Auf den Punkt gebracht

Nadelstiche ins Fleisch: Da werden manche Menschen skeptisch. Doch die Piekserei kann sich lohnen - vor allem bei Schmerzen im Magen, Rücken und Kopf.

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Akupunktur

Das Ohr: In der Muschel liegen besonders viele Akupunkturpunkte©

Sie möchten sich oder Ihr Kind mit Akupunktur behandeln lassen? Dann sollten Sie Zeit mitbringen, eine Sitzung für die Kleinen dauert noch länger. Akupunktur ist prinzipiell für Kinder wie für Erwachsene geeignet; ist Ihr Nachwuchs aber noch im Vorschulalter, sollten darauf verzichten. Erst ab etwa acht Jahren ist ein Kind reif für die Nadel. Bereiten Sie es in Gesprächen rechtzeitig auf die Sitzung vor.
Die Therapeutin sollte sich ausreichend Zeit nehmen und geduldig bleiben. Für Kinder sollte sie weniger und feinere Nadeln verwenden als bei Erwachsenen. Bei Kindern arbeiten manche Akupunkteure beim ersten Mal statt mit Nadeln mit spitzen Samenkörnern, die mit einem feinen Pflaster auf die Haut geklebt werden.

Das steckt dahinter:

Akupunktur ist ein Teilbereich der traditionellen chinesischen Medizin. Das Verfahren beruht auf der Vorstellung, dass die Lebensenergie Qi auf Leitbahnen, so genannten Meridianen, durch den Körper fließt. Auf seinem Weg wird das Qi durch Reize an der Körperoberfläche positiv beeinflusst.

Noch vor etwa zehn Jahren galt das Stechen feiner Nadeln in sensible Punkte als unwissenschaftlich und wurde daher von den meisten Schulmedizinern abgelehnt. Inzwischen haben viele Studien den Effekt der Akupunktur bei diversen Beschwerden belegt. Deshalb wird das Verfahren heute in zahlreichen Praxen und Kliniken angewendet. Tatsächlich ist keine alternative Heilmethode so gut untersucht wie die Akupunktur.

So wirkt's:

Auch wenn das Konzept vom Qi, von den zwölf Leitbahnen und mehr als 350 Akupunkturpunkten nichts mit westlichen medizinischen Vorstellungen zu tun hat, lindert es dennoch oft Beschwerden. Denn gekonntes Nadelstechen kann körperliche Reaktionen auslösen, es kann zum Beispiel körpereigene Botenstoffe freisetzen, die den Schmerz stillen und die Stimmung heben.
Hinzu kommt: Akupunktur hat einen besonders großen Placebo-Effekt. Das heißt, sie kann allein durch das Behandlungsritual Selbstheilungskräfte aktivieren. Dieser Effekt kann Ihnen und Ihrem Kind vor allem dann helfen, wenn der Arzt keinerlei körperliche Ursachen für die Beschwerden finden konnte. Gut überprüft ist die Wirkung der Akupunktur bei Übelkeit und Erbrechen, Knie- und Rückenschmerzen, Zahnschmerzen, Unruhe, Migräne und anderen Kopfschmerzen.

Das sagt der Experte:

Edzard Ernst leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der britischen Universität Exeter. Er beschäftigt sich seit langem mit der Wirksamkeit alternativer Heilmethoden und hat viele Verfahren getestet.
Sein Urteil: Die Diskussion, ob Akupunktur tatsächlich mehr ist als ein Placebo, wurde jüngst durch den Einsatz von innovativen Placebo-Nadeln neu entfacht und ist derzeit noch nicht abgeschlossen.

Rüdiger Braun


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