Tupfen, pieksen, gucken

7. August 2008, 20:35 Uhr

Zu Tränen gereizt: Pollen, Tierhaare und Hausstaub können Kindern das Leben schwer machen. Denn die harmlosen Stoffe können Allergien auslösen. Ein Allergietest kann für Aufschluss sorgen.

0 Bewertungen
Allergietests

Die Tropfen enthalten Allergie-auslösende Stoffe©

Niest Ihr Kind viel, ohne dass es erkältet ist? Muss es oft husten, weil es im Hals kitzelt? Oder hat es gar Probleme mit dem Atmen, wenn sich Nachbars Katze ins Kinderzimmer geschlichen hat? Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter unter einer Allergie leidet, sollten Sie zum Facharzt, zum Allergologen gehen. Er kann mit zwei Tests feststellen, was das Immunsystem Ihres Kindes beeinträchtigt.

Die Fachärztin kann einen so genannten IgE-Test machen. Dafür muss sie Ihrem Kind nur Blut abnehmen. Das Blut wird anschließend im Labor auf IgE untersucht. Diese Abkürzung steht für Immunglobulin E, das ist ein spezieller Antikörper. Diese Substanz bildet das menschliche Immunsystem immer dann, wenn zum Beispiel Würmer in den Körper eingedrungen sind. Allergiker produzieren Immunglobulin E aber auch dann, wenn harmlose Stoffe wie Pollen oder Haare in den Organismus gelangt sind. Die Körperabwehr von Allergikern verwechselt Pflanzensamen oder Tierspeichel offenbar mit gefährlichen Eindringlingen.

Möglicherweise macht der Allergologe aber auch einen Prick-Test. Dabei werden verschiedene Stoffe, die Allergien auslösen können, auf die Innenseite des Unterarms getropft. Mit einer scharfen Nadel hebt die Arzthelferin die Haut unter dem Tropfen an: Die Flüssigkeit kann ins Gewebe laufen. Zeigt sich nach einer Viertelstunde an der Stelle ein rote Quaddel, die womöglich auch noch juckt, hat der Körper auf diese Substanz allergisch reagiert. Die Prozedur ist nicht gefährlich. Dennoch lassen sich manche Kinder nur ungern pieksen. Erklären Sie Ihrem Nachwuchs den Vorteil des Tests: Nur so lässt sich herausfinden, was die Allergie auslöst.

Maren Wernecke / Jan Schweitzer

Expertenmeinung Johannes Forster, Chefarzt der Abteilung für Kinderheilkunde am St. Josefskrankenhaus Freiburg, und Hans-Ulrich Neumann, Hamburger Kinderarzt:

Beide Tests weisen keine Allergie nach, sondern nur die Neigung dazu. Findet die Ärztin etwa bei einem Kind Antikörper gegen Gräserpollen im Blut, heißt das nicht zwingend, dass das Kind Heuschnupfen hat. Es kann zwar auf Gräserpollen allergisch reagieren, denn es ist sensibilisiert, muss es aber nicht.

Die zwei Tests sind also nicht zu empfehlen, wenn ein Kind keinerlei Zeichen einer Allergie hat. Nur aus Neugier sollten Sie Ihr Kind nicht testen lassen. Allergietests sind sinnvoll, wenn es um die Behandlung eines Kindes mit Asthma oder Heuschnupfen geht. So kann der Arzt herausfinden, auf welchen Allergie-Auslöser das Kind am empfindlichsten reagiert. Dies ist vor allen Dingen bei einer bestimmten Behandlungsmethode, bei der Hyposensibilisierung, wichtig.