Mit der Hand den Rhythmus des Körpers fühlen

Eine Craniosakral-Massage entspannt und ist angenehm. Fachleute meinen, da sei nichts dahinter: Wie die Flüssigkeit in Hirn und Rückenmark pulsiere, sei für die Gesundheit unerheblich.

Craniosacraltherapie, Kinder, Massage

Sanftes Drücken soll die Flüssigkeit in Hirn und Rücken regulieren©

Die Masseurin umfasst den Kopf, drückt sanft die Fingerkuppen in den Nacken, schiebt die Handfläche unter die Schulterblätter, um anschließend die behutsame Massage am unteren Rücken fortzusetzen: Craniosacral-Therapie ist äußerst wohltuend. Dass sie wirksam ist, konnten wissenschaftliche Studien hingegen nicht nachweisen.
Fans der Craniosacral-Therapie glauben, die Massage stärke die Selbstheilungskräfte des Körpers und könne Kindern helfen bei Konzentrationsproblemen, Kopfschmerzen und Entzündungen.

Das steckt dahinter:

Der amerikanische Arzt John E. Upledger entwickelte die Craniosacral-Massage 1970. Die Behandlung konzentriert sich vor allem auf den Halsbereich - Cranium bedeutet Schädel - und auf die Region des Kreuzbeins, lateinisch os sacrum. An bestimmten Punkten massiert der Therapeut Muskeln und Knochen mit speziellen Handgriffen und leichten Berührungen.

Die Technik beruht auf der Annahme, dass die Flüssigkeit im Gehirn und im Rückenmark rhythmisch pulsiert. Winzige Bewegungen an den Nähten der Schädelplatten würden diese so genannten Pulsationen stören, der unregelmäßige Rhythmus übertrage sich auf die äußeren Gewebe und Knochen und lasse sich so von außen erfühlen. Durch Tasten könne die Therapeutin Pulsationsblockaden aufspüren und gleichzeitig mit der Hand behandeln. Dadurch verbessere sich der Energiefluss im Körper. Nach Upledger lassen sich so unter anderem Lernschwierigkeiten, Lesestörungen, Kopfschmerzen, Ohrinfektionen und entzündete Nasennebenhöhlen erfolgreich behandeln.

So wirkt's:

Dass winzige Verschiebungen an den Schädelplatten und Impulse in der Rückenmarksflüssigkeit die Gesundheit beeinflussen können, ist wissenschaftlich nicht belegt. Es gibt bislang keinen gut dokumentierten Wirksamkeitsnachweis für diese Methode.

Das sagt der Experte:

Edzard Ernst leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der britischen Universität Exeter. Er beschäftigt sich seit langem mit der Wirksamkeit alternativer Heilmethoden und hat viele Verfahren getestet.
Sein Urteil: Die Methode ist nicht plausibel. Die wenigen Studien, die es gibt, zeigen keine Wirksamkeit der Craniosacral-Therapie.

Rüdiger Braun

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