Alles muss raus!

7. August 2008, 21:12 Uhr

Bei Husten handelt es sich um einen sinnvollen Reflex: Er befreit die Bronchien und die Lunge vom Schleim. Säfte, die den Husten stillen sollen, sind oft falsche Mittel.

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Alles muss raus!

Was nach oben kommt, kann Ihr Kind ruhig schlucken - dem Magen schadet's nicht©

Röchelt und krächzt Ihr Kind sich die Seele aus dem Leib, hört sich das beängstigend an. Aber das Husten gehört zu einem sinnvollen Mechanismus, um Dinge aus den Atemwegen herauszuschleudern: So kommt der Brotkrümel wieder aus der Luftröhre und der Rauch des Gartengrills aus der Lunge.

Dasselbe passiert auch, wenn sich Schleim in den Atemwegen gesammelt hat: Der Husten treibt die glibberige Masse nach oben - bis sie ausgespuckt oder geschluckt wird. Den Schleim bildet das Immunsystem bei Krankheiten. So schützt der Körper sich vor den krankmachenden Übeltätern, die die Entzündung verursacht haben und befördert sie hinaus.

Hustet Ihr Kind länger, hat es vielleicht eine Bronchitis, entzündete Lungenäste. Oder womöglich ist die ganze Lunge entzündet. Sie sollten bei diesem Verdacht zum Arzt gehen.

Sie können Ihrem Kind mit einfachen Mitteln helfen: Sorgen Sie dafür, dass es viel trinkt, das verflüssigt den Schleim. Das Einatmen von Wasserdampf unter einem Handtuch hat denselben Effekt: Flüssiger Schleim findet schneller seinen Weg aus der Lunge.

Säfte, die den Husten stillen, sind hingegen gar nicht geeignet. Sie unterdrücken den gesunden Reflex. Infolgedessen bleibt der Schleim in der Lunge, die Entzündung wird länger dauern.

Ira Panic / Annette Bolz

Expertenmeinung Johannes Forster, Chefarzt der Abteilung für Kinderheilkunde am St. Josefskrankenhaus Freiburg, und Hans-Ulrich Neumann, Hamburger Kinderarzt:

Trockener Reizhusten tritt oft zu Beginn von Lungen- und Bronchien-Entzündungen auf, die der Grippe ähneln. Der Reizhusten geht schnell über in einen Husten, der Schleim aus den Bronchien herausbefördert. Bei einer Bronchitis oder Lungenentzündung müssen Sie den Husten also nicht behandeln.

Sinnvoller ist es, wenn Ihr Kind die Schleimproduktion unterstützt, indem es viel trinkt. Häufig verordnete Schleimlöser wie Acetylcystein und Ambroxol haben nur einen geringen Effekt. Kinder sollten sie nur in Einzelfällen nehmen. Salben mit ätherischen Ölen reizen eher die Schleimhäute, als dass sie entkrampfend wirken.

Chronischen Husten gibt es bei Kindern nicht. Anhaltender Husten nach Infektionen der Atemwege ist am ehesten darauf zurückzuführen, dass die Bronchien wie beim Asthma überreagieren. Der Arzt sollte dies entsprechend behandeln und zum Beispiel Mittel verschreiben, die die Bronchien weiten können. Dauert der Husten sehr lange, kann es dem Kind helfen, Cortison-Spray zu inhalieren.