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Nadeln, Tropfen, Handauflegen

Chinesische Kräuter, Aroma-Öle, Akupunktur: Viele Menschen schwören drauf. Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirksamkeit aber kaum. Dennoch können alternative Verfahren helfen - wenn man daran glaubt.

  Kamille lindert Entzündungen - das ist wissenschaftlich belegt

Kamille lindert Entzündungen - das ist wissenschaftlich belegt

Sie bekämpfen Schmerzen mit Akupunktur, schlucken homöopathische Kügelchen oder lassen sich den Alltagsstress mit einer Reflexzonen-Therapie von der Seele streicheln? Dann sind Sie in guter Gesellschaft: Mehr als 150 Millionen Menschen in Europa vertrauen nicht mehr allein der Schulmedizin, sondern schwören auf alternative Heilmethoden.

Die Verfahren dieser so genannten Komplementär-Medizin bieten vieles, was im normalen Praxisbetrieb heute selten geworden ist: verständnisvolle Therapeuten, die sich Zeit für Gespräche nehmen. Und Behandlungen, die die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Also genau das Richtige für Sie und Ihr Kind – oder? Seit vielen Jahrzehnten streiten die Gelehrten darüber, ob alternative Verfahren tatsächlich wirken. Die Meinungen gehen weit auseinander, ein abschließendes Urteil ist nicht zu erwarten. Vieles ist nach wie vor eine Frage des Glaubens.

Heilkräuter können helfen, aber auch schaden

Wollen Sie sicher gehen, sollten Sie sich an die Erkenntnisse der so genannten evidenzbasierten, also beweisgestützten Medizin halten. Danach gilt eine Behandlung als gut, wenn ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen wurde - egal, ob es ein schulmedizinisches oder alternatives Verfahren ist. Der wissenschaftliche Nachweis gelingt meist mit Wirksamkeits-Studien, wie sie auch bei der Zulassung von Arzneimitteln üblich sind.

Die Studien zeigen, bei welchen Krankheiten alternative Methoden helfen können. Zum Beispiel wirken Heilkräuter oft gut bei Erkältungen. Andererseits können manche Kräuterkuren starke Nebenwirkungen haben: Inhaltsstoffe von Pflanzen können Allergien auslösen und in schlimmen Fällen sogar Nieren- und Leberschäden verursachen. Viele Mittel haben sich in Wirksamkeits-Studien hingegen als nur schwach wirksam entpuppt oder als nutzlos.

Der Glaube und das Vertrauen behandeln den Kranken

Edzard Ernst, Leiter der Abteilung für Komplementärmedizin an der britischen Universität Exeter, analysierte mit seinem Team zahlreiche alternative Heilverfahren. Fazit der Forscher: Die Erfolge der Komplementär-Medizin beruhen zu einem guten Teil auf Placebo-Effekten. Das heißt: Sobald jemand an eine Heilung glaubt, tritt sie ein. Dem Kranken geht es besser - obwohl das Mittel keine wissenschaftlich nachweisbare Wirkung hat. Der Placebo-Effekt wird noch verstärkt, wenn die Beziehung zum Arzt intensiv und vertrauensvoll ist.

Vor allem Kinder glauben und vertrauen: Sie reagieren positiv auf alternative Methoden. Grundsätzlich sollten Sie sich aber gut beraten lassen, bevor Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn komplementär-medizinisch behandeln lassen. Informieren Sie sich über mögliche Risiken und Nebenwirkungen: Nicht alles, was aus der Natur kommt, ist ungefährlich, denken Sie nur an den Fliegenpilz. Achten Sie auch auf altersgerechte Anwendung der Verfahren. Wenn der Kinderarzt keine Bedenken hat, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert.

Rüdiger Braun

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