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Was Sie über Masern wissen sollten

Der Todesfall eines Kleinkinds in Berlin-Reinickendorf lässt Angst aufkommen: Wie groß ist die Ansteckungsgefahr? Was macht Masern so gefährlich? Wir klären die wichtigsten Fragen zur Kinderkrankheit.

Der Grund für den Ausbruch der Masern sind immer wieder die Impflücken in der deutschen Bevölkerung.

Der Grund für den Ausbruch der Masern sind immer wieder die Impflücken in der deutschen Bevölkerung.

Die Masernwelle in Berlin nimmt beunruhigende Ausmaße an: Vom Beginn des Ausbruchs bis heute wurden 574 Masern-Fälle in der Hauptstadt gemeldet. Allein im Januar verzeichnete Berlin 254 Neuerkrankungen. Vergangenen Mittwoch ist in Reinickendorf ein Kleinkind an Masern gestorben. Der Todesfall schockiert - und lässt auch bei anderen Eltern Sorgen und Fragen aufkommen: Wie kam es zu der Erkrankungswelle? Welche Gefahr geht davon aus? Und wie sicher ist der Impfschutz?

Wie kam es zu dem Ausbruch in Berlin?

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) geht die aktuelle Masernwelle in Berlin auf einen Ausbruch in Bosnien und Herzegowina zurück, der schon im Februar 2014 begann und dann recht dramatische Ausmaße annahm. Asylbewerber aus Bosnien und Herzegowina sowie aus Serbien könnten die Erreger nach Deutschland gebracht haben, so das Institut. Ausbreiten konnten sich diese aber wohl nur, weil in der deutschen Bevölkerung bis heute Impflücken bestehen: 90 Prozent der befragten 335 Masern-Patienten des aktuellen Ausbruchs gaben an, nicht gegen Masern geimpft zu sein.

Warum sind Masern gefährlich?

Schuld an den Masern sind hochansteckende Viren, genauer: Paramyxo-Viren. Sie fliegen, gut verpackt in Speicheltröpfchen, durch die Luft. Ihr Kind kann sich angesteckt haben, weil es angehustet oder angeniest wurde. Sogar beim feuchten Sprechen wechseln die Viren von einem Opfer zum anderen. Über die Schleimhaut von Mund, Nase und Rachen dringen die Erreger in den Körper ein. Das Tückische: Bevor ein krankes Kind als krank erkannt wird, weil seine Haut über und über mit roten Punkten bedeckt ist, kann es längst andere angesteckt haben.

Doch so dramatisch der Ausschlag am ganzen Körper aussehen mag: Die Pusteln sind noch das geringste Problem. Masern-Viren schwächen das Immunsystem und greifen auch innere Organe wie Lunge, Leber oder Darm an. Nisten sich die Keime im Hirn ein, entzünden sich dort die Nerven. Diese sogenannte Masern-Enzephalitis kann, im schlimmsten Fall, zu bleibender geistiger und körperlicher Behinderung führen oder sogar zum Tod.

Wie lassen sich Masern behandeln?

Ein Medikament gegen Masern-Viren gibt es leider nicht. Kinderärzte können nur die Symptome lindern: Gegen die hohe Temperatur können Zäpfchen mit dem Wirkstoff Paracetamol oder Ibuprofen helfen. Entzünden sich die roten Flecken auf der Haut oder bekommt das Kind sogar eine Lungenentzündung, weil Bakterien das kranke Gewebe auch noch befallen haben, kann der Arzt Antibiotika verschreiben. Wichtig ist, dass das Kind in den ersten drei Tagen der Erkrankung im Bett bleibt und sich schont. Das Immunsystem braucht Kraft, um die Erreger abzuwehren.

Ist mein Kind ausreichend geschützt?

Die ständige Impfkommission empfiehlt zwei Impfungen: Die erste sollte zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat erfolgen. Dann nämlich ist das Baby nicht mehr durch die Abwehrstoffe der Mutter geschützt, die in seinem Blut kreisen - sofern die Mutter selbst geimpft ist. Die zweite Impfung folgt bis zum Ende des zweiten Lebensjahres. Wenn Ihr Kind beide Masernimpfungen erhalten hat, müsste es sein Leben lang vor der Infektion geschützt sein. Nur etwa ein Prozent der zweimal geimpften Kinder werden später von dem Erreger befallen. In solchen Fällen erkranken sie allerdings nur leicht.

Viele Eltern versäumen, ihr Kind ein zweites Mal impfen zu lassen. Das führt dazu, dass es keinen sicheren Impfschutz aufbauen kann und sich im schlimmsten Fall später infiziert.

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