin, Berufs- und Umweltdermatologie des Universitätsklinikums Heidelberg:

Kortisonangst ist heute weit verbreitet. Dennoch gehören Kortikosteroide zu den wichtigsten Medikamenten der Dermatologie. Denn sie sind sehr wirksam, vor allem Juckreiz und Hautrötungen können damit zuverlässig bekämpft werden.

Äußerlich gilt die Anwendung als sicher. Trotzdem sollte man mit starken Kortikosteroiden nicht zu lange behandeln und möglichst auch keine großen Flächen. Tabletten können noch stärkere Nebenwirkungen hervorrufen als Salben und Cremes.

Die Nachteile aller Kortikosteroide: Setzt man sie plötzlich ab, können sich die Symptome dramatisch verschlechtern. Starke Kortikosteroide, die dauernd angewendet werden, können die Haut verdünnen. Allerdings ist diese Gefahr bei modernen Präparaten geringer.

Insgesamt gilt: Eine Kortisonbehandlung sollte immer so kurz wie möglich sein und genau auf das Krankheitsbild und die zu behandelnde Hautpartie abgestimmt sein. Für dicke Fußsohlen zum Beispiel kann man starke Präparate nehmen, für das Gesicht oder die Genitalregion sind schwache Salben zu empfehlen.

Maren Wernecke
 
 
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