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Knallrote Bäckchen

Eine Krankheit, die kaum jemand bemerkt: Ringelröteln. Die Kinder haben nur rote Flecken im Gesicht - das ist recht harmlos. Nur Schwangere sollten aufpassen.

  Hautausschlag: als ob Ihr Kind zwei Backpfeifen kassiert hätte

Hautausschlag: als ob Ihr Kind zwei Backpfeifen kassiert hätte

Ringelröteln gehören zu den klassischen Kinderkrankheiten. Deshalb stehen sie in einer Reihe mit Masern, Windpocken, Röteln und Scharlach; sie werden auch als fünfte Kinderkrankheit bezeichnet. Typisch für Ringelröteln ist ein symetrischer Ausschlag im Gesicht - als ob Ihr Kind rechts und links eine kräftige Backpfeife kassiert hätte. Hinzu kommen noch Flecken an Rumpf, Armen und Beinen, die sich wie Girlanden über die Haut ziehen. Manche Kinder bekommen auch leichtes Fieber, Gelenkschmerzen und Beschwerden, die einer Erkältung ähneln.

Ringelröteln werden oft mit den normalen Röteln verwechselt. Das Erythema infectiosum - so der medizinische Fach-Ausdruck - ist aber eine eigenständige Infektionskrankheit. Sie wird durch das Parvovirus B19 hervorgerufen. Dieser Erreger ist das kleinste bekannte Virus, mit dem sich Menschen infizieren können. Es ist auf der ganzen Welt verbreitet.

Einmal durchgemacht, für immer geschützt

Haben Sie die Ringelröteln bereits durchgemacht, sind Sie für den Rest des Lebens geschützt. Da die Krankheit jedoch meist übersehen wird, wissen viele Menschen gar nicht, ob sie immun sind oder nicht. Schätzungen zufolge hatten 40 bis 60 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland bereits die Ringelröteln. Eine Studie mit gesunden Blutspendern im zeigte, dass zwei Drittel von ihnen immun waren.

Am leichtesten stecken Sie und Ihre Kinder sich an, wenn Sie mit dem Speichel, den Hustentropfen oder dem Nasenschleim eines kranken Menschen in Berührung kommen. Dabei reicht schon ein Händedruck. In der Familie, wo Sie sich untereinander viel näher kommen, ist das Ansteckungsrisiko besonders groß. Ist der typische Hautausschlag da, können Sie sich nicht mehr anstecken.

Gefährlich können Ringelröteln in der Schwangerschaft werden. Das Virus kann in die Blutbahn des ungeborenen Kindes gelangen. Das kann in Einzelfällen zu einer Fehlgeburt führen. Auch Menschen mit einer Immunschwäche oder mit andauernder Blutarmut stecken die Krankheit nicht so leicht weg: Sie werden durch die Ringelröteln zusätzlich geschwächt. Insgesamt aber gilt: Ringelröteln sind eine leichte Kinderkrankheit, die problem- und folgenlos ausheilt.

Maren Wernecke

Symptome

Hat sich Ihr Kind mit Ringelröteln angesteckt, tauchen die ersten Anzeichen dafür nach etwa ein bis zwei Wochen auf: Ihr Sproß hat leichtes Fieber, fühlt sich unwohl oder hat eine Art Erkältung. Das ist alles so harmlos, dass Sie wahrscheinlich gar nicht auf die Idee kommen, Ihr Nachwuchs könne eine Kinderkrankheit haben.

Nur 15 bis 20 Prozent aller Ringelröteln verraten sich durch einen typischen Hautausschlag. Dann sieht das Gesicht Ihres Kindes aus, als hätte man ihm links und rechts eine deftige Ohrfeige verpasst: Es hat leicht erhabene, große rote Flecken auf den Wangen, die über der Nase zusammenfließen - die Form erinnert an einen Schmetterling. Arme und Beine sind gerötet - in einem charakteristischen girlandenförmigen Muster.

Der Ausschlag ist unterschiedlich stark und kann jucken. Manchmal verschwindet er schon nach einer Woche, manchmal hält er sich mehrere Wochen. Wenn die Haut durch irgendetwas gereizt wird, verstärken sich die Rötungen wieder.

Nicht nur Kinder stecken sich mit dem Virus an

Auch Erwachsene können Ringelröteln bekommen - je älter sie sind, um so heftiger. Finger- und Handgelenke, die Knie und die Fußknöchel können sich entzünden, anschwellen und schmerzen - bei Frauen häufiger als bei Männern. Auch Mädchen mit Ringelröteln leiden manchmal darunter. Aber meist lassen die Schwellungen und Beschwerden innerhalb weniger Wochen nach.

Kritisch sind Ringelröteln in der Schwangerschaft, vor allem zwischen der 13. und 20. Schwangerschaftswoche. In etwa 30 Prozent dieser Fälle gelangt der Erreger über die Gebärmutter in die Blutbahn des Kindes. Und in etwa fünf bis zehn Prozent richtet er dort Schaden an. Denn die Parvoviren - also die Erreger, die Ringelröteln auslösen - stören vor allem die Bildung der roten Blutkörperchen. Dadurch kann es beim Ungeborenen zu einer schweren Blutarmut kommen. In der Haut, aber auch im Brust- und im Bauchbereich kann sich Wasser einlagern. Im schlimmsten Fall erleidet die Frau eine Fehlgeburt.

Gefährdet durch Ringelröteln sind außerdem Menschen mit andauernder Blutarmut oder einer Immunschwäche - zum Beispiel HIV-Infizierte, Leukämie-Kranke, Menschen mit einem transplantierten Organ. Ihnen macht der Mangel an roten Blutkörperchen besonders zu schaffen.

Maren Wernecke

Diagnose

Dass Ihr Kind Ringelröteln hat, bekommen Sie - wenn überhaupt - über den typischen Hautausschlag mit: Flecken im Gesicht, Rötungen an Armen und Beinen. Ein Arzt kann Ihre Vermutung durch eine kurze Untersuchung der Haut bestätigen.

Ein Bluttest könnte die Diagnose ganz sicher machen, ist aber bei Kindern nicht notwendig. Im Blut lassen sich bestimmte Abwehrstoffe - so genannte Antikörper - finden, wenn der Betroffene eine Ringelröteln-Infektion hat oder hatte. In Frage kommt eine Blutuntersuchung am ehesten für Schwangere, die testen lassen wollen, ob sie gegen die Ringelröteln immun sind oder nicht.

Therapie

Einfach warten - alles wird gut

Wie bei vielen anderen Krankheiten, die durch ein Virus ausgelöst werden, gibt es auch gegen die Ringelröteln kein Mittel. Die braucht Ihr Kind wahrscheinlich auch nicht - weil es nicht viel zu behandeln gibt.

Sollte das Fieber trotzdem mal zu hoch gehen, können Sie Ihrem Kind ein fiebersenkendes Medikament geben, zum Beispiel Tabletten mit dem Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen. Geben Sie Ihrem Kind keine Tabletten mit der Substanz Acetyl-Salicyl-Säure (ASS), sie kann zu seltenen, aber schweren Nebenwirkungen führen.

Ihr Kind kratzt sich, weil die Haut doch stärker juckt? Dann hilft zum Beispiel eine Zink-Lotion, die Sie auf die betroffenen Stellen cremen können. Wer Schmerzen in den Gelenken hat, macht am besten Pause und schont sich etwas. Meist gehen alle Beschwerden ganz von allein wieder weg.

Tipps

Waschen Sie sich regelmäßig die Hände: So können Sie das Ansteckungsrisiko vermindern. Gerade in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen ist das zu empfehlen. Zu Hause lässt sich eine Ansteckung kaum vermeiden: Wenn Sie Ihren Sprößling umarmen und küssen, freut das nicht nur Sie, sondern auch die Viren, die so von einem Opfer zum nächsten kommen.

Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten vom Arzt prüfen lassen, ob sie gegen Ringelröteln immun sind - vor allem, wenn sie beruflich viel mit Kindern zusammen sind. In manchen Bundesländern wird nicht geimpften Schwangeren, die in Kindereinrichtungen tätig sind, sogar empfohlen, bis zur 20. Schwangerschaftswoche nicht zu arbeiten. Wie hoch das Berufsrisiko aber wirklich ist, wird immer noch diskutiert.

Sind Sie schwanger und hat die Ärztin bei Ihnen Ringelröteln nachgewiesen, sollten Sie in kurzen Abständen regelmäßige Untersuchungen per Ultraschall machen lassen. Die Ärztin kontrolliert so, ob das Kind im Bauch krank wird. Falls ja, kann sie zum Beispiel mit einer Blutübertragung versuchen, das Kind zu retten.

Expertenrat

Reinhard Berner, Professor am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg, antwortet
Wie kann man sich vor Ringelröteln schützen? Im Grunde gar nicht. Einerseits gibt es keinen Impfstoff. Andererseits ist die Krankheit nur so lange ansteckend, wie man sie nicht sieht. Sollten Sie also bei Ihrem Kind den typischen Ausschlag im Gesicht feststellen, haben Sie sich als Eltern im Zweifel schon längst infiziert - oder eben nicht. Ob für Sie und Ihr Kind überhaupt Ansteckungsgefahr besteht, erfahren Sie nur, wenn Sie vom Arzt testen lassen, ob eine Immunität besteht. Immun sind alle, die schon Ringelröteln hatten. Da die Ringelröteln aber in der Regel harmlos verlaufen, würde ich gar keine Vorsichtsmaßnahmen ergreifen - selbst wenn man von Krankheitsfällen im Kindergarten oder in der Schule hört.

Muss mein Kind zu Hause bleiben, wenn es Hautausschlag hat?

Es ist medizinisch nicht notwendig, Kinder mit Ringelröteln-Ausschlag vom Schul- oder Kindergartenbesuch fernzuhalten. Die Ansteckungsgefahr ist ja mit dem Auftreten des Ausschlags vorüber, und der kann von Fall zu Fall eine Woche bis sieben Wochen in unterschiedlicher Ausprägung anhalten.

Ringelröteln-Epidemien treten etwa alle vier Jahre auf. Ist in der Zwischenzeit Ruhe?

Nein, der Begriff Epidemie bedeutet ja nur, dass die Erkrankung in diesen Phasen besonders gehäuft auftritt und damit die Erkrankungsrate höher ist. Natürlich gibt es auch in der Zwischenzeit Erkrankungen und ein Infektionsrisiko.

Maren Wernecke

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