Ob Apfelschorle, Tiefkühlpizza oder Eintopf aus der Dose - auf Lebensmittelverpackungen in Deutschland muss zwar stehen, welche Zutaten das Produkt enthält. Angaben über die Nährwerte sind für die Hersteller freiwillig. Doch das soll sich ändern - zwei verschiedene Modelle werden dabei heiß diskutiert.
Durch eine farbige Grafik auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen sollen Verbraucher über die wichtigsten Nährwerte eines Produktes informiert werden - und verschiedene Produkte miteinander vergleichen können. Konkret gibt die Nährwert-Ampel den Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz in absoluten Grammzahlen an - und zwar einheitlich pro 100 Gramm beziehungsweise pro 100 Milliliter. Zur besseren Orientierung wird jeder dieser Werte rot, gelb oder grün hinterlegt: je nach dem, ob es sich um einen hohen (rot), mittleren (gelb) oder niedrigen Gehalt (grün) handelt.
Welcher Nährwert eines Produkts in welcher Farbe erscheint, ist genau festgelegt:
Grün heißt: ein Fettgehalt bis drei Gramm, gesättigte Fettsäuren bis 1,5 Gramm, Zucker bis fünf Gramm und Salz bis 0,3 Gramm (Alle Angaben pro 100 Gramm.)
Gelb heißt: Fettgehalt von drei bis 20 Gramm, gesättigte Fettsäuren 1,5 bis fünf Gramm, Zucker fünf bis 12,5 Gramm und Salz 0,3 bis 1,5 Gramm. (Alle Angaben pro 100 Gramm.)
Rot heißt: Fettgehalt über 20 Gramm, gesättigte Fettsäuren über fünf Gramm, Zucker über 12,5 Gramm und Salz über 1,5 Gramm. (Alle Angaben pro 100 Gramm.)
Kritiker sagen: Bestimmte Lebensmittel würden stigmatisiert. So würden zum Beispiel viele Säfte für ihren hohen Zuckergehalt eine rote Kennzeichnung bekommen, genauso wie Olivenöl für den hohen Fettanteil. Auf der anderen Seite aber würde ein Getränk wie Cola-Light nur grüne Kennzeichnungen erhalten: wenig Fett, wenig Zucker, wenig Salz.
Beim Modell der "erweiterten Nährwertangaben", wie es die Lebensmittelindustrie favorisiert, bestimmt der Hersteller eine Portionsgröße - und gibt dann auf der Verpackung an, wie viele Kalorien, wie viel Zucker, Fett und gesättigte Fettsäuren diese Portion enthält. Außerdem gibt es einen Hinweis darauf, wie viel Prozent vom Tagesbedarf eines Nährstoffs der Konsument mit einer Portion dieses Produkts zu sich nimmt. Als Referenzgröße dient in der Regel eine erwachsene Frau.
Die Portionsgrößen können die Hersteller frei wählen. Problem: Auf vielen Tiefkühlpizzen ist als eine Portion nicht die ganze Pizza, sondern nur eine halbe angegeben. Auf Kekspackungen sind Portiongrößen mal mit fünf und mal mit 28 angegeben.
Bisher sind die Nährwertangaben freiwillig – und auch wo auf der Verpackung sie zu finden sind, kann der Hersteller entscheiden.
Das Ampel-Modell kommt aus Großbritannien. Dort gibt es die farbliche Grafik bereits auf über 10.000 Produkten – die Hersteller drucken sie freiwillig auf die Verpackung.
In Deutschland hat der Konzern Frosta die Ampel für seine Produkte eingeführt - ebenfalls freiwillig - und hat damit für Wirbel gesorgt.
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