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"Gaga-Eltern, die sich abreagieren"

Kassen und Mediziner werben angesichts des Masern-Massenausbruchs in Berlin für Impfungen. Der Tod eines Kleinkindes heizt die Debatte an. Manch einer findet dabei sehr drastische Worte.

  Ein kleiner Pieks, der Leben retten kann: Nach dem Tod eines Kindes in Berlin wird der Ruf nach einer Impfpflicht für Masern lauter

Ein kleiner Pieks, der Leben retten kann: Nach dem Tod eines Kindes in Berlin wird der Ruf nach einer Impfpflicht für Masern lauter

Der Chef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, hat an Eltern appelliert, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. "Wenn es um das Leben von Kindern geht, die noch nicht allein entscheiden können, sollten wir auch einmal aufhören zu diskutieren und uns an das halten, was uns Medizin und Wissenschaft lehren", sagte Graalmann der "Rheinischen Post". Eine Krankheit, die schwerwiegende Schäden zufügen und als Spätfolge im Erwachsenenalter eine Hirnhautentzündung verursachen könne, dürfe nicht bagatellisiert werden.

In Berlin grassiert zurzeit die schlimmste Masern-Welle seit Einführung der Meldepflicht. Am Montag war bekanntgeworden, dass ein an Masern erkrankter anderthalbjähriger Junge gestorben ist. Die Erkrankungen lösten eine Debatte über eine Wiedereinführung der Impfpflicht aus.

Kachelmann ätzt via Twitter

Einen drastischen Beitrag dazu leistete der frühere ARD-Wettermoderator Jörg Kachelmann, der bekannt ist für seine ungeschminkten Tweets. Via Twitter ätzte er: "Wenn Hunde und Katzen daran stürben, gäbe es die Impfpflicht schon längst. Sind halt nur Kinder, an denen sich Gaga-Eltern abreagieren."

Die frühere Familienministerin Kristina Schröder (CDU), selber Mutter zweier Kinder, erinnerte daran, dass ungeimpfte Kinder auch Säuglinge gefährden könnten, die noch zu jung seien, um geimpft zu werden.

Montgomery: Zeit für eine Impfpflicht

Die Bundesregierung setzt trotz des Massenausbruchs vorerst auf Beratung. Die Impflücke müsse durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Ärzten, Kitas, Schulen und allen anderen Verantwortlichen geschlossen werden, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). "Wenn das nicht gelingt, ist eine Impfpflicht kein Tabu, aber sie steht jetzt nicht an."

Dagegen forderte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery: "Spätestens der tragische Todesfall in Berlin sollte Anlass sein, jetzt zu einer Impfpflicht gegen Masern zu kommen." Die eigenen Kinder nicht gegen Masern impfen zu lassen, sei verantwortungslos, sagte er den "Ruhr Nachrichten".

Charité: Todesursache nicht abschließend geklärt

Das in Berlin gestorbene Kleinkind war nicht gegen die Viruserkrankung geimpft. Es sei am 18. Februar in einem Krankenhaus gestorben, sagte Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Die Charité teilte am Abend jedoch mit, die Todesursache sei noch nicht abschließend untersucht. In der Klinik war der Junge behandelt worden.

Masern schwächen das Immunsystem und können bei Komplikationen zu schweren Infektionen wie Lungen- und Gehirnentzündungen führen. Laut Statistik sterben zwei von 1000 Patienten an den Folgen einer Masern-Infektion.

dho/DPA/DPA

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