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Das falsche Versprechen vom gesunden Essen

Sie kommen als Lebensmittel für Kinder daher, enthalten "das Beste aus der Milch", sind "so wichtig wie ein kleines Steak". Doch wenn man hinter die bunten Verpackungen schaut, findet man vor allem eines: jede Menge Zucker.

Frau Kersting, Sie beobachten beim Forschungsinstitut für Kinderernährung regelmäßig den Markt für so genannte Kinderlebensmittel. Was bietet die Lebensmittelindustrie unseren Kindern zu essen an?

Die Anzahl an Kinderlebensmitteln ist in den letzten Jahren deutlich größer geworden - das haben wir bei unseren Markterhebungen festgestellt. Das Produktsortiment hat sich aber nicht geändert: Nach wie vor liegt der Schwerpunkt auf Süßigkeiten: Schokoriegel, Kekse, Schokolade. Außerdem gibt es Milchprodukte wie Kinderjoghurt und Getreideprodukte wie Pops und Flakes, und auch Getränke. Ein kleiner Anteil sind Convenience-Produkte wie Kartoffelbrei oder Suppe.

Das klingt nicht gerade nach einer vollwertigen Ernährung...

80 Prozent des Angebots enthalten Zucker. Man kommt hier den Geschmacksvorlieben von Kindern entgegen - Kinder mögen es gern süß. Aber empfehlungsgerecht ist das natürlich nicht! Auch die angebotenen Getreideflocken sind meist so extrem gesüßt, dass ich sie zu den Süßigkeiten zähle. Sie sind nicht als Frühstück geeignet, sondern sollten wie eine Süßigkeit gehandhabt werden.

Viele Hersteller werben damit, dass die Kinderlebensmittel besonders viele Stoffe enthalten, die für Kinder wichtig sind. Zu Recht?

Mit einem besonderen Gesundheitswert zu werben, ist nicht gerechtfertigt. Natürlich brauchen Kinder Milch - aber dazu müssen sie keinen gezuckerten Kinderjoghurt essen. Die Portion Milch, die Kinder brauchen, können sie auch über Milch bekommen, oder über einen Joghurt, einen Milchpudding. Oft ist die Werbung irreführend: Da wird mit Kalziumzusatz geworben, dabei ist in den Kinderlebensmitteln unterm Strich nicht mehr Kalzium enthalten als in Milch, aber ein Vielfaches an Kalorien.

Welchen gesundheitlichen Nutzen haben Kinderlebensmittel dann überhaupt?

Unter dem Gesundheitsaspekt gibt es überhaupt keinen Grund - weder einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen oder an Fettsäuren - Kindern nach dem Säuglingsalter spezielle Lebensmittel zu geben. Wenn Kinder dasselbe essen wie die Eltern, sind die bestens mit allem versorgt. Das einzige, was Kinder brauchen, sind kleinere Portionen: Sie brauchen insgesamt weniger als Erwachsene - zumal sie sich oft wenig bewegen.

Welche Forderungen haben Sie an die Hersteller von Kinderlebensmitteln?

Ich würde mir Kinderlebensmittel wünschen, die uneingeschränkt empfehlenswert sind: Obstprodukte etwa oder Gemüseprodukte. Aber so was gibt es einfach nicht. Internationale Recherchen zeigen, dass es dieses Problem auch in anderen Ländern gibt: Nirgendwo gibt es Obst und Gemüse, das für Kinder attraktiv beworben wird, und die Milch- oder Getreideprodukte für Kinder sind stark gezuckert und daher zum regelmäßigen Verzehr ungeeignet.

Was können Eltern tun, damit ihr Kind erst gar nicht auf den Geschmack der zuckersüßen Kinderlebensmittel kommt?

Eltern sein, das heißt auch: Vorbild sein. Die Kinder übernehmen das, was die Eltern ihnen vorleben. Wenn Eltern sich vernünftig ernähren, lernen Kinder automatisch, das auch zu tun - ohne dass die Eltern mit dem Zeigefinger kommen müssten.

Gegen die Werbung sind Eltern aber manchmal auch machtlos.

In diesem Fall empfehle ich Eltern, den Kindern ihr Lieblingsessen nicht zu verbieten. Stattdessen können sie Kinderlebensmittel mit gesunden Lebensmitteln mischen - Haferflocken unter die süßen Flakes mischen oder Kinderjoghurt mit Naturjoghurt strecken. Wir haben das bei Kindern in Schulen getestet: Die Mischung erhielt immer noch befriedigende Geschmacksnoten.

Was, wenn Kinder sich weigern, Obst und Gemüse zu essen?

Bieten Sie Ihrem Kind dann nicht dauernd Obst- und Gemüsesorten an, die es partout nicht mag. Bleiben Sie lieber bei den Sorten, die ihr Kind gern isst. Kinder müssen ja nicht alle Sorten Obst und Gemüse mögen! Viele Kinder essen nicht gern Gemüse - dann geben Sie ihnen stattdessen eben Obst, das schmeckt süßer.

Oft hört man den Einwand, gesunde Lebensmittel seien teurer als ungesunde. Ein Argument, das Sie gelten lassen?

Gesunde Ernährung muss nicht teuer sein, so lange man beispielsweise Früchte und Gemüse dann kauft, wenn sie Saison haben. Wir vom Forschungsinstitut für Kinderernährung haben die Kosten miteinander verglichen: Was kostet die übliche fettreiche und zuckerreiche Ernährung mit wenig Obst und Gemüse, die wir in unserer DONALD-Studie festgestellt haben? Was kostet die optimierte Mischkost, wie wir sie empfehlen? Die Kosten für die gesunde Ernährung lagen nicht höher. Im Gegenteil: Gerade wenn man viele Fertigprodukte kauft, wird es schnell teuer.


Lesen Sie auch bei unserem Partner RTL.de:
Ratgeber gesunde Lebensmittel von rtl.de - Mandarinen im Test: Jedoch sind nicht alle empfehlenswert! Bei welchen Sie unüberlegt zugreifen können, zeigt ihnen der Ratgeber auf rtl.de.

Interview: Angelika Unger

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