Abwarten und trösten

7. August 2008, 21:02 Uhr

Das tut weh: Hat sich das Mittelohr entzündet, wird sich Ihr Kind mit Schmerzen plagen. Geben Sie ihm dagegen Tabletten. Und dann können Sie nur noch warten.

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Mittelohr-Entzündung

Ist der Gehörgang trocken, ist das Trommelfell noch gesund©

Wenn Ihr Kind über Ohrenschmerzen klagt und Fieber hat, sind das die typischen Anfangssymptome einer akuten Mittelohrentzündung. Später könnte sich auch das Trommelfell öffnen: Aus dem Ohr läuft dann Eiter heraus.

Eine Mittelohrentzündung entsteht durch Keime, genauer: durch Bakterien, die in das Ohr eingedrungen sind. Deshalb helfen Antibiotika: Dies sind Substanzen, die die Mikroben zerstören. Nach etwa zwei bis drei Tagen haben sie die Erreger so weit abgetötet, dass die Schmerzen nachlassen. Sie sollten Ihrem Kind jedoch so lange Antibiotika geben wie mit der Kinderärztin abgesprochen. Setzen Sie die Medikamente vorzeitig ab, kann Ihr Nachwuchs unter Umständen wieder krank werden.

Gegen die Schmerzen und das Fieber helfen Tabletten mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol. Pillen mit dem Wirkstoff Acetyl-Salicyl-Säure (ASS) sollten Sie Kindern unter 14 Jahren nicht geben. Sonst können sich seltene, aber schwere Nebenwirkungen ergeben.

Ira Panic / Annette Bolz

Expertenmeinung Johannes Forster, Chefarzt der Abteilung für Kinderheilkunde am St. Josefskrankenhaus Freiburg, und Hans-Ulrich Neumann, Hamburger Kinderarzt:

In der Mehrzahl der Fälle genügt ein Fieber- und Schmerzmittel. Die Heilung tritt von allein ein. Lassen die Beschwerden allerdings nicht nach, sollte ein Arzt das Kind untersuchen. Je nach Befund entscheidet er dann darüber, ob eine Antibiotikum-Therapie notwendig ist oder nicht.

Allerdings: Selbst wenn das Kind sofort Antibiotika bekommt, heilt eine Mittelohrentzündung nicht schneller aus. Genauso wenig verhindern diese Mittel schwere Komplikationen wie etwa die Entzündung des Warzenfortsatzes, eine Hirnhautentzündung oder eine nachfolgende Schwerhörigkeit. Nur bei Kindern unter zwei Jahren mit einer beidseitigen Mittelohrentzündung hat sich gezeigt, dass Antibiotika die Krankheit verkürzen können.

Nasentropfen, die die Schleimhäute abschwellen lassen oder die gegen allergischen Schnupfen helfen, verbessern den Krankheitsverlauf nicht. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass diese Nasentropfen verhindern können, dass eine Mittelohrentzündung erneut auftritt oder dass die Entzündung chronisch wird. Allerdings halten Tropfen die Nase des Säuglings immerhin so frei, dass er beim Trinken genug Luft bekommt.