Wenn Kinder nicht zur Ruhe kommen

Kinder können hibbelig und zerstreut sein, das ist normal. Ist der Nachwuchs jedoch fast immer aufgedreht und unkonzentriert, steckt vielleicht ADHS dahinter.

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Jungen sind dreimal häufiger von ADHS betroffen als Mädchen©

Kinder sind Individuen. Manche blättern stundenlang hingerissen in Bilderbüchern, andere sind von Natur aus lebhafter, lassen sich schneller ablenken, wollen ständig Neues haben und in Bewegung sein. Solche unruhigen Gemüter müssen nicht gleich hyperaktiv sein. Doch fällt Ihr Sprössling häufiger durch aggressives oder zerstreutes Betragen aus dem Rahmen, sollten Sie hellhörig werden. Vielleicht leidet er an einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung, kurz ADHS.

Manche Fachleute unterscheiden zwischen ADS und ADHS: ADS steht für das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Andere Mediziner sprechen von einer hyperkinetischer Störung oder einer Hyperaktivitäts-Störung. Im Grunde bedeuten all diese Begriffe dasselbe: Das Kind ist sehr impulsiv, sehr unruhig, sehr unkonzentriert.

Die Grenzen zwischen normaler Hibbeligkeit und bedenklicher Unruhe sind fließend: Es gibt keinen festgelegten Wert, ab dem ein Kind als hyperaktiv zu gelten hat. Manch ein Zappelphilipp benimmt sich so daneben, dass seine Mitmenschen ihn kaum ertragen können, ein anderer hat nur in bestimmten Situationen Probleme und kommt ansonsten ganz gut mit anderen Menschen zurecht.

ADHS ist keine Erfindung arbeitsloser Psychologen

Früher galten Kinder, die sich nicht betragen konnten, schlicht als ungezogen. Und plötzlich spricht alle Welt von einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts-Störung. Klar ist jedoch: Der Befund ist keine Erfindung von Journalisten oder von arbeitslosen Psychologinnen. "ADHS ist eine psychische Störung, die genauso real existiert wie beispielsweise Übergewicht", sagt Manfred Döpfner, Experte für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universität Köln.

Warum manche Kinder hyperaktiv werden, ist noch nicht vollständig erforscht. Wissenschaftler nehmen an, dass vor allem Funktionsstörungen im Gehirn verantwortlich sind. Wie stark sich diese auswirken, ist nach Meinung der meisten Fachleute eine Frage der Gene.

Doch auch Komplikationen während der Schwangerschaft oder eine schwierige Geburt können eine Rolle spielen. Wie schwer die Kinder leiden, hängt auch von den Menschen ab, die mit ihnen zu tun haben: von der Familie, von der Lehrern, von den Spielkameraden. Die Umwelt mit ihren immer schneller wechselnden Reizen trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei.

Vorsichtig geschätzt, leiden in Deutschland etwa zwei bis drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen an einer schweren Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung; etwa zehn Prozent sind leicht hyperaktiv. Jungen sind im Durchschnitt dreimal häufiger betroffen als Mädchen.

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