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12. Mai 2010, 14:51 Uhr

Screening bleibt eine Gewissensfrage

Seit 2008 zahlen die Krankenkassen über 35-Jährigen alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening. Hautärzte werben für die Reihenuntersuchung. Ob sie nutzt, kann jedoch niemand beweisen. Von Nina Bublitz

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Seit 2008 zahlen die Kassen fürs Hautkrebs-Screening ab 35© Picture-Alliance

Die Hautkrebszahlen in Deutschland steigen, meldet die Deutsche Krebshilfe: 195.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland, 24.000 davon am besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom. Etwa 2000 Menschen sterben jedes Jahr an dieser Krebsform. Mit den Zahlen verbunden wird die Botschaft, wie wichtig das Hautkrebs-Screening sei. Denn früh erkannt ist der Krebs vergleichsweise gut zu behandeln. Die Kosten für den alle zwei Jahre fälligen Termin übernehmen die gesetzlichen Kassen für Versicherte ab 35. Befürworter gehen davon aus, dass die Reihenuntersuchung Leben rettet.

Rund elf Millionen Menschen waren seit Screening-Beginn im Juli 2008 bei Haus- oder Hautarzt - ein großer Erfolg, sagt Hautarzt Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), einer der Väter des deutschen Screening-Programms.

Ärzte sollten den gesamten Körper untersuchen

Insgesamt 38.000 Ärzte sind beim Screening dabei, den größten Anteil haben dabei Hausärzte, die sich mit einer Fortbildung qualifiziert haben, dazu kommen rund 3000 Dermatologen. Während des Termins sollte der Arzt den Körper an sämtlichen Stellen untersuchen. In der Praxis scheinen die Ärzte mitunter schlampig vorzugehen. Das lässt eine nicht repräsentative Online-Umfrage von Deutscher Krebshilfe und ADP vermuten. Rund 40 Prozent gaben hier an, dass ihre Kopfhaut oder Zehzwischenräume nicht untersucht wurden. Sogar jeder zweite erklärte, der Arzt habe nicht im Genitalbereich nach Hautveränderungen gesucht. Man müsste über weitere Fortbildungen nachdenken, meint Eckhard Breitbart. Und gibt zu Bedenken, dass es bei jedem neu eingeführten Screening-Programm dauere, bis die Qualität stimme.

Doch selbst wenn jeder Arzt jeden Patienten optimal untersucht, bleibt die Frage: Führt das Screening dazu, dass weniger Menschen an Hautkrebs sterben? Eine verlässliche Antwort darauf werde es wohl nie geben, sagt Klaus Koch vom Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin. Das Melanom sei schlicht zu selten, um dies zu ermitteln. Dafür rechnet er anhand der aktuellen deutschen Zahlen des Robert-Koch-Institutes vor: Von 10.000 Männern, die 50 Jahre alt sind, sterben in den folgenden zehn Jahren etwa drei an schwarzem Hautkrebs. Die Früherkennung kann also im besten Fall diesen drei das Leben retten, den anderen 9997 nicht. Zusätzlich ist auch bei den drei Betroffenen nicht nachgewiesen, dass die zeitige Diagnose tatsächlich ihr Leben verlängert.

Auf der anderen Seite steht noch immer die Annahme, dass das Screening einigen das Leben rettet - auch wenn es so wenige sein mögen, dass es statistisch in einer Studie nicht zu ermitteln ist, bleibt dies ein gewichtiges Argument.

Nicht jeder entdeckt Krebs wäre ein Problem geworden

Zusätzlich existiert allerdings das Problem der Überdiagnosen: Beim Screening entdecken Ärzte Hautveränderungen, die zwar als bösartig eingestuft werden, die aber niemals ein gesundheitliches Problem geworden wären. So aber werden sie behandelt und tauchen in der Statistik dann als geheilt auf. "Überdiagnosen sind nicht nur ein echter Schaden für Betroffene. Sie können auch eine Spirale in Gang setzen: Zuerst führt Früherkennung dazu, dass die Zahl der Diagnosen zunimmt. Und dann benutzen manche Experten diese Zunahme dazu, noch mehr Früherkennung zu fordern", sagt Koch. Immerhin: "Die Überdiagnosen haben in der Regel nicht so weitreichende Folgen wie bei anderen Krebsformen, etwa beim Prostatakrebs", sagt Koch. "Beim Hautkrebs bleibt es meist bei einem kleinen Hautschnitt, bei dem der verdächtige Hautbereich gleich ganz herausgeschnitten wird."

Aus diesem Grund wird der Streit um Nutzen oder Schaden beim Hautkrebs-Screening vielleicht weniger erbittert geführt als etwa beim PSA-Test zur Erkennung von Prostatakrebs oder beim Mammografie-Screening auf Brustkrebs, wo eine Krebsdiagnose oft eine massive Behandlung mit Operation, Chemo- oder Strahlentherapie nach sich zieht. Allerdings wird wohl jede Krebsdiagnose - auch die eines vergleichsweise leicht zu entfernenden Melanoms - ihre Wirkung auf die Psyche haben.

Vernünftigen Umgang mit der Sonne fördern

Einen Pluspunkt hat das Hautkrebs-Screening allerdings noch: Der Arzt berät über den richtigen Umgang mit UV-Strahlen und Krebsrisiko. Beispielsweise erklärt er, wie man seine Haut regelmäßig selbst untersucht, in welchem Maße und mit welchem Schutz Sonnenbäder in Ordnung sind. Denn ein verantwortungsvolles Verhalten beim Sonnen ebenso wie das Achten auf den eigenen Körper können bei der Krebsvorsorge auf keinen Fall schaden.

Von Nina Bublitz
 
 
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