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Hilfe für eine gesunde Haltung

Wenn Kinder einen krummen Rücken, Plattfüße oder einen schiefen Hals, haben, ist das ein Fall für die Kinderorthopädie. Denn auswachsen werden sich diese Probleme nicht.

Herumtollen ist toll - und gesund für Muskeln und Knochen

Herumtollen ist toll - und gesund für Muskeln und Knochen

Kinder lümmeln gern: Sie hängen gebeugt über dem Mittagstisch, sitzen lässig schief am Schreibtisch, schlurfen gern mal beim Gehen - das ist normal. Eine allzeit aufrechte Haltung ist niemandem angeboren, die Kontrolle über den Körper ist gesellschaftlich erwünscht und muss daher gelernt werden.

Doch es gibt auch Kinder, die ausschließlich gebeugt stehen, krumm sitzen oder schleppend gehen, weil ihr Körper nichts anderes zulässt: Dann liegt ein orthopädisches Problem vor, vielleicht eine verformte Wirbelsäule, eine verrenkte Hüfte, verschieden lange Beine oder Plattfüße.

O- oder X-Beine sind nicht schlimm

Haben Sie den Verdacht, dass mit der Haltung oder dem Knochengerüst Ihres Kindes etwas nicht stimmt, sollten Sie zum Orthopäden gehen. Er wird Ihr Kind von Kopf bis Fuß untersuchen – und dabei meist nichts Schlimmes finden. Denn schief gewachsene Beine zum Beispiel sind keine Krankheit, sondern nur eine Abweichung vom Üblichen - gesundheitlich sind sie nicht von Nachteil.

Früher griffen Ärzte in solchen Fällen schnell zum Skalpell oder zwangen Kinder, ihren Körper jahrelang in Schienenkonstruktionen und Stahl-Korsetts zu stecken. Heute wird eine solche Abweichung vom Üblichen nicht mehr mit Zwang bekämpft. Behandelt wird nur, wenn es um gesundheitliche Schäden geht.

Nur selten leiden Kinder unter Muskel- oder Knochen-Krankheiten und nur etwa fünf Prozent der kleinen Patienten müssen operiert werden. In den meisten Fällen reicht eine kurzzeitige Behandlung: Schließlich verfügen die kleinen Körper über große Selbstheilungskräfte.

Schiefhals

Manche Babys können ihren Kopf nur zu einer bestimmten Seite drehen oder neigen - sie schauen zum Beispiel immer nur nach links, nie nach rechts. Diese Säuglinge haben wahrscheinlich einen so genannten Schiefhals, fachsprachlich auch Tortikollis genannt.

Der Kopf kann nicht zur anderen Seite gedreht oder geneigt werden, weil die Halswirbelsäule gekrümmt oder verdreht ist. Wächst das Kind, nimmt diese Krümmung noch zu, bis die Sache schließlich darin endet, dass sich auch die Gesichtshälften stark voneinander unterscheiden. Fachleute sprechen in einem solchen Fall von Gesichtsskoliose.

Die Halswirbelsäule wächst schief, weil ein bestimmter Muskel zwischen Hals und Kopf zu kurz geraten ist. Er wurde wahrscheinlich schon bei der Geburt im Becken der Mutter oder im Geburtskanal gestaucht. Später verhärtet er sich meistens. Schon ab dem dritten Lebensmonat sind die Folgen zu sehen: Der Kopf des Babys neigt sich zur betroffenen Seite. Der Orthopäde wird Ihr Kind röntgen, um die Ursache des Schiefhalses feststellen zu können. Denn nicht immer ist ein zu kurzer Muskel schuld, in seltenen Fällen kann auch die Halswirbelsäule aus anderen Gründen krumm gewachsen sein. Möglicherweise sind auch einige Wirbelgelenke blockiert.

Je früher Sie den Schiefhals Ihres Kindes behandeln lassen, desto besser. Ist der Kopf-Hals-Muskel verkürzt, läßt er sich mit Krankengymnastik dehnen - allerdings nur in den ersten Lebenswochen. Gegen Ende des ersten Lebensjahres ist es schon zu spät: Dann hilft nur noch eine Operation gegen die Schieflage.

Rückenprobleme

Kinder sitzen gerne krumm oder stehen mit rundem Rücken und hängenden Schultern herum. Beobachten Sie Ihr Kind genau und achten Sie darauf, ob es sich immer gebeugt hält. Möglicherweise kann es den Rücken nicht richtig strecken oder ihm tut im Kreuz etwas weh.

Rückenprobleme gehen meist auf die Wirbelsäule zurück. Sie besteht aus Wirbeln und den dazwischen liegenden Bandscheiben. Wirbel bestehen aus einem Wirbelkörper, einem Wirbelbogen und drei verschiedenen Fortsätzen. In der Mitte des Wirbels ist ein Loch - dort laufen die Nervenstränge des Rückenmarks durch.

Der Wirbelkörper liegt auf der einen Seite des Lochs, es ist eine halbrunde Platte, an der die Bandscheiben oben und unten anliegen. Auf der anderen Seite des Lochs liegt der Wirbelbogen, ein halbrunder, recht dünner Knochenbogen, von dem die drei Fortsätze abgehen. Diese Knochen-Vorsprünge dienen als Ansatzpunkte für Muskeln, Bänder und Sehnen, gleichzeitig sind die Wirbel über diese Fortsätze miteinander verbunden. Bandscheiben und Bänder halten die Wirbel in der richtigen Position.

Runder Rücken - schwache Muskeln

Eine gesunde Wirbelsäule ist, von der Seite betrachtet, doppelt S-förmig gebogen. Steht oder sitzt Ihr Kind ständig mit nach vorn hängenden Schultern oder macht es andauernd einen Buckel, verkümmern womöglich die Streck-Muskeln an der Wirbelsäule. Wahrscheinlich wächst das Rückgrat dann in eine falsche Richtung: Aus dem geschwungenen S der Wirbelsäule entwickelt sich vielleicht ein gebogenes C.

Ist der gesamte Rücken des Kindes stark gerundet, und fallen seine Schultern nach vorn, hat es einen so genannten Rundrücken. In der Folge verkürzen sich die Brustmuskeln, der Bauch schiebt sich nach vorne. Im schlimmsten Fall kann ein Rundrücken Ihrem Kind Probleme beim Atmen und Verdauen bereiten.

Kinder sollen sich nicht verbiegen

Hat es nicht nur einen Rundrücken, sondern auch noch ein Hohlkreuz dazu, sprechen Fachleute vom so genannten Hohlrundrücken. Diese Haltung kann an tief sitzenden Rückenschmerzen schuld sein. Rücken können aber nicht nur zu krumm sein, sondern auch zu flach. Beim so genannten Flachrücken ist die Wirbelsäule nicht doppelt-S-förmig gebogen, sondern flach wie ein großes I.

Zudem gibt es zu einer Seite hin schief gewachsene Wirbelsäulen. Das passiert, wenn Ihr Kind beispielsweise ein zu kurzes Bein hat oder sein Becken schief steht. Ist ein Bein mehr als einen halben Zentimeter kürzer als das andere, sollte Ihre Tochter oder Ihr Sohn Schuh-Einlagen tragen.

Machen Sie mit Ihrem Kind den Haltungs-Test!

Weil Ihr Kind ständig wächst, verändert sich auch die Form seiner Wirbelsäule ständig. Ob Ihr Nachwuchs eine Haltungsschwäche hat oder seine Wirbelsäule gar falsch wächst, lässt sich daher oft erst feststellen, wenn das Kind schon sechs Jahre alt ist. Die Orthopädin wird Ihr Kind zunächst betrachten: Anhand der Körperhaltung kann sie schon mögliche Probleme erkennen. Sie kann auch Tests durchführen.

Bei dem Haltungstest nach Matthias zum Beispiel soll das Kind gerade stehen und seine Arme waagerecht nach vorne ausstrecken. Kann das Kind die Stellung nicht länger als eine halbe Minute durchhalten, wird es zur Entlastung vielleicht die Schultern nach hinten ziehen, den Rücken ins Hohlkreuz rutschen lassen oder das Becken nach vorne kippen. Das verteilt die Anstrengung, ist allerdings ein Anzeichen einer Haltungsschwäche.

Herumtollen hilft gegen Haltungsprobleme

Ist die Haltungsschwäche nur leicht, reicht es, wenn sich Ihr Kind mehr bewegt. Das stärkt die Muskeln, die der Haltungsschwäche entgegen wirken können. Dabei ist alles erlaubt, was Spaß macht: schwimmen, klettern, herumtollen, sich balgen, skaten. Bei schwereren Formen ist Krankengymnastik wirksamer. Bei weit fortgeschrittenen Fehlhaltungen passt der Orthopäde eine elastische Bandage, ein Mieder oder eine andere so genannte Orthese an. Sie sollen der Wirbelsäule dabei helfen, in die richtige Richtung zu wachsen.

Haltungsschwächen lassen sich beheben, indem die Muskeln gestärkt werden. Denn aktive Muskeln ziehen an den Knochen und sorgen so dafür, dass die Wirbelsäule in eine gesunde Form wächst. Es gibt aber auch Wirbelsäulen, die nicht durch fehlende Muskeln krumm wachsen, sondern durch Krankheiten beeinträchtigt werden.

Morbus Scheuermann: Der Rücken ist schief und starr

Nicht durch eine falsche Haltung, sondern durch eine Wachstums-Störung entsteht der so genannte Morbus Scheuermann. Diese Fehlbildung erkennen Sie daran, dass der oberere Teil des Rückens bei Ihrem Nachwuchs zu rund geformt ist. Bitten Sie Ihr Kind, sich gegen die Wand zu lehnen. Berührt der Hinterkopf nicht die Wand, auch wenn Ihr Kind den Kopf nach hinten kippt, hat es womöglich einen so genannten fixierten Rundrücken - ein mögliches Symptom der Scheuermannschen Krankheit.

Vielleicht hat Ihr Kind zudem noch ein Hohlkreuz, das ebenso wie der Rundrücken relativ unbeweglich ist. In manchen Fällen sind nicht alle Rückenwirbel betroffen, sondern nur die Lendenwirbel: Das sind die Wirbelkörper, die von der Taille bis zum Steißbein laufen. Ist nur die Lendenwirbelsäule steif, entwickelt Ihr Kind eher einen Flachrücken.

Beim Morbus Scheuermann wachsen die Wirbelkörper nicht regelgerecht: Die Vorderkante der Körper bildet sich weniger stark aus als die hintere Kante. Mit der Zeit werden die Rückenwirbel deshalb keilförmig. Dadurch kippt die Wirbelsäule in eine rundere Form. Gleichzeitig sind die Bandscheiben flacher als normal. Um festzustellen, ob Ihr Kind unter Morbus Scheuermann leidet, wird der Orthopäde röntgen wollen. Auf dem Bild kann er sehen, wie die Wirbel und Bandscheiben aussehen.

In leichten Fällen lässt sich die Wirbelsäule mit Sport richten, zum Beispiel mit Schwimmen. Bei schwereren Formen helfen gezielte Bewegungsübungen oder Krankengymnastik. Nur wenn Ihr Kind einen sehr stark verformten Rücken hat, braucht es ein Korsett oder ein anderes orthopädisches Hilfsmittel. Nur selten ist eine Operation notwendig.

Verdrehte Säule: seitwärts abgebogen

Das Rückgrat kann sich nicht nur nach hinten oder vorne verschieben, sondern auch seitlich wegrutschen. Fachleute sprechen dann von einer Seitverkrümmung der Wirbelsäule oder von einer Skoliose. Meist sind die Wirbelkörper dabei auch noch in sich gedreht. In den meisten Fällen ist die Ursache dafür unbekannt. Eine seitverkrümmter Rücken entwickelt sich sehr sehr langsam und tut selten weh. Deshalb bemerken Eltern diese Veränderung meist eher als ihr Kind.

Hat die Orthopädin den Verdacht, Ihre Tochter oder Ihr Sohn habe eine Skoliose, wird sie den so genannten Vorbeugetest machen. Dabei steht sie hinter Ihrem Kind und schaut sich seinen Rücken genau an, während es sich langsam nach vorne beugt. Hat es eine Seitverkrümmung, sieht die Körperhaltung beim Bücken nicht mehr symmetrisch aus: auf der einen Seite wird der Oberkörper seitlich hervorstehen, auf der anderen Seite die Lendenpartie.

Ist die Wirbelsäule Ihres Kindes leicht verkrümmt, hilft konsequent durchgehaltene Krankengymnastik. In mittelschweren Fällen passt der Arzt Ihrem Kind ein Mieder oder Korsett an, damit die Wirbelsäule nicht noch schiefer wächst. Bei schweren Skoliosen ist eine Operation empfehlenswert. Sonst wird der Brustraum Ihres Kindes womöglich immer enger, Lungen- und Herzprobleme können entstehen.

Wirbel können dem Rückgrat entgleiten

Manchmal bilden sich in den knöchernen Rückenwirbeln kleine Risse, genauer: in den Wirbelbögen. Diese so genannte Spondylolyse hat nichts mit schlechter Haltung zu tun, sondern ist eine Entwicklungsstörung des Körpers. Normalerweise halten die Bandscheiben und Bänder die Wirbel trotz der Risse in der richtigen Lage. Dann ist eine Behandlung nicht nötig.

Manchmal allerdings verschieben sich dennoch einzelne Wirbel, sie verrutschen. Dieses Wirbelgleiten nennen Ärzte Spondylolisthese. Dann tut Ihrem Kind der Rücken weh; es kann den Oberkörper als auch die Hüfte nicht mehr richtig bewegen. Möglicherweise kippt ein Wirbel sogar über den darunter liegenden. In solchen Fällen hilft nur noch eine Operation.

Hüftprobleme

Die Hüfte ist ein Schwachpunkt des menschlichen Körpers: Etwa zwei von hundert Kindern in Deutschland werden mit einem Hüftgelenk geboren, das nicht ganz in Ordnung ist.

Die Hüftgelenke verbinden die Beine mit dem Körper. Die Gelenke sitzen am unteren Becken, dort sind zwei Mulden im Knochen, eine links, eine rechts. In jeder der beiden Vertiefungen, den so genannten Hüftpfannen, endet der jeweilige Oberschenkelknochen. Am Ende des Knochens sitzt eine Kugel - der so genannte Hüftkopf. Er ist schön rund, deshalb kann er sich in alle Richtungen in der Hüftpfanne drehen: Wir können die Beine nach vorne, hinten oder zur Seite bewegen - das Kugelgelenk der Hüfte macht es möglich. Im Gegensatz dazu können wir den Ellenbogen oder das Knie nur in eine Richtung bewegen - dort sitzt kein Kugelgelenk.

Der runde Hüftkopf kann sich nicht aus der Pfanne befreien, ein Auskugeln verhindern Bänder: Es sind die stärksten im gesamten Körper. Wir können die Beine ruckelfrei bewegen, weil die Kugeln samt Mulden von einer glatten Knorpelschicht überzogen sind, zudem bildet die Gelenkschleimhaut eine Flüssigkeit, die das Kugelgelenk schmiert. Zur Bewegung gehören natürlich auch Muskeln: Sie sind mit dem Knochen verbunden, direkt unterhalb des kugeligen Hüftkopfs, am Oberschenkel-Hals.

Hüpft das Gelenk, schnappt oder klickt es

Ob die Hüfte richtig gewachsen ist, prüfen Ärzte schon bei Babys. In der vierten bis sechsten Lebenswoche steht eine der Vorsorge-Untersuchungen an, die so genannte U3. Dazu gehört auch ein Ultraschall der Hüften, und zwar routinemäßig. Auf diesen Bildern können Probleme mit dem Hüftgelenk erkannt werden.

Ob Ihr Säugling Schwierigkeiten hat, die Beinchen richtig zu bewegen, kann auch anders festgestellt werden. Das Baby liegt auf dem Rücken, die Kinderärztin umgreift seine Beinchen mit den Händen. Sie beugt die Beinchen Richtung Oberkörper und spreizt sie dann nach außen ab. Hört sie dabei ein Schnappen oder Klicken, wackelt der Hüftkopf möglicherweise in der Pfanne, die Hüfte ist nicht stabil.

Gegen ein wackeliges Hüftgelenk hilft eine Spreizhose

Möglicherweise kann Ihr Kind die Beine auch nicht in jede Richtung bewegen. Das könnte daran liegen, dass einige Muskeln zu kurz sind. Wackelt es im Hüftgelenk und kann das Bein nicht in jede Richtung gedreht werden, hat Ihre Tochter oder Ihr Sohn eine so genannte Hüft-Dysplasie. Der Grund: eine falsch geformt Hüftpfanne.

Dieses körperliche Manko kann, sofern es nur leicht ausgeprägt ist, mit einer Spreizhose ausgeglichen werden. Sie wird über der Windel getragen. In der Hose sitzen Stahlstreben, die beide Oberschenkel nach außen zwingen; diese Stellung ist für das weitere Wachstum des Hüftgelenks am besten. Hat ein Kinderarzt erst relativ spät festgestellt, dass Ihr Nachwuchs eine Hüft-Dysplasie hat, kommt eine Spreizhose nicht mehr in Frage. Dann bringt der Arzt das Gelenk durch eine Operation zunächst in die richtige Position und stellt es anschließend mittels Bandagen oder Schienen ruhig.

Gleitet das Gelenk auseinander, wird Ihr Kind später hinken

Probleme mit der Beinbewegung entstehen auch, wenn der Hüftkopf nicht richtig in der Hüftpfanne sitzt oder wenn der kugelige Kopf aus der Pfanne herausrutscht. Fachleute sprechen dann von einer Hüftgelenks-Verrenkung oder einer Luxation.

Die Kinderärztin wird ein verrenktes Hüftgelenk sofort behandeln. Sonst zöge sich die Gelenkkapsel zusammen, die umgebenden Muskeln würden kürzer und mit ihnen das gesamte Bein. Dann würde Ihr Kind später hinken. Sind beide Gelenke verrenkt, würde es gar watscheln wie eine Ente.

Meist kann das Problem mit einer Spreizhose gelöst werden. Kann Ihr Baby die Beinchen schon nicht mehr spreizen, weil die Muskeln zu kurz geworden sind, wird die Ärztin Ihrem Säugling Krankengymnastik verordnen. Danach wird sie den Hüftkopf in die richtige Stellung in der Pfanne zurückschieben, entweder mit den Händen oder mit Bandagen. Damit das Gelenk nicht erneut auseinander gleitet, sollte Ihr Kind Bandagen oder spezielle Schienen tragen. In manchen Fällen wird sie das Gelenk mit einem Gipsverband ruhigstellen.

Ist Ihr Kind schon älter als ein Jahr, kann es sein, dass Gymnastik, Bandagen und Schienen nicht ausreichen. Vielleicht hat sich das Gelenk auch schon so verändert, dass die Selbstheilungskräfte beim Wachsen nicht mehr ausreichen, um die Sache zu beheben. Dann kann nur eine Operation verhindern, dass Ihr Kind steif bleibt, hinkt oder beim Gehen Schmerzen hat.

Morbus Perthes: Die Hüfte wächst nicht

Wenn ein Kind wächst, wächst natürlich auch die Hüfte. Verantwortlich dafür ist das Knochengewebe am Oberschenkel. Doch in seltenen Fällen fließt nicht genug Blut durch dieses Gewebe, es stirbt ab. Dann wächst auch der Hüftkopf nicht mehr richtig. Das merken Sie daran, dass Ihr Kind hinkt und die Beine nicht mehr richtig bewegen kann. Zudem wird es Schmerzen haben an der Hüfte, in der Leiste, in den Oberschenkeln oder den Knien.

Diese Krankheit, fachsprachlich Morbus Perthes genannt, stellt der Arzt durch eine Ultraschall-Aufnahme der Hüfte fest. Wenn Ihr Nachwuchs jünger als vier Jahre ist, wird die Krankheit meist von selbst heilen, ohne dass der Arzt weiteres tun müsste. Allerdings darf Ihre Tochter oder Ihr Sohn keinen Sport treiben – und auch nicht so viel herumtollen. Sie sollten regelmäßig mit dem Kind zu Kontroll-Untersuchungen gehen.

Kann Ihr Nachwuchs die Hüfte immer schlechter bewegen, sollte er zur Krankengymnastik gehen. Möglicherweise rät die Orthopädin auch zu Schienen oder anderen Hilfsmitteln, um die Hüfte zu entlasten. Je nachdem, wie arg das Problem im Gelenk ist, kann eine Operation unumgänglich sein, vor allem bei älteren Kindern mit Morbus Perthes.

Das Gelenk kann sich bei Teenagern vom Knochen lösen

Beim Wachsen bilden sich zusätzliche Zellen. Die Wachstumszone des Oberschenkels ist die so genannte Epiphysenfuge: Sie sitzt direkt unter dem Hüftkopf und erzeugt ständig neues Knochenmaterial. Das sorgt dafür, dass der Oberschenkel mit der Zeit immer länger wird. Ist das Kind ausgewachsen, bildet sich die Epiphysenfuge zurück, sie verkümmert.

Diese Fuge verhält sich bei manchen Menschen wie eine Sollbruchstelle; der Hüftkopf kann sich plötzlich oder über Wochen hinweg vom Knochen lösen. Springt der Teenager besonders wild herum oder verdreht sich zum Beispiel bei einem Unfall das Bein, kann der kugelige Hüftkopf komplett wegrutschen und absterben - das Gelenk ist kaputt. Ärzte sprechen dann von einer so genannten juvenilen Hüftkopflösung.

Meist passiert das Unglück, wenn der Jugendliche zwiscnen 12 und 16 Jahren alt ist und schnell wächst. Die Symptome: Zunächst hat Ihre Tochter oder Ihr Sohn Knieschmerzen oder der Oberschenkel tut weh. Später kann Ihr Teenager schlecht das Bein bewegen, es dreht sich nach außen und verkürzt sich immer mehr. Im späteren Verlauf kann er kaum noch auftreten.

In den meisten Fällen wird der Kinderorthopäde eine Operation empfehlen. Drahtstifte oder Schrauben können Oberschenkel-Hals und Hüftkopf wieder zusammenführen, das stabilisiert das Gelenk. Weil sich die Wachstumszone oft an beiden Seiten ablöst, empfehlen Ärzte, vor allem jüngere Kinder gleich an beiden Hüftseiten zu behandeln.

Krumme Beine

Geboren werden wir meist nicht mit geraden Beinen, sondern mit solchen, die sich nach außen verbiegen: mit O-Beinen. Kaum im Kindergarten, knicken die Beine von vielen nach innen - nun haben die Kleinkinder X-Beine. Das sollte Sie nicht beunruhigen. Erst wenn Ihr Sprößling in die Pubertät kommt, sollten die Beine gerade sein.

Ob Beine verbogen sind oder nicht, zeigt die so genannte Mikulicz-Linie: Sie verläuft vom Sprunggelenk am Fuß zum Kniegelenk und von dort zur Mitte des Hüftkopfs. Verläuft die Linie zwischen diesen drei Körperstellen schnurstracks, sind die Beine gerade gewachsen.

Hat Ihr Teenager nach innen oder außen gekrümmte Beine, ist das medizinisch gesehen nicht schlimm: Leichte Krümmungen entsprechen zwar nicht unserem Körperideal, aber gesundheitlich sind sie nicht von Nachteil. Und Schmerzen bereiten X- oder O-Beine auch nicht. Um sicher zu gehen, können Sie Ihren Heranwachsenden aber vom Orthopäden durchchecken lassen.

Bei extrem gebogenen Beinen lösen sich Bänder

Nur in seltenen Fällen geben krumm gewachsene Gliedmaßen den Anlass, etwas zu tun. Und zwar dann, wenn Ihr Kind Schmerzen hat oder wenn eine körperliche Störung das Wachstum der Beine behindert. So kann ein früherer Knochenbruch, Vitamin-D-Mangel oder eine Krankheit des Nervensystems Beine auch krumm wachsen lassen. Sie können auch schief werden, weil die Knochen-Wachstumszone geschädigt ist. Dann hilft nur noch eine Operation.

Nur wenn Beine extrem gebogen sind, können sich Bänder am Knie lockern und später Beschwerden auslösen. Ist Ihr Kind noch klein, verordnet die Orthopädin eventuell eine Schiene, die es nachts tragen soll, damit das Bein richtig weiter wächst.

Mysteriös: Gelenkmäuse entstehen ohne ersichtlichen Grund

Wird das Knie Ihres Kindes nicht richtig durchblutet, stirbt im Gelenk Knochen- und Knorpelgewebe ab. Die toten Knochenstücke, so genannte Gelenkmäuse, können ins Gelenk geraten und Schmerzen verursachen. Manchmal entstehen Gelenkmäuse aufgrund eines Knochenbruchs, in den meisten Fällen jedoch ist die Ursache bis heute unklar.

Um die Krankheit festzustellen, röngt der Orthopäde das Knie. Ist Ihr Kind noch keine zehn Jahre alt und sieht der Arzt, dass das Gelenk noch durchblutet ist, stehen die Chancen gut, dass die Krankheit ohne weiteres Zutun ausheilt. Eine Operation wird die Orthopädin vorschlagen bei älteren Kindern mit sichtbarer Gelenkmaus und nicht mehr durchblutetem Gelenk: Sie kann das tote Knochenstück herausoperieren oder wieder an dem natürlichen Gegenstück anbringen.

Stirbt das Schienbein ab, gilt: no sports!

Wenn Ihr Kind Schmerzen am oberen Schienbein hat und die Stelle dort später auch dick wird, handelt es sich vielleicht um einen so genannten Morbus Schlatter: Bei dieser Krankheit stirbt Gewebe des Schienbeins ab, vermutlich weil das Kniegelenk zu stark belastet wird. Wissenschaftlich bewiesen ist dieser Zusammenhang allerdings noch nicht.

Meist trifft es Jugendliche, die übergewichtig sind oder die sehr viel Sport treiben, der die Kniegelenke stark beansprucht. Deshalb verordnen Orthopäden zunächst: keinen Sport! Zudem bekommt Ihr Teenager eine Knieschiene oder einen Gips. Verbessert sich die Sache nicht, wenn der Jugengliche ausgewachsen ist oder hat er weiterhin Schmerzen am Schienbein, kann eine Operation helfen.

Fußprobleme

Klein, weich, knubbelig: Ein Baby-Fuß ist immer süß. Doch kaum kann das Kleine auftreten, zeigt sich, wie gut es mit dem Fuß später durchs Leben gehen kann. Denn schon Kinder haben Plattfüße, Knick-Senk-Füße, Klump- oder Hackenfüße.

Orthopäden sehen am häufigsten Plattfüße sowie Knick-Senk-Füße bei Kindern. Bei beiden ist das Fußgewölbe an der Innenseite des Fußes nicht so hoch wie es sein sollte. Stattdessen ist es niedriger - das wäre ein Senkfuß. Oder das Gewölbe ist überhaupt nicht vorhanden - das wäre ein Plattfuß.

Bei einem Knick-Senk-Fuß ist nicht nur das Fußgewölbe zu niedrig, sondern der ganze Fuß ist nach innen eingeknickt. Das sehen Sie gut, wenn Sie das Kind vor sich stellen und von hinten auf die Ferse Ihres Kindes schauen: Normal wäre eine schnurgerade Linie zwischen der Mitte der Ferse, dem Fußgelenk und der Wade. Bei einem Knickfuß ist diese Linie nach innen abgeknickt, und zwar auf der Höhe des Fußgelenks.

Knick-Senk-Füße verschwinden meist von selbst

Die meisten Kleinkinder haben einen Knick-Senk-Fuß. Denn ihr Skelett wächst noch, die Muskeln sind noch nicht stark genug. Ein Knick-Senk-Fuß wächst sich meist aus. Am besten gelingt das, wenn der Fuß sich natürlich bewegen kann. Das heißt: Kaufen Sie Ihrem Kind Schuhe, in denen sich der ganze Fuß gut bewegen kann, auch die Zehen; sowohl in der Länge als auch in der Breite sollte der Schuh nicht zu knapp bemessen sein. Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich barfuß laufen. Und lassen Sie es sich so viel wie möglich bewegen.

Aus Senk-Knick-Füßen können sonst Plattfüße werden. Sie wachsen sich leider nicht aus. Sie entstehen, wenn Muskeln, Bänder und Bindegewebe zu schwach sind, um das Gewölbe des Fußes aufrecht zu halten. Stattdessen drückt das Körpergewicht den Fuß bis auf den Boden herunter. Sind Plattfüße angeboren, ist auch das Fußskelett verändert. Hat Ihr Kind einen ausgeprägten Plattfuß, kann es nach längerem Gehen Fußschmerzen bekommen. Schauen Sie sich die Schuhe Ihres Kindes an: Sie erkennen am Schuhinnenrand eine ziemlich abgelaufene Sohle.

Leichte Formen eines Plattfußes lassen sich durch Fußgymnastik verbessern. Hat Ihr Kind einen ausgeprägten Knick-Senk-Fuß, sollte es zusätzlich Einlagen tragen. Wenn Sie beim Kinderorthopäden sind, wird er andere Krankheiten zuvor ausschließen wollen. Denn Füße verändern auch ihre Form in Folge anderer Krankheiten, zum Beispiel bei Lähmungen oder Rheuma. Deshalb wird der Arzt Ihr Kind genau untersuchen.

Klumpfüße sind nach außen verdreht

Nicht erst beim Gehen, sondern direkt bei der Geburt zeigt sich ein Klumpfuß. Die Bezeichnung führt in die Irre, denn es handelt sich nicht um einen zu klobigen, sondern um einen stark verdrehten Fuß. Er sieht aus, als ob das Kind nur auf den äußeren Fußkanten gehen könnte, die Fußflächen zeigen sehr stark nach innen. Gleichzeitig ist die Fußsohle stark gewölbt, und der Fuß sieht vorne spitz aus. Die Ursache: Knochen, Sehnen und Bänder haben sich falsch gebildet. Meist sind auch die Wadenmuskeln des Babys unterentwickelt.

Leider wächst sich ein solcher Fuß nicht aus, stattdessen würde er sich weiter verdrehen. Deshalb sollten Sie mit Ihrem Säugling recht schnell nach der Geburt zu einer Kinderorthopädin gehen. Sie korrigiert die Fuß-Stellung schrittweise über einen längeren Zeitraum. Die jeweilige Korrektur fixiert sie mit einem Gips.

Leichte Fälle kann sie auf diese Weise ganz heilen, manchmal ist aber auch eine Operation notwendig. Dabei verlängert der Chirurg unter anderem die extrem verkürzte Achillessehne. Auch wenn Ihr Kind erfolgreich behandelt oder operiert wurde, können sich die Füße erneut verdrehen. Deshalb sollten Sie regelmäßig vom Orthopäden kontrollieren lassen, ob alles in Ordnung ist - bis die Füße nicht mehr wachsen.

Das Gegenteil des Plattfußes: der Hackenfuß

Es gibt auch Füße, die ein zu hohes Fußgewölbe besitzen. Dadurch verkürzt sich der Abstand zwischen den Zehenspitzen und der Ferse. Ursache dafür kann zum Beispiel ein gelähmter Nerv sein, wie er etwa bei Kinderlähmung auftritt. Sind die umgebenden Muskeln in Ordnung, kann der Hackenfuß von ganz allein in wenigen Monaten verschwinden. Verbessert sich die Sache nicht, kann Krankengymnastik Ihrem Kind helfen. Unterstützt werden sollte die Bewegung mit einer speziellen Schiene, die der Kinderorthopäde Ihrem Nachwuchs anpasst.

Knochenbrüche

Kinder raufen, laufen, bolzen, klettern, toben. Oft holen sie sich dabei blaue Flecken und Schrammen. Wenn sie Pech haben, bricht ein Knochen. Bei Kindern heilen sie viel schneller als bei Erwachsenen - schließlich ist ihr ganzer Körper noch auf Wachstum eingestellt.

Je jünger Ihr Kind ist, desto schneller wächst der Knochen wieder zusammen. Probleme wie steif werdende Gelenke oder schief anwachsende Knochen kommen sehr selten vor. Deshalb müssen gebrochene Knochen bei Kindern in der Regel auch nicht operiert werden. Normalerweise reicht es völlig, wenn der Arzt den Knochen wieder in die richtige Position bringt und ihn anschließend eingipst. Ist der Gips wieder ab, darf sich Ihr Kind ganz normal bewegen. Aufwendige Nachbehandlungen mit Massagen, speziellen Übungen und Krankengymnastik sind meist nicht notwendig. Allerdings sollten Sie in regelmäßigen Abständen vom Arzt kontrollieren lassen, ob der Knochen stabil ist.

Wenn die Wachstumszone des Knochens bricht

Bricht der Knochen in der Nähe eines Gelenks, kann es sein, dass die Wachstumszone des Knochens mitten entzwei gebrochen ist. In dieser Zone entstehen neue Zellen für den Knochen, sie lassen ihn länger werden. Geht der Bruch mitten durch diese Zone, kann der Arm oder das Bein nicht mehr richtig wachsen. Das wäre fatal, deshalb sollten Sie den Ruch operieren lassen. Die Chirurgin wird den Knochen mit Schrauben oder Drähten wieder zusammenfügen.

Knochenmark-Entzündungen

Nicht nur Ohren können sich entzünden, sondern auch Knochen. Die Ursache ist dieselbe: Bakterien. Hat Ihr Kind zum Beispiel eine Mittelohr-Entzündung, kann es vorkommen, dass sich die Mikroben vom Ohr aus im gesamten Körper verbreiten und so auch in den Knochen gelangen, genauer: ins Knochenmark, das Innere des Knochens, dort, wo die Zellen des Immunsystems gebildet werden. Dann hat Ihr Kind eine so genannte akute Knochenmark-Entzündung.

Das merken Sie daran, dass Ihr Kind erst hohes Fieber und Schüttelfrost bekommt. Einige Stunden später klagt es über starke Schmerzen. Gleichzeitig werden die entzündeten Stellen dick. Einen Tag später ist die betroffene Körperpartie rot geworden, und die Lymphknoten, die diesen Körperteil bewachen, sind geschwollen.

Um herauszufinden, wo die Entzündung steckt, wird der Kinderarzt die schmerzende Stelle röntgen. Hat er den Verdacht, die Bakterien besiedelten noch andere Knochen , wird er eine so genannte Ganzkörper-Szintigrafie vorschlagen: Dabei wird Ihrem Kind zunächst eine kleine Menge einer radioaktiven Substanz gespritzt. Anschließend fotografiert eine spezielle Kamera die Stellen, an denen der radioaktive Stoff sich gesammelt hat. So kann der Arzt erkennen, in welchen Knochen sich die Mikroben noch niedergelassen haben.

Mit einer langen Nadel sticht die Ärztin ins Innere des Knochens

Um Entzündung im Inneren der Knochen auszulöschen, muss die Ärztin wissen, um welche Art von Bakterien es sich handelt. Sie wird eine Probe nehmen wollen. Bei dieser so genannten Punktion führt sie eine lange Nadel in das Knochenmark Ihres Kindes ein. Zusammen mit einer Blutprobe Ihres Kindes wird die Probe ins Labor schicken, dort kann die Bakterienart bestimmt werden. Hat die Ärztin bei der Punktion Eiter entdeckt, wird sie ihn entfernen und anschließend eine Drainage anlegen: So kann die Wundflüssigkeit nach außen abfließen.

Danach muss Ihre Tochter oder Ihr Sohn zwei Monate lang Antibiotika schlucken: Diese Chemikalien töten die Bakterien. Den entzündeten Knochen stellt der Arzt mit einer Schiene ruhig. Während dieser Zeit sollte Ihr Kind im Bett bleiben. Meist heilt die Entzündung ohne Folgen aus. Allerdings sollten Sie alle Nachsorge-Termine wahrnehmen – auch noch nach ein paar Jahren.

Kuriert Ihr Kind die Entzündung nicht aus, bleibt das Problem bestehen: Eine chronische Knochenmark-Entzündung kann das Knochengewebe zerstören; kleine Knochenstücke verhärten sich oder sterben ab. Damit das nicht passiert, sollten Sie Ihr Kind operieren lassen. Der Chirurg entfernt bereits abgestorbenes Gewebe, anschließend behandelt er die Stelle mit einem hoch konzentrierten Medikament gegen Bakterien.

Knochenkrebs und Zysten

Knochen können nicht nur zu wenig wachsen, sondern auch zuviel: Wenn mehr Zellen als nötig gebildet werden, entstehen Wucherungen - Krebs. Geschwüre in den Knochen kommen bei Kindern häufiger vor als bei Erwachsenen. Allerdings sind sie in 80 Prozent aller Fälle gutartig. Bei den restlichen 20 Prozent handelt es sich zwar um bösartige Tumore, aber sie sind meistens heilbar.
Am häufigsten finden Krebsspezialisten so genannte Osteo-Chondrome an Kinderknochen. Solche Geschwüre bilden sich vor allem im Knie- und Schulterbereich, sie bestehen aus Knochen- und Knorpel-Gewebe. Sie tun meist nicht weh, und manchmal nur dann, wenn die Stelle gedrückt wird. Osteo-Chondrome können den Knochen am Wachsen hindern oder den Knochen schief wachsen lassen.

Hat das Kind keine Beschwerden, sollte die Wucherung erst entfernt werden, wenn es in der Pubertät ist. Denn möglicherweise bildet sich das Geschwür vor dem Teenager-Alter erneut. Nur wenn die Stelle schmerzt oder sich das Kind nicht mehr richtig bewegen kann, sollte der Chirurg die Knochen-Knorpel-Wucherung sofort herausschneiden. Osteochondrome entwickeln sich nur ganz selten bösartig – in weniger als einem Prozent der Fälle.

Zysten: Knochenhöhlen mit Flüssigkeit

Im Knochen von Kindern können auch Zysten entstehen. Das sind Hohlräume, die mit Flüssigkeit oder Brei gefüllt sind; umgeben sind sie von einer Hülle. Bei Kindern bilden sich diese Gewebshöhlen vor allem am oberen Schienbein sowie am Oberarm oder am Oberschenkel. Sie tun nicht weh, können Arme oder Beine aber schneller brechen lassen - denn der Hohlraum enthält ja keine tragende Substanz.

Stellt die Kinderorthopädin durch Zufall auf dem Röntgenbild fest, dass Ihre Tochter oder Ihr Sohn eine Knochenzyste hat, wird sie zum Abwarten raten. Denn eine Operation könnte die Wachstumszone des Knochens zerstören. Das ist jener Bereich, in dem neue Zellen für den Knochen gebildet werden; wird er verletzt, kann der Knochen nicht wachsen, der Arm oder das Bein würden kurz bleiben oder schief wachsen.

Ein Chirurg würde eine Zyste aus dem Knochen Ihres Kindes nur entfernen, wenn die Gefahr droht, dass der Knochen wegen der Zyste bricht. Ansonsten wartet er damit, bis sich zwischen der Zyste und der Wachstumszone genügend Knochen gebildet hat, um sicher operieren zu können. Ist Ihrem Kind schon ein Knochen wegen einer Zyste gebrochen, lässt der Arzt zunächst den Bruch heilen, bevor er die Zyste entfernt.

Zufällig auf dem Röntgenbild entdeckt die Kinderorthopädin meist auch ein Knochenfibrom. Das ist ein gutartiger Tumor, der nicht schmerzt. Das Gewächs sieht traubenförmig aus und besteht aus Bindegewebe. Es sitzt meist am Schienbein oder am Oberschenkelknochen. Kleinere Geschwüre wird die Ärztin nicht behandeln, größere sollte ein Chirurg wegschneiden.

Bösartige Sarkome sind bei Kindern selten

Tut Ihrem Kind irgendwo ein Knochen weh und ist die entsprechende Stelle warm und geschwollen, kann es sich in sehr seltenen Fällen um ein Sarkom handeln. Das ist ein bösartiger Knochentumor. Bei Kindern unter 15 Jahren kommt am häufigsten das so genannte Ewing-Sarkom vor. Es kann verschiedene Knochenregionen befallen – Schienbein, Oberschenkel, Becken, Schulterblatt, Oberarm.

Der Orthopäde wird Ihr Kind röntgen, um die Diagnose sicher stellen zu können. Je nachdem, wo der Tumor sitzt und wie groß er ist, kommen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Frage: eine Chemotherapie mit Medikamenten, eine Bestrahlung oder eine Operation. Haben die bösartigen Zellen auch die Lungen oder andere Knochen befallen, müssen sie ebenfalls herausgeschnitten oder bestrahlt werden.

Noch seltener als das Ewing-Sarkom ist das Osteosarkom. Es ist ebenfalls ein bösartiges Geschwür im Knochen. Ein Osteosarkom schmerzt enorm, wächst sehr schnell und befällt meist das Kniegelenk von Teenagern. Die Chirurgin wird den Tumor sowie einen Teil des Knochens entfernen. Zudem wird der Krebsspezialist Medikamente - so genannte Chemotherapeutika - verschreiben. Sie sollen verhindern, dass die Geschwulst weiter wächst und sich ausbreitet.

Wolfgang Schillings

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