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Wenn die Stimme versagt

Rauchig, kratzig oder sexy - die Stimme ist ein Teil der Persönlichkeit. Dumm nur, wenn sie wegbleibt. Ist das länger der Fall, sollte ein Arzt aufgesucht werden, sonst könnte die Heiserkeit bleiben.

Sie ist bei jedem Menschen einmalig und nur schwer wegzudenken: Ohne Stimme hätte Romeo es viel schwerer gehabt, Julia seine Liebe zu gestehen. Aber auch Telefonieren oder die Kommunikation bei der Arbeit wären nahezu unmöglich. Dabei ist es gar nicht so selten, dass die Stimme versagt oder sehr heiser klingt.

50 Muskeln an der Tonproduktion beteiligt

So leiden etwa fünf Prozent der Bundesbürger dauerhaft an Heiserkeit, wie der Ärztliche Leiter der Klinik und Poliklinik für Hör-, Stimm- und Sprachheilkunde am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, Markus Hess, sagt. Eine kurzfristige Heiserkeit kennt dagegen fast jeder. "Meist entsteht Heiserkeit als Folge einer Entzündung im Kehlkopfbereich", sagt Hess. Die so genannten Stimmlippen können dann wegen Entzündungsreaktionen nicht mehr frei schwingen. Nach dem Ende der Entzündung normalisiert sich die Stimme wieder. Tabakrauch und Alkohol, eine Überlastung der Stimme oder auch Pseudokrupp - eine Schleimhautentzündung im Kehlkopfbereich - führen häufig ebenfalls zu einer heiseren Stimme und einer Beeinträchtigung der Stimmlippen.

Rund 50 Muskeln sind an der Tonproduktion beteiligt. Die Atemluft fließt am Kehlkopf entlang und bringt die Stimmlippen zum Schwingen; je nach deren Anspannung und Schwingung verändert sich der Ton. Körperanspannung und der Gefühlszustand können die Stimme beeinflussen. "Bessert sich Heiserkeit nach zwei bis drei Wochen nicht, sollte unbedingt ein HNO-Arzt aufgesucht werden", rät Hess. Denn mit einer rechtzeitigen Therapie kann verhindert werden, dass die Heiserkeit chronisch wird. Und in seltenen Fällen kann sie Symptom eines bösartigen Tumors sein. "Je früher solch ein Tumor dann entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen", sagt der Professor. In der Therapie wird dann in der Regel der Tumor operativ entfernt und die Stimme weitgehend erhalten.

Heiserkeit oft mit einfachen Mitteln behandelbar

Viel häufiger sind gutartige Polypen und Ödeme an den Stimmlippen Ursachen für eine Heiserkeit. "Bereits Verdickungen von weniger als einem Millimeter können auf den ein Zentimeter langen Stimmlippen eine ausgeprägte Heiserkeit verursachen", sagt Hess. Oft könne man mit einfachen Mitteln, wie beispielsweise einem kleinen ambulanten operativen Eingriff, oder mit Medikamenten die Heiserkeit beseitigen. "Viele wissen das gar nicht und laufen 20 Jahre mit einer heiseren Stimme herum", sagt Hess. Auch Überforderung der Stimmlippen kann zu einer heiseren Stimme oder sogar Stimmverlust führen. "Bei Überbeanspruchung können sich kleine Knötchen auf den Stimmlippen bilden", sagt der Arzt.

Gerade wenn Kinder viel schreien oder ständig laut reden, können sich die so genannten Schreiknötchen bilden. "Wichtig ist, dass die Kinder und ihre Familie lernen, leiser miteinander zu kommunizieren, damit die Stimmlippen geschont werden", sagt Hess. Während die Knötchen bei Kindern von selbst verschwinden, müssen sie bei Erwachsenen operativ entfernt werden. Um die Ursache der Heiserkeit richtig erkennen zu können, stehen dem Arzt unterschiedliche Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung. Mit speziellen Endoskopen, die durch die Nase oder den Mund eingeführt werden, können mit der Stroboskopie der Kehlkopf und die Stimmlippen beobachtet werden. Auch spezielle Stimmbelastungstests können Aufschluss über die Heiserkeit geben.

Wichtige Rolle für die Psyche

Neben organischen Faktoren spielt auch die Psyche eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Heiserkeit. So hat bei Nicole S. aus dem hessischen Weilburg die Trennung von ihrem Partner eine Heiserkeit zur Folge gehabt. "Ich bin mittlerweile seit acht Jahren dauerhaft heiser", berichtet sie. Von Geburt an hatte sie bereits geschwächte Stimmlippen. Als dann die Trennung von ihrem Partner, eine Umschulung und die Rolle als allein erziehende Mutter dazu kamen, wirkte sich der psychische Stress auf ihre Stimme aus. Bei Nicole S. wurde eine psychosomatische Dysphonie festgestellt. Die Heiserkeit hat drastische Auswirkungen auf ihre Lebensqualität. "Ich rede weniger und beteilige mich nicht so oft an Gesprächen", sagt die 36-Jährige.

Manchmal müssen auch ihre Kinder übersetzen, wenn man sie nicht versteht. Bei ihrer Büroarbeit fallen vor allem die Telefongespräche schwer. "Die einzige Behandlungsmethode bei einer psychisch bedingten Heiserkeit ist eine Psychotherapie. Dazu war ich bis jetzt aber noch nicht bereit", gibt Nicole S. zu. Hilfreich ist auf jeden Fall eine "gute Stimmhygiene", sagt Hess. Um die Schleimhäute der Stimmlippen funktionsfähig zu halten, sollten täglich zwei bis drei Liter getrunken und auf Zigaretten verzichtet werden. Regelmäßige spezielle Stimmübungen können die Stimme zudem belastbarer machen.

Frank Leth/AP/AP

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