Ying, Yang und Qi

Die 2000 Jahre alte Heilkunde aus dem Reich der Mitte ist längst im Westen angekommen. Dazu gehören auch Qigong-Übungen und Tuina-Massagen, die nachgewiesenermaßen gut tun.

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Traditionelle chinesische Medizin

Entspannungsübungen wie Qigong können Seele und Körper wieder in Einklang bringen©

Die traditionelle chinesische Medizin, auch kurz TCM genannt, umfasst ein komplexes Diagnose- und Therapiesystem. Dazu gehören nicht nur Akupunktur und Akupressur. Sondern auch spezielle Massagetechniken wie Tuina, Bewegungsübungen wie Qigong, eine Ernährungslehre sowie eine umfassende Arzneimittelkunde: Für Medikamente werden über 1500 Tierarten verwendet, gut 5000 Pflanzenarten und diverse Mineralien.

Tuina-Massagen und Qigong-Übungen können Sie und Ihr Kind beruhigen und die Konzentration fördern. Bei den Arzneimitteln aber, die zum Beispiel gegen Heuschnupfen, Durchfall und Akne helfen sollen, ist Vorsicht geboten! Ungetestete chinesische Präparate enthalten nämlich häufig Schwermetalle, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und andere Giftstoffe. Auch in der von fernöstlicher Weisheit geprägten Medizin gilt daher: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Kaufen Sie nur geprüfte TCM-Medikamente aus deutschen Apotheken. Und die Dosierung sollte unbedingt dem Körpergewicht angepasst werden.

Das steckt dahinter:

Einige Bereiche, besonders die Akupunktur, gehören inzwischen für viele Menschen zum Alltag. Dennoch sollten Sie bedenken: Die chinesische Heilkunde versteht unter Krankheit etwas ganz anderes als unsere westliche Medizin. Nach dieser östlichen Lehre entstehen Beschwerden dann, wenn der Fluss der Lebensenergie Qi im Körper blockiert ist. Oder wenn die beiden polaren Kräfte Yin und Yang aus dem Gleichgewicht geraten.
Bei einem gesunden Menschen herrscht - so sehen es chinesische Heilkundler - ein Gleichgewicht zwischen heller, dynamischer Yang-Energie und dunkler, ruhiger Yin-Energie. Äußere Ursachen wie falsche Ernährung, Kälte oder Wind können dieses Gleichgewicht ebenso stören wie starke Gefühle.

So wirkt's:

Die traditionelle chinesischen Medizin mit ihren Vorstellungen von Qi, Yin und Yang entspricht nicht unseren naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Studien bescheinigen manchen Verfahren der fernöstlichen Heilkunde aber eine gute Wirksamkeit. Die Heilkraft bestimmter Pflanzen wie Ingwer, Süßholz oder Ginkgo wird teilweise als Grundlage für die Herstellung moderner Medikamente genutzt. Auch die positive Wirkung der Heilgymnastik Qigong ist durch Studien belegt.

Das sagt der Experte:

Edzard Ernst leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der britischen Universität Exeter. Er beschäftigt sich seit langem mit der Wirksamkeit alternativer Heilmethoden und hat viele Verfahren getestet.
Sein Urteil: Wegen ihrer Komplexität ist die traditionelle chinesische Medizin sehr schwierig zu bewerten. Einige Elemente sind nachweislich effektiver als ein Scheinmedikament oder eine Scheintherapie. Andere Methoden aber bringen höchstwahrscheinlich keinen Nutzen. Und manches kann sogar schädlich sein. So gibt es beispielsweise mehrere chinesische Arzneimittel, die bedenkliche Giftmengen enthalten.

Rüdiger Braun

 
 
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