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8. Februar 2010, 17:27 Uhr

Unangenehm - aber keine Riesenkatastrophe

Einige Mediziner schlagen Alarm: Wichtige Impfstoffe für Säuglinge sind knapp, Schuld an den Lieferengpässen ist die Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffs. Kinderarzt Reinhard Berner erklärt, warum die Lage vielleicht gar nicht so dramatisch ist.

Zur Person Professor Reinhard Berner ist Oberarzt an der Klinik Allgemeine Kinderheilkunde und Jugendmedizin der Uni Freiburg.

Herr Berner, momentan gibt es einen Lieferengpass bei Impfstoffen für Säuglinge. Ein Sechsfach-Impfstoff ist nicht verfügbar, weil der Hersteller GlaxoSmithKline in den vergangenen Monaten massiv auf die Produktion des Schweinegrippe-Impfstoffs umgeschwenkt hat. Wie dramatisch ist so ein Engpass?

Im ersten Lebensjahr sind die Abstände der Impfungen sehr eng gesetzt. Es ist außerordentlich unangenehm, dort nun in Verzug zu geraten, da wir jahrelang versucht haben, das Ziel der zeitgerechten Grundimmunisierung umzusetzen. Allerdings ist es auch keine Riesenkatastrophe, wenn sich die Impfungen nun etwas nach hinten verschieben.

Ist es denn nicht möglich, auf andere Impfstoffe auszuweichen?

In Deutschland ist nur ein Sechsfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Haemophilus influenzae Typ b, Hepatitis B, Keuchhusten, Kinderlähmung (Polio) und Wundstarrkrampf auf dem Markt. Wir sind an dieser Stelle also von einem einzigen Hersteller abhängig, das ist tatsächlich unglücklich.

Warum gibt es keine Alternativen?

Bei einem zweiten Sechsfach-Impfstoff, der einige Jahre auf dem Markt war, ruht die Zulassung. Ob ein anderes Unternehmen derzeit ein alternatives Präparat entwickelt, kann ich nicht sagen. Der Aufwand für Pharmakonzerne ist enorm hoch, bevor ein für Kinder allgemein empfohlener Impfstoff zugelassen wird. Das muss auch sein, bevor alle Kinder routinemäßig einen Impfstoff verabreicht bekommen.

Was raten Sie Eltern, die ihr Kind jetzt impfen lassen wollen?

Falls der Impfstoff, wie berichtet wird, bis Mitte März wieder verfügbar ist, ist es am besten, einfach abzuwarten. Auf andere Impfstoffe umzusteigen, die gegen weniger Krankheiten schützen, halte ich unter den Umständen nicht für sinnvoll.

Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, warnt davor dass Keuchhusten und ebenso eine HIB-Infektion bei Säuglingen lebensgefährlich sein kann. Ist eine Verzögerung der Impfung da nicht ein massives Risiko?

Herr Hartmann hat im Prinzip absolut recht mit seiner Aussage. Keuchhusten kann bei Säuglingen in der Tat lebensgefährlich sein, eine Ansteckung mit Haemophilus-influenza-b-Bakterien (HIB) ebenso bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Frage ist nur, ob eine durch äußere Umstände bedingte, einmalige Verzögerung der Impfung zu einer reellen Bedrohung der Bevölkerung wird. Vielleicht ist das Problem nicht ganz so dramatisch wie befürchtet.

Empfohlene Impfungen Von der Ständigen Impfkommission werden für Säuglinge Impfungen gegen folgende Krankheiten empfohlen: Diphtherie, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Hepatitis B, Keuchhusten, Kinderlähmung (Polio), Masern, Meningokokken, Mumps, Pneumokokken, Röteln, Varizellen (Windpocken) und Wundstarrkrampf (Tetanus).

Interview: Nina Bublitz
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
ssteffen (09.02.2010, 09:59 Uhr)
Wie solls auch sonst gehen.
Mit den eng gestrickten Ressourcen auf zwei Hochzeiten tanzen? Da muß man sich entscheiden. Natürlich, wo mehr Gewinn drin ist. Jetzt wissen wir, dass die Schweinegrippe lukrativer war, als die Gesundheit unserer Kinder.
.
In anderen Foren habe ich bereits gesagt, dass Humanmedizin mit der Absicht auf Gewinnerziehlung nicht human sein kann.
.
Wir haben keinen Gott, wir haben Geld.
Neid, Missgunst und Gier regieren uns.
Das Leben ist schön.
Administrator (09.02.2010, 08:44 Uhr)
@gunhro
Ihr Kommentar wurde gelöscht - bitte unterlassen Se persönliche Beleidigungen.
Jever-Huelse (09.02.2010, 02:19 Uhr)
Und täglich grüßt das Murmeltier..
Schön zu sehen, daß die Speerspitzen des 68er Gutmenschentums wie Spiegel und Stern eine verheerende Niederlage nach der anderen einstecken müssen.
Endlich läßt sich das Publikum nicht mehr verarschen.
Beim Thema "Schweinegrippe" wird nur noch gelacht, beim Thema "Klimakatastrophe" bestimmen erbittert geführte Rückzugsgefechte der Hysteriker das Blog- und Forengeschehen, denn hier geht es um ungleich höhere Summen.
Hoffen wir das Beste - auf daß die Wahrheit sich durchsetzt.
the_pope (08.02.2010, 21:19 Uhr)
Impfstoff braucht das Land
@facilidad_de_ser
So ist es.

" Genug ausgesessen", hat sich der Stern gedacht, "Nun sind wieder die Geldgeber dran". Mich wundert es eher, dass bei Schweinegrippeartikeln noch die Kommentarfunktion freigeschaltet ist. Bei der Resonanz.
Beim Thema Iran ist das schon anders. Da sitzt der Stern ja bereits im Panzer.

Viele Grüße,
the_pope
facilidad_de_ser (08.02.2010, 20:38 Uhr)
Es fehlt hier...
...eindeutig eine Funktion vokksverdummende Artikel zu bewerten.
Dass immer noch versucht wird mit der Schweinegrippe Schlagzeilen und dadurch Geld zu machen, ist p e i n l i c h !
bailador (08.02.2010, 19:00 Uhr)
Impfen
... und wieder hat die Pharmaindustrie eine breite Plattform erhalten, ihre Impf-Geld-Beschaffungsmaschine unters Volk zu schmeißen. Und wenn ich das Wort "Schweinegrippe" schon höre, krieg ich die Grätze. Gleichzeitig fordern Mediziner ein "Stalljahr" für Kinder, weil es durch fortschreitende Keimlosigkeit (Sagrotan & Co.) zunehmend kranke durch ein nicht ausgereiftes Immunsystem Kinder und Erwachsene gibt. Offensichtlicher kann die Geldmaschine gar nicht laufen. Und alle machen mit... Fast schon pervers lebensfeindlich.
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