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Dem Krebs einheizen

Mit Hyperthermie hat man eine wirksame Waffe gegen viele Krebsarten: Tumore werden mittels elektromagnetischer Strahlung einfach verdampft, ganz ohne Operation. In München startet nun ein Pilotprojekt mit der neuen Therapie.

Mit neuen Ansätzen in der so genannten Hyperthermie soll die Behandlung bei besonders schwierigen Krebsfällen verbessert werden. Am Universitätsklinikum München- Großhadern soll ein Pilotprojekt die Wirksamkeit dieser lokalen Überwärmung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs und gleichzeitigen Lebermetastasen klären. Die Ergebnisse der Standardtherapien seien bei Bauchspeicheldrüsenkrebs derart schlecht, dass selbst kleinere Fortschritte schon zu begrüßen wären, sagte der Mediziner Prof. Wolfgang Hiddemann am Dienstag in München.

Hyperthermie in Kombination mit Chemotherapie

Bei der regionalen Tiefenhyperthermie (RHT) werden Tumorzellen durch selektive Überwärmung mittels elektromagnetischen Wellen bekämpft. Die Überwärmung auf 41 bis 43 Grad allein helfe nicht, sondern wirke nur in Kombination mit anderen Therapien und vor allem mit der Chemotherapie, erläuterte der Mediziner und Projektleiter Prof. Rolf Issels. In den schlecht durchbluteten Teilen eines Tumors sterben nach seinen Worten die Zellen bei der Überwärmung ab. In den übrigen, besser durchbluteten Tumorteilen führe die Hyperthermie zu einer Sensibilisierung gegenüber einer Chemo- oder Strahlentherapie.

Die Hyperthermie sei deshalb besonders geeignet bei Tumoren, bei denen zunächst eine Resistenz gegenüber diesen beiden Therapieformen beobachtet werde, sagte Issels. In München werde gleichzeitig mit der Hyperthermie eine Chemotherapie vorgenommen. Mit einer großen Studie habe man am Klinikum München-Großhadern die Wirksamkeit der Hyperthermie bei Weichteilsarkomen bereits nachweisen können. Bei mehreren Studien im Ausland sei die Wirksamkeit eines kombinierten Einsatzes von Standardtherapien und Hyperthermie unter anderem auch für Brust- und Gebärmutterhalskrebs nachgewiesen worden.

Hyperthermie etabliert sich langsam

Von allen Krebserkrankungen an der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) könnten nur 20 Prozent operiert werden, und von diesen Patienten wiederum lebten fünf Jahre später nur noch 20 Prozent, erklärte Issels. Bei solchen Tumoren sehe man somit nach fünf Jahren nur in 4 Prozent der Fälle eine Heilung oder einen Stillstand, sagte der Experte zur Notwendigkeit weiterer Forschung. Von den Patienten mit Pankreaskrebs hätten 60 Prozent auch Metastasen in der Leber. Deshalb sei es ein wichtiger Fortschritt, dass eine verbesserte Technik der Hyperthermie eine örtlich breitere Anwendung ermögliche und man nun gleichzeitig Tumorgewebe in Leber und Bauchspeicheldrüse überwärmen könne.

Nach anfänglicher Skepsis sei die Hyperthermie inzwischen bei bestimmten Krebsfällen ein etabliertes Konzept, betonte der Mediziner Prof. Klaus Peter. "Der Weg ist aber noch nicht zu Ende beschritten." Jetzt komme es darauf an, mit der verbesserten Technik neue Anwendungsfelder zu erarbeiten. Zu den künftigen Anwendungsgebieten könnten nach Ansicht von Hiddemann auch Prostata- und Dickdarmkrebs gehören.

DPA

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