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Stern Logo Ratgeber Kopfschmerzen - Therapie

Mit Maß statt in Massen

Bei Kopfschmerzen greifen viele Menschen schnell zur Pille, denn es gibt etliche freiverkäufliche Schmerzmittel. Hier finden Sie eine Schmerzmittelliste - samt erwünschter und unerwünschter Wirkungen.

  Kopfschmerztabletten sollten Sie nicht öfter als an zehn Tagen im Monat nehmen

Kopfschmerztabletten sollten Sie nicht öfter als an zehn Tagen im Monat nehmen

Für alle Kopfschmerzmittel gilt: Maß halten! Orientieren Sie sich an der 10-20-Regel: Sie sollten die Schmerzmittel höchstens an zehn Tage im Monat nehmen. An 20 Tagen in Monat sollten keine Schmerz- oder Migränemittel eingenommen werden. Gerade bei Medikamenten, die sie ohne Rezept kaufen können, besteht die Gefahr, zu viel einzunehmen und sich dadurch einen Dauerkopfschmerz einzuhandeln.

Lesen Sie hier, welche Substanzen es gibt, wie sie wirken und was Sie beachten sollten.

Acetylsalicylsäure (ASS)

Zum Beispiel: Aspirin+C, Aspirin Migräne, Aspirin direkt, ASS-ratiopharm, ASS-Stada, ASS Hexal

Wie wirkt es?

Der Wirkstoff ASS ist das Schmerzmittel Nummer Eins bei Kopfschmerzen. Es wirkt schmerzhemmend, fiebersenkend, in höherer Dosierung auch entzündungshemmend. Vertragen Sie die Tabletten nicht, können Sie auf Paracetamol oder Ibuprofen ausweichen.

Wann ist es geeignet?

Zur Selbstbehandlung bei leichten bis mäßig starken Schmerzen und bei Fieber, zur Behandlung von Migräne, zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen.

Was muss ich beachten?

ASS ist nur bei Erwachsenen empfohlen. Kinder unter 14 Jahren sollten kein ASS einnehmen, zumal wenn sie gleichzeitig einen Virusinfekt wie eine Erkältung oder Windpocken durchmachen. Auch Schwangere und stillende Frauen benutzen besser kein ASS. Die Tageshöchstdosis von vier Gramm sollten Sie nicht überschreiten. Erste Anzeichen einer Überdosierung machen sich mit Schwindel und Ohrensausen bemerkbar, im Extremfall auch mit Bewusstseinsstörungen oder Verwirrtheit. Achten Sie auf den zeitlichen Abstand zwischen der Tabletteneinnahme: zirka fünf Stunden bei Männern, acht bis zehn Stunden bei Frauen.

ASS kann folgende Nebenwirkungen haben: Aufstoßen, Übelkeit, Magenschmerzen und Durchfall. Wird ASS sehr häufig genommen, kann es zu Blutungen der Magenschleimhaut führen. Regelmäßiger Alkoholkonsum verstärkt diesen Effekt noch. Kleine Verletzungen am Körper können etwas länger bluten, da ASS die Blutgerinnung hemmt.

Seien Sie vorsichtig mit anderen Medikamenten: Rheumamittel und Kortison, gleichzeitig mit ASS genommen, erhöhen das Risiko für Magenblutungen. Die Wirkung von Lithium, einem Mittel gegen Depressionen und Clusterkopfschmerzen, wird durch ASS verstärkt. Diabetiker, die Tabletten einnehmen (Sulfonylharnstoffe), müssen aufpassen: ASS verstärkt die blutzuckersenkende Wirkung und kann somit die Gefahr von Unterzuckerungen erhöhen.

ASS bei leichter Migräne

Bei den ersten Zeichen einer Migräne sollten Sie zuallererst einen ruhigen Raum suchen. Bessern sich die Beschwerden nicht, können Sie ein Schmerzmittel einnehmen. Damit dieses Mittel besser wirkt, sollten Sie erst etwas gegen Übelkeit nehmen wie Domperidon oder Metoclopramid. Am schnellsten wirkt ASS in einer Brauselösung mit 500 bis 1000 Milligramm.

Die Wirkung setzt nach ungefähr 30 Minuten ein und hält etwa vier bis sechs Stunden an. Eventuell können Sie nach dieser Zeit noch mal dieselbe Dosis einnehmen. Lindert ASS auf Dauer die Migränebeschwerden nicht, sollten Sie mit dem Arzt über ein spezielles Migränepräparat sprechen.

ASS bei Spannungskopfschmerzen

ASS ist nur bei gelegentlichen Spannungskopfschmerzen geeignet. Dann sollten Sie 500 bis 1000 Milligramm einnehmen, am besten als Brausetablette, da diese besser verträglich sind. Pro Tag sollten Erwachsene höchstens 1500 Milligramm einnehmen. Bei chronischen Spannungskopfschmerzen wirken andere Medikamente besser - zum Beispiel Antidepressiva.

Paracetamol

Zum Beispiel: Paracetamol-ratiopharm, Sinpro-N, Paracetamol-AL-Saft, Ben-u-ron, Captin-Zäpfchen

Wie wirkt es?

Paracetamol hemmt Schmerzen und senkt Fieber. Der Wirkstoff hat aber kaum Einfluss auf Entzündungen.

Wann ist es geeignet?

Bei gelegentlichen Spannungskopfschmerzen und bei leichter Migräne ist Paracetamol eine Alternative zu ASS.

Was muss ich beachten?

Paracetamol ist meist besser verträglich als ASS, bei Kopfschmerzen eventuell aber etwas weniger gut wirksam. Ein Erwachsener nimmt 500 bis 1000 Milligramm, höchstens 4000 Milligramm pro Tag, bei Spannungskopfschmerzen höchstens 1500 Milligramm pro Tag. Schwangere sollten Paracetamol möglichst nicht benutzen, da es in Verdacht steht, zu Asthma und Atemwegserkrankungen sowie bei Jungen zu Unfruchtbarkeit zu führen. Paracetamol wird in der Leber abgebaut und kann diese eventuell schädigen. Daher sollten Sie sehr streng auf die Dosierung achten und den zeitlichen Abstand zwischen den einzelnen Tabletten einhalten. Das ist vor allem bei Kindern wichtig: Geben Sie Paracetamol höchstens alle vier bis sechs Stunden als Zäpfchen oder Saft.

Alkohol und Medikamente verstärken die mögliche leberschädigende Wirkung von Paracetamol. Die Nebenwirkungen an der Magenschleimhaut sind nicht so häufig wie bei ASS. Saftpräparate können Konservierungsmittel enthalten, auf die einige Menschen allergisch reagieren.

Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen

Zum Beispiel: Ibuhexal, Ibuprofen AL, Ibuprofen STADA, Ibu-Vivimed, Aktren, Voltaren K Migräne, Naproxen Hexal, Naproxen STADA

Wie wirken sie?

Diese Stoffe gehören zur Gruppe der Rheumamittel (NSAR), wirken aber auch schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend.

Wann sind sie geeignet?

Bei Migräne, Spannungskopfschmerzen, bei Frauen mit regelabhängiger Migräne. Hier wirkt Naproxen vorbeugend.

Was muss ich beachten?

Experten empfehlen neuerdings, Medikamente aus der Gruppe NSAR nicht zu lange einzunehmen, sondern Behandlungspausen einzulegen und auf andere Wirkstoffe zurückzugreifen. Der Grund: Bei einer verwandten Medikamentengruppe, den COX-2-Hemmern, kam es zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. Zurzeit wird in klinischen Studien geprüft, ob dieses Risiko auch für die Gruppe der NSAR erhöht ist.

Die Dosierung ist niedriger als bei ASS und Paracetamol: Einzeldosis Ibuprofen: 200 bis 600 Milligramm, höchstens 2,4 Gramm täglich. Naproxen höchstens zweimal 250 bis 500 Milligramm pro Tag. Sehr häufig lösen NSAR Magenbeschwerden und Durchfall aus. Deswegen dürfen Menschen, die ein Magengeschwür haben oder hatten, keine NSAR einnehmen. Denn die magenschädigende Wirkung wird verstärkt, wenn sie gleichzeitig Kortisonpräparate oder blutverdünnende Medikamente einnehmen. Bei Menschen, die zu Asthma oder Allergien neigen, können NSAR Asthmabeschwerden auslösen oder verstärken.

Vorsicht bei Kombination mit anderen Medikamenten: Die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln lässt nach (Betablocker, ACE-Hemmer). Entwässernde Medikamente (Diuretika) wirken weniger stark, der Effekt von Lithium (bei Depressionen und Clusterkopfschmerz) wird unter Umständen erheblich verstärkt.

Sowohl Ibuprofen als auch Diclofenac sind bei Spannungskopfschmerzen geeignet. Auch bei zyklusabhängiger Migräne haben sie sich bewährt. Manche Frauen haben Schmerzattacken nur vor, während oder direkt nach der Monatsblutung. Einigen Frauen hilft der Wirkstoff Naproxen: Sie nehmen ein bis zwei Tage vor der Regelblutung zweimal täglich 250 bis 500 Milligramm Naproxen für zirka drei bis sieben Tage. Danach können sie Naproxen wieder absetzen.

Kombinationspräparate

ASS+Paracetamol+Koffein (Thomapyrin, Neuralgin, Titralgan, Boxonal), Paracetamol+Metoclopramid (zum Beispiel Migränerton).

Wie wirken sie?

Kombinationspräparate enthalten mehrere Wirkstoffe: entweder verschiedene Schmerzmittel oder zusätzlich weitere Inhaltsstoffe wie Koffein, Kodein, Mittel gegen Übelkeit. Sie können auch Beruhigungsmittel und viele weitere Substanzen enthalten. Die unterschiedlichen Wirkstoffe sollen den Schmerz besser hemmen. Außerdem ist es nicht nötig, mehrere Tabletten zu nehmen.

Was muss ich beachten?

Kombinationspräparate haben aber auch Nachteile. Daher empfehlen Kopfschmerzexperten grundsätzlich, bevorzugt Schmerzmedikamente mit nur einem Wirkstoff zu verwenden. Die Gründe: Das Risiko von Nebenwirkungen erhöht sich bei Kombinationspräparaten deutlich. Bei Dauergebrauch ist die Wahrscheinlichkeit eines Schadens zum Beispiel an der Niere um ein Vielfaches größer. Außerdem steigt die Gefahr, abhängig zu werden und einen Dauerkopfschmerz durch die Schmerzmittel zu bekommen.

Die Kombination von Schmerzmedikamenten mit einem Mittel gegen Übelkeit bei Migräne ist nicht sinnvoll, da Sie das Mittel gegen Übelkeit schon eine Viertelstunde vor dem Schmerzmittel einnehmen müssen.

Auch die Kombinationen mit Schlafmitteln (Barbiturate) oder dem gefäßverengenden alten Migränemittel Ergotamin ist nicht empfehlenswert. Zu hoch ist das Risiko, dass jemand diese Medikamente mit den Schmerzmitteln zusammen unkontrolliert einnimmt. So kann es sehr schnell zur Abhängigkeit oder schweren Nebenwirkungen wie Durchblutungsstörungen an Händen und Beinen kommen.

Kombinationspräparate mit Koffein

Über Kombinationspräparate mit Koffein sind Experten sich nicht einig. Einer Untersuchung zufolge soll das Koffein durch seine anregende Wirkung dazu verleiten, die Schmerzmittel viel länger als nötig zu nehmen. Dadurch erhöhe sich das Risiko, einen schmerzmittelbedingten Dauerkopfschmerz zu entwickeln. Auch die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft empfiehlt grundsätzlich bevorzugt Schmerzmittel mit nur einem Wirkstoff.

Einige Experten finden aber die Warnung vor Kombinationspräparaten mit Koffein übertrieben. So soll gerade die Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein besonders wirksam sein, da sich die verschiedenen Stoffe in ihrer Wirkung ergänzen. Koffein wirke dabei quasi als Beschleuniger: Einer Studie zufolge unterstützt Koffein den schmerzstillenden Effekt von ASS und Paracetamol, weil es die Gefäße beeinflusst. Dadurch werden insgesamt weniger Schmerzmittel benötigt. Dieser Effekt, so heißt es, sei aber nicht größer, als wenn jemand zu der Schmerztablette eine Tasse Kaffee tränke. Viel wichtiger ist es nach Meinung der Koffein-Befürworter, auch die Kombinationspräparate nicht zu oft einzunehmen.

Triptane

Zum Beispiel: Sumatriptan (Imigran), Zolmitriptan (Ascotop), Naramig (Naramig), Rizatriptan (Maxalt), Almotriptan (Almogran), Eletriptan (Relpax), Frovatriptan (Allegro), Naratriptan (Formigran)

Wie wirken sie?

Triptane wirken an den Stellen im Körper, an denen der Migräneschmerz entsteht, also an den entzündeten Blutgefäßen des Gehirns. Sie führen dazu, dass der Körper weniger entzündungsfördernde Substanzen freisetzt und blockiert die Übertragung der Schmerzempfindung ins Gehirn.

Triptane haben folgende Vorteile:

  • Sie wirken schon nach kurzer Zeit: als Tablette meist nach einer halben Stunde, als Nasenspray oder unter die Haut gespritzt auch schon nach zehn bis fünfzehn Minuten. Menschen mit Migräne können sie zu jedem Zeitpunkt einer Attacke nehmen, ohne dass sie an Wirkung verlieren. Am besten wirken Triptane aber, wenn Sie sie möglichst zu Beginn eines Migräneanfalls einnehmen.
  • Der Körper baut Triptane sehr schnell ab, deswegen ist die Gefahr einer Überdosierung nicht so groß wie bei anderen Medikamenten.

Wirksamkeit der Triptane

Triptane gelten heute als Mittel der ersten Wahl, um mittelschwere bis schwere Migräneattacken zu behandeln. Das gilt vor allem dann, wenn die Kombination aus Schmerzmitteln, Medikamenten gegen Übelkeit und Umstellung des Alltags alleine nicht ausreicht. Zusätzlich zum Triptan ist dann kein Schmerzmittel mehr nötig.

Mediziner empfehlen Triptane auch, wenn die Migräneschmerz mit starken neurologischen Symptomen, den sogenannten Auren, begleitet ist. Das können zum Beispiel Sehstörungen, Kribbeln und Taubheitsgefühl in Armen und Beinen oder Sprechstörungen sein.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und Menschen über 65 Jahre sollten sicherheitshalber keine Triptane nehmen. In Ausnahmefällen ist Sumatriptan als Nasenspray für Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen.

Triptane wirken nicht bei Spannungskopfschmerzen. Sumatriptan hilft auch bei einer speziellen Form von Kopfschmerzen: den sogenannten Clusterkopfschmerzen. Dafür sind sie das einzig wirksame Mittel.

Was muss ich beachten?

Da der Körper Triptane sehr schnell wieder abbaut, ist manchmal eine zweite Dosis nötig, bevor der Migräneanfall vorbei ist (beim sogenannten Wiederkehrkopfschmerz). Allerdings sollten Betroffene unbedingt die erforderlichen Zeitabstände und die Tageshöchstdosis einhalten.

Triptane dürfen nicht zu früh zum Einsatz kommen. Bei Migräne mit Aura treten typischerweise Sehstörungen wie Flimmern vor den Augen oder Kribbeln und Taubheitsgefühlen an Armen und Beinen auf - und zwar vor der Schmerzattacke. Sie sollten Triptane also erst einnehmen, wenn die Kopfschmerzen einsetzen. Auch Triptane können wie alle anderen Kopfschmerzmedikamente zu Dauerkopfschmerzen und zu Abhängigkeit führen. Die Ausprägung ist aber milder als bei den alten Migränemitteln, auch ist der Entzug leichter durchzuhalten.

Ungeeignet sind Triptane für Menschen, die unter Erkrankungen der Gefäße leiden sowie bei Bluthochdruck, bei Verkalkungen der Herzkranzgefäße, bei Durchblutungsstörungen oder nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Sie dürfen Triptane nicht gleichzeitig mit Ergotaminpräparaten einnehmen, da sich die schädliche Wirkung auf die Hirngefäße verstärkt. Bei bestimmten Antidepressiva (sogenannten MAO-Hemmern) in höherer Menge können einige Triptane gefährliche Nebenwirkungen haben, deshalb dürfen die Mittel nicht zusammen zum Einsatz kommen.

Nebenwirkungen der Triptane

Bei den folgenden Nebenwirkungen sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden:

  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Blutdruckerhöhung,
  • Hörstörungen wie Pfeifen und schlechtes Hören,
  • Nervosität, Schlafstörungen, Angst oder Depressionen,
  • Benommenheit, Schwindel oder Gefühlsstörungen.

Gehen Sie sofort zum Arzt bei folgenden Beschwerden:

  • Starker Hautauschlag und Juckreiz mit Atemnot und Schwindel (eventuelle Zeichen für eine allergische Reaktion),
  • Herzschmerzen, Engegefühl in der Brust,
  • Sprachstörungen, Sehstörungen, Taubheit oder Lähmungen.

Ergotamine

Zum Beispiel: Ergotamin (Ergo Kranit Migräne )

Wie wirken sie?

Ergotamine wurden früher aus dem Mutterkorn gewonnen, einem schwarzen, länglich-körnigen Pilz, der Getreide, besonders gerne Roggen befällt - daher sein Name. Ergotamine waren das Mittel der Wahl zur Behandlung schwerer Migräneattacken. Ergotamine verstärken die Wirkung des Botenstoffes Serotonin; wie sie das im Einzelnen tun, ist noch nicht bekannt.

Vermutlich beeinflussen sie die Nervenentzündung an den Gehirngefäßen. Heutzutage haben neuere Migränemedikamente, die Triptane, die Ergotamine verdrängt. Triptane wirken besser und haben weniger Nebenwirkungen. Migränepatienten, die bisher mit ihrem Ergotaminpräparat zufrieden waren, müssen das Mittel aber nicht wechseln. Denn die Einstellung mit einem neuen Migränemittel ist sehr aufwendig.

Wann sind sie geeignet?

In der modernen Migränetherapie spielen Ergotamine keine Rolle mehr. Sie kommen nur kurzfristig bei der Behandlung von Clusterkopfschmerzen zum Einsatz.

Was muss ich beachten?

Sie müssen Ergotamine sehr früh zu Beginn einer Migräneattacke einnehmen. Später wirken sie nicht mehr. Es ist wichtig, die gesamte Dosis auf einmal zu nehmen. Sie dürfen sie nicht auf mehrere Portionen am Tag verteilen. Menschen über 65 Jahre sollten keine Ergotamine einnehmen.

Ergotamine können tückische Nebenwirkungen haben:

  • Werden sie zu oft und in zu hoher Dosierung verwendet, können die Migräneanfälle sogar stärker und länger auftreten.
  • Beim Absetzen von Ergotaminen entsteht sehr oft ein sogenannter Entzugsdauerkopfschmerz.
  • Bei Dauergebrauch können sehr schwere Durchblutungsstörungen an Armen und Beinen auftreten, im Extremfall auch an den Herz- und Darmgefäßen.

Medikamente gegen Übelkeit

Zum Beispiel: Domperidon (Domperidon Hexal oder Stada, Motilium), Metoclopramid (Paspertin, Gastrosil, MCP Ratiopharm, MCP AL), Dimenhydrat (Vomex-Zäpfchen).

Wann sind sie geeignet?

Diese Medikamente wirken, wenn eine Migräneattacke mit Brechreiz und Übelkeit verbunden ist.

Was muss ich beachten?

Domperidon ist offiziell für Kinder unter zwölf Jahren nicht zugelassen, dennoch wird es in niedriger Dosierung recht gut vertragen. Kleinkindern und Säuglingen geben Sie besser den Wirkstoff Dimenhydrinat.

Eventuell kann es zu Müdigkeit, Durchfall oder krampfartigen Bauchschmerzen kommen. In seltenen Fällen können Bewegungsstörungen auftreten: Muskelkrämpfe oder unwillkürliche Zuckungen im Gesicht, Hals oder Nacken. Dann sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Migräneleidende müssen eine Viertelstunde vor den Schmerzmitteln ein Medikament gegen Übelkeit nehmen: 20 Milligramm Domperidon oder Metoclopramid.

Betablocker

Zum Beispiel: Metoprolol (Beloc-Zok, Metoprolol-ratiopharm, Metohexal), Propranolol (Obsidan, Dociton, Propra-ratiopharm)

Wann sind sie geeignet?

Wenn Sie an mehr als sieben Tagen im Monat Migräne oder ausgeprägte Begleitsymptome haben, sollten Sie eine vorbeugende Behandlung mit Betablockern machen. Dann brauchen Sie nicht mehr so viel Schmerzmittel wie vorher. Zahlreiche Studien belegen, dass Betablocker Migräneattacken wirksam vorbeugen.

Was muss ich beachten?

Zu Beginn der Behandlung können Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel auftreten. Kalte Füße oder Hände sowie Kribbeln sind eine mögliche Nebenwirkung. Mit dem Arzt sollten Sie sprechen, wenn der Blutdruck nach Einnahme der Betablocker sehr niedrig ist, Alpträume Sie oft quälen, Ihr Asthma schlimmer wird, Durchblutungsstörungen an den Händen auftreten.

Antidepressiva

Zum Beispiel: Amitriptylin (Amitriptylin-Neuraxpharm, Saroten, Amineurin), Amitriptylinoxid (Amioxid-Neuraxpharm, Equilibrin), Imipramin, Doxepin, Clomipramin Desipramin

Wie wirken sie?

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen sind die sogenannten trizyklischen Antidepressiva Mittel der ersten Wahl. Am Anfang sollten Sie die Dosierung langsam erhöhen, da die volle Wirkung erst nach zwei Wochen eintritt. Erst dann können die Kopfschmerzen zurückgehen.

Wann sind sie geeignet?

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen, unter bestimmten Umständen auch bei Migräne.

Was muss ich beachten?

Trinken Sie keinen Alkohol, da er die Wirkung der Antidepressiva verstärkt und sehr schnell Benommenheit auftreten kann. Zu Beginn der Behandlung kann es zu leichten unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Sie verschwinden aber sehr schnell wieder. Solche Begleitsymptome sind: trockener Mund, verstopfte Nase, mehr Durst oder mehr Appetit, Verstopfung, Gewichtszunahme, innere Unruhe, leichte Sehstörungen oder erschwertes Wasserlassen. Ältere Menschen sollten einige trizyklische Antidepressiva wie zum Beispiel Amitriptylin, Imipramin und Doxepin möglichst nicht einnehmen, da sie die Wahrnehmung beeinträchtigen können und anfälliger machen für Oberschenkelhalsbrüche.

Bestimmte Medikamente beeinflussen die Wirksamkeit der Antidepressiva: MAO-Hemmer (auch Mittel gegen Depressionen), Psychopharmaka und Beruhigungsmittel, blutdrucksenkende Medikamente, Mittel gegen die Krankheit Morbus Parkinson.

  • MAO-Hemmer (auch Mittel gegen Depressionen),
  • Psychopharmaka und Beruhigungsmittel,
  • blutdrucksenkende Medikamente,
  • Mittel gegen die Parkinson-Krankheit.

Calciumantagonisten

Zum Beispiel: Verapamil (Isoptin, Verapamil-ratiopharm, Verahexal), Flunarizin (Flunavert)

Wie wirken sie?

Calciumantagonisten erweitern die Blutgefäße, dadurch sinkt der Blutdruck.

Wann sind sie geeignet?

Calciumantagonisten, vor allem der Wirkstoff Verapamil, sind Mittel der ersten Wahl, um Clusterkopfschmerzen vorzubeugen. Sie lassen sich auch zur Vorbeugung von Migräne einsetzen.

Was muss ich beachten?

Grapefruits und Alkohol verstärken die Wirkung von Calciumantagonisten. Bei Herzschwäche oder bei vorhandenen Herzrhythmusstörungen dürfen Sie Calciumantagonisten nicht anwenden. Denn sie beeinflussen die innere Mechanik der Muskelzellen im Herzen. Zu Beginn der Einnahme können Müdigkeit, Schwindel, Verstopfung, Kopfschmerzen, Übelkeit und Bauchschmerzen auftreten. Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme folgender Medikamente: blutdrucksenkende Mittel, Digitalis (bei Herzschwäche), Theophyllin (bei Asthma) und Betablocker.

Magnesium

Zum Beispiel: Tromcardin, Magnesium Verla N, Magnetrans forte

Wie wirkt es?

Magnesium wird immer wieder zur Vorbeugung von Migräne empfohlen - und zwar in einer Dosierung von zweimal täglich 300 Milligramm. Die Wirkung ist geringer als bei Betablockern, aber deutlich höher als bei Placebos, den Mitteln ohne Wirkstoff. Die Studienergebnisse zur Wirksamkeit von Magnesium sind zum Teil sehr widersprüchlich.

Wann sind sie geeignet?

Zur vorbeugenden Behandlung eignet sich Magnesium bei Migräne. Es ist neben Betablockern das einzige vorbeugende Migränemittel, das Schwangere und stillende Mütter nehmen können.

Durch die Magnesiumtabletten kann es zu leichtem Durchfall oder breiigem Stuhl kommen. Viele Mediziner empfehlen auch Vitamin B2 zum Vorbeugen von Migräneattacken in einer Dosierung von zweimal 200 Milligramm pro Tag. Vitamin B2 ist eine Alternative für Menschen, die keine Antidepressiva oder Betablocker nehmen wollen.

Weitere Vorbeugung bei Migräne

Gelegentlich wird Valproinsäure, ein Mittel bei Epilepsien, eingesetzt.

Sauerstoff

Reiner Sauerstoff

Wann ist es geeignet?

Sauerstoff kann Clusterkopfschmerz lindern. Es reicht aber nicht, das Fenster zu öffnen: Die Luft aus der Umwelt besteht nur zu etwa 20 Prozent aus Sauerstoff, den Rest nimmt zum größten Teil der Stickstoff ein.

Zehn Liter hundertprozentiger Sauerstoff werden zehn Minuten lang über eine Atemmaske inhaliert. Die heftigen Kopfschmerzen bessern sich dann meist nach zehn Minuten.

Kortison

Zum Beispiel: Prednisolon (Decortin-H, Prednisolon Jenapharm, Prednisolon-ratiopharm)

Wie wirkt es?

Kortison wirkt im gesamten Körper entzündungshemmend. Deswegen lässt sich damit auch Clusterkopfschmerz behandeln, den wahrscheinlich Entzündungen hervorrufen.

Wann ist es geeignet?

Kortison ist zum Vorbeugen von Clusterkopfschmerzen das Mittel der zweiten Wahl (nach Verapamil). Allerdings ist die verhütende Wirkung noch nicht belegt. Bei gelegentlichen Clusterkopfschmerzen wirkt Kortison bei 50 bis 70 Prozent der Patienten, bei chronischen Clusterkopfschmerzen aber nur bei 40 Prozent.

Was muss ich beachten?

Sie sollten Kortison nur zurückhaltend und zeitlich begrenzt einsetzen, da es eine Reihe von Langzeitnebenwirkungen hat: Fettsucht mit Vollmondgesicht, erhöhte Knochenbrüchigkeit (Osteoporose), Hautveränderungen wie Entzündungen oder Gewebeschwund. Auch kann sich im Rahmen einer Kortisonbehandlung eine Diabeteserkrankung oder ein Bluthochdruck entwickeln. Menschen, die lange Kortison verwenden, sind anfälliger für Infekte, da der Wirkstoff die körpereigene Abwehr schwächt.

Lithium

Lithium (Hypnorex, Quilonum)

Wie wirkt es?

Normalerweise dient Lithium zur vorbeugenden Behandlung von Depressionen. Warum es auch bei Clusterkopfschmerzen wirkt, ist noch nicht genau bekannt. Es wirkt genauso gut wie Verapamil, hat aber mehr Nebenwirkungen und wirkt langsamer. Deswegen gilt es nur als Mittel der zweiten Wahl.

Wann ist es geeignet?

Lithium beugt Clusterkopfschmerzen vor. Es wirkt bei chronischen Clusterkopfschmerzen besser als bei gelegentlichen Clusterkopfschmerzen. Einige Studien belegen, dass bei bis zu 70 Prozent der Betroffenen die Behandlung wirksam war.

Was muss ich beachten?

Die Behandlung gehört mit Lithium in die Hände eines erfahrenen Neurologen, da sich das Mittel sehr schnell überdosieren lässt.

Yamina Merabet

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