Muttermilch macht stark

7. August 2008, 20:37 Uhr

Schniefnasen und Tränenaugen sind nicht nur lästig. Eine Allergie belastet auch das Immunsystem Ihres Kindes. Damit es erst gar nicht zu Heuschnupfen oder Katzenallergie kommt, können Sie vorbeugen.

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Muttermilch macht stark

Stillen stärkt die Körperabwehr des Babys©

Es ist leider so: Hat jemand aus der Familie Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen, sind die Kinder auch gefährdet: Sie haben nachweislich ein erhöhtes Risiko, ebenfalls eine Allergie zu bekommen. Je enger die Familienbande, desto höher die Wahrscheinlichkeit.

Sie müssen dieses Familienschicksal aber nicht kampflos akzeptieren. Es gibt Mittel und Wege, die Situation zu entschärfen und die Gefahr zu verringern: So hat sich herausgestellt, dass Stillen die Kinder schützt. Je länger, je besser. Bestimmte Lebensmittel, zum Beispiel Nüsse, sollten Sie Ihrem Kind erst geben, wenn es drei Jahre alt ist.

Zudem können Sie vorbeugen, indem Sie versuchen, die Wohnung von Stoffen freizuhalten, die häufig Allergien auslösen. Dazu gehören beispielsweise Hausstaubmilben, die sich im üblichen Staub, aber auch in Kissen und anderem Bettzeug wohlfühlen.

Den kleinen Spinnentieren kommen Sie bei, indem Sie regelmäßig die Wohnung von Staub befreien und ab und an auch die Inlets der Bettwäsche waschen. Dafür geeignet sind Produkte, die extra für Allergiker hergestellt wurden. Diese Kissen und Bettdecken enhalten keine Daunen, sondern bei 60 Grad Celsius waschbare Kunststoff-Füllungen.

Maren Wernecke/ Jan Schweitzer

Expertenmeinung Johannes Forster, Chefarzt der Abteilung für Kinderheilkunde am St. Josefskrankenhaus Freiburg, und Hans-Ulrich Neumann, Hamburger Kinderarzt:

Unbedingt zu empfehlen ist das ausschließliche Stillen der Säuglinge, am besten sechs Monate lang. Denn dadurch beugen Sie nicht nur Asthma, Neurodermitis und Heuschnupfen vor. Kinder, die gestillt werden, sind auch weniger infektanfällig.

Andere Vorbeugemaßnahmen zeigen nur für Kinder einen eindeutigen Nutzen, deren Eltern oder Geschwister bereits an Allergien leiden. Diese Risikokinder sollten - sofern die Mütter nicht stillen können - mindestens im ersten Lebenshalbjahr hypoallergene Fertignahrung bekommen. Vollmilch, Ei , Weizen und Fisch sollten frühestens dann auf dem Speiseplan stehen, wenn das Kind älter als ein Jahr ist. Nüsse sollten Sie Ihrem Kind erst geben, wenn es drei Jahre alt ist.

Milben-Allergene zu reduzieren ist sehr aufwendig: Matratzen und Bettzeug brauchen milbenundurchlässige Bezüge; es sollten möglichst wenig Polstermöbel, langflorige Teppiche und Gardinen in der Wohnung sein. Haustiere mit Fell, vor allem Katzen, sind nicht zu empfehlen. Diese Maßnahmen lohnen sich nur, wenn das Kind schon eine Allergie gegen Hausstaubmilben hat.

Allgemein gilt: Alle Vorbeugemaßnahmen können das Allergierisiko nur vermindern, bei Neurodermitis beispielsweise maximal etwa halbieren. Trotz aller Bemühungen wird also immer ein Teil der Kinder an Neurodermitis, Asthma und Heuschnupfen erkranken - selbst Kinder aus Nicht-Allergiker-Familien erwischt es mit einer Wahrscheinlichkeit von ungefähr 15 Prozent. Die einzig wirksame Maßnahme, die allen Kindern hilft: Die Eltern - und später die Kinder - sollten nicht rauchen! Tabakrauch fördert Allergien, verschlimmert alle Luftwegsinfektionen und stört das Lungenwachstum.