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Wo Krebspatienten länger leben

Deutsche haben bei Brust- oder Dickdarmkrebs meist geringere Überlebenschancen als Franzosen oder Amerikaner. Das zeigen die Daten von Überlebensraten aus 31 Ländern. Warum Deutschland nur im Mittelfeld liegt und Ärzte die Daten kritisieren.

Viele Millionen Menschen erkranken jährlich an Krebs. Überlebenschancen und Behandlungserfolge sind jedoch nicht überall gleich. In vielen Entwicklungsländern und Ostblockstaaten ist der medizinische Forschritt nocht nicht in vollem Umfang angekommen. Aber auch Deutschland liegt bei der Früherkennung und Behandlung von einigen Krebsarten abgeschlagen hinter Ländern wie den USA, Frankreich oder Australien. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler nach der Auswertung der Daten von fast zwei Millionen Krebspatienten aus 31 Ländern. Über ihre Ergebnisse berichteten die Forscher im Fachjournal "Lancet Oncology".

Ein Forscherteam um den Krebsepidemiologen Michel Coleman von der London School of Hygiene and Tropical Medicine untersuchte, wie viele Krebspatienten fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose noch lebten. Alle diese Patienten erkrankten in den Jahren 1990 bis 1994 an Brustkrebs, Darmkrebs oder Prostatakrebs; die Beobachtungsdaten reichen dann bis 1999. Berücksichtigt wurden die Krebs-Daten aus vielen EU-Staaten, aus Japan, Australien und Entwicklungs- sowie Schwellenländern wie Algerien und Brasilien. Für Deutschland wurden keine landesweiten Daten verwendet, sondern die aus dem Krebsregister des Saarlandes. Ein Ergebnis der Studie: Deutschland liegt im Mittelfeld.

Platz 15 bei Brustkrebs

Beispiel Brustkrebs: Aus den Daten geht hervor, dass 75 Prozent der deutschen Brustkrebspatientinnen die ersten fünf Jahre überlebten. Mit dieser Fünfjahres-Überlebensrate liegt Deutschland hinter der Schweiz auf Platz 15. Zum Vergleich: Die USA kommen auf 84 Prozent, Japan auf 82 und Frankreich auf 80 Prozent.

Besser sehen die Chancen bei Prostata-Krebs aus. Hier liegt Deutschland mit einer Überlebensrate von 76 Prozent auf Platz 5 - hinter den USA mit 92 Prozent, Österreich, Kanada und Australien.

Die Überlebensrate bei Dickdarmkrebs beträgt in Deutschland bei Frauen 56 Prozent und bei Männern 52 Prozent. Das bedeutet Rang 10 und Rang 13. Frankreich schneidet am besten bei der Behandlung von Darmkrebs bei Frauen ab, in Japan haben Männer mit dieser Krankheit die beste Aussicht, fünf Jahre nach der Diagnose noch zu leben. Die USA liegen mit jeweils 60 Prozent Überlebensrate für beide Geschlechter insgesamt auf Platz zwei - vor Spanien, Australien und Kanada. Auch bei Enddarmkrebs liegen die Überlebensraten in Deutschland nur im Mittelfeld. Am Ende aller Tabellen für die Überlebensrate stehen zumeist Algerien und Staaten des ehemaligen Ostblocks.

Warum liegt Deutschland im Mittelfeld?

"Der Großteil der Unterschiede in der Überlebensrate von Land zu Land und sogar den unterschiedlichen Regionen eines Landes geht wahrscheinlich auf Unterschiede in Diagnose und Behandlung zurück", schreiben die Forscher. Länder, die viel in moderne Techniken wie CT-Scanner investieren, hätten auch eine höhere Überlebensrate, so die Forscher.

Werner Hohenberger, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft hat noch andere Erklärungen: So seien die deutlich unterschiedlichen Erfolgszahlen bei Prostatakrebs zwischen den USA und Deutschland zum Beispiel nicht einseitig mit besseren Behandlungsmethoden in den USA zu erklären. "Es muss zumindest diskutiert werden, dass dort auch der PSA-Test zur Früherkennung mit Nachdruck eingesetzt wird. Dadurch kann es schneller zu Überdiagnosen kommen, da Karzinome disgnostiziert werden, die zu Lebzeiten vielleicht nie symptomatisch geworden wären", sagt Hohenberger.

Zudem sind die Zahlen fast zehn Jhre alt. "Der untersuchte Zeitraum von 1990-1999 ist für die heutige Situation nicht aussagekräftig", so Hohenberger. Denn in Deutschland seien in den letzten Jahren konkrete Maßnahmen durchgeführt worden. "Für Brustkrebs zum Beispiel wurde seit 2004 das qualitative Mammografie-Screening eingeführt. Das war eine Reaktion auf den bestehenden Vorsprung mancher Länder, die dieses Screening bereits hatten, sagt Hohenberger.

Auch das Bundesgesundheitsministerium hat die in einer internationalen Untersuchung veröffentlichten Zahlen zu den Überlebenschancen bei Krebs in Deutschland als veraltet zurückgewiesen. So hätten sich die Überlebensraten bei Brustkrebs inzwischen auf 81 Prozent und bei Prostatakrebs auf 87 Prozent erhöht.

nis/DPA/AFP/DPA

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