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Leben nach dem Tod - in Teilen

Warum tun wir uns mit Organspenden so schwer? Weil wir wohl glauben, wir könnten Herz und Leber im Jenseits noch brauchen, meint Eckart von Hirschhausen.

  Gerade einmal 25 Prozent der Deutschen sind zur Organspende bereit - 87 Prozent würden jedoch im Krankheitsfall ein fremdes Organ annehmen.

Gerade einmal 25 Prozent der Deutschen sind zur Organspende bereit - 87 Prozent würden jedoch im Krankheitsfall ein fremdes Organ annehmen.

Dieses Mal möchte ich mich hier den letzten Dingen zuwenden. Denn ein Skandal hat Deutschland erschüttert: Ärzte haben bei der Vergabe von Spenderorganen Daten manipuliert und Leute kränker gemacht, als sie sind. Und möglicherweise an den Kassen vorbei dafür etwas kassiert.

Das ist das Gegenteil von dem, was man von ihnen erwartet: Sie sollen einen gesünder machen, und das soll gefälligst die Kasse zahlen. Gut, sie haben die Leute kränker gemacht, damit diese schneller an eines der knappen Organe kommen, mit denen es ihnen wieder besser gehen kann. Aber das ist keine Entschuldigung. Und dass es unter 450.000 Ärzten in Deutschland einige schwarze Schafe im weißen Kittel geben kann, auch nicht.

Den eigentlichen Skandal sehe ich darin, welche Schlüsse wir als Gemeinschaft daraus ziehen: Die Spendenbereitschaft sinkt.

Wer soll damit bestraft werden? Die 12.000 lebensbedrohlich Kranken auf der Warteliste? Es ist doch gerade der Mangel an Spenderorganen, der dazu führt, dass Menschen, die auf der Warteliste stehen, sterben. Und der die Betroffenen und ihre Ärzte dazu bewegt, in ihrer Verzweiflung die Grenzen der Legalität zu verletzen, um die Grenze der eigenen Letalität zu verschieben. Das ist menschlich verständlich. Und ohne viel von Ökonomie zu verstehen, bestimmen Angebot und Nachfrage auf jedem Markt den Preis.

Wir sind alle mitverantwortlich

Mitverantwortlich für den Skandal sind somit wir alle, die wir als Gesellschaft keine gute Lösung für dieses Dilemma schaffen. Und die wir uns bei der freien Entscheidung für oder gegen Organspende schon um die Entscheidung drücken. Die die Augen davor verschließen, dass wir alle eines Tages die Augen zumachen. Und dass es einen Moment geben wird, in dem man mit seinen Organen großzügig sein darf.

Wir haben allhier keine bleibende Statt, steht schon in der Bibel. Und so wie Hausbesitzer Eigenbedarf anmelden dürfen, können Hirnbesitzer Eigenbedarf an ihrem Körper abmelden, prophylaktisch für den Fall ihres Todes. Obwohl 87 Prozent der Deutschen im Krankheitsfall ein fremdes Organ annehmen würden, sind nur 25 Prozent bereit zu dokumentieren, im Todesfall Nieren, Herz oder Leber zur Verfügung zu stellen. Das passt nicht zusammen.

Ferngespräch aus dem Jenseits

Aber es ist auch Quatsch, so vernünftig an eine Sache heranzugehen, die keine Sache ist. Sondern wir selbst. Das, was uns unserem Gefühl nach ausmacht. Und wir wollen nicht, dass unser Herz aus seinem Zusammenhang gerissen wird. Bei aller Aufgeklärtheit: Tief drinnen stellen wir uns vor, wir könnten unsere Organe nach dem Tod doch noch zu irgendwas gebrauchen.

Dazu passt der Trend, dass sich Menschen mit ihrem Mobiltelefon beerdigen lassen. So, als wäre es ein Teil von ihnen geworden. Und als ob man es noch für ein Ferngespräch aus dem Jenseits benutzen könnte. Ob da die Flatrate gilt? Ganz Optimistische nehmen vielleicht noch das Ladegerät mit.

Scherz beiseite. Ich habe einen Organspendeausweis und bin froh, wenn er nicht so rasch zum Einsatz kommt. Aber ich glaube an ein Leben nach dem Tod - zumindest in Teilen!

Eckart von Hirschhausen/GesundLeben

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