Gewitter im Kopf

Millionen Deutsche leiden an Migräne. Trotzdem wissen viele Betroffene nicht, dass diese Kopfschmerzart die Ursache ihrer Qual ist. Dabei gibt es wirksame Therapien.

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Das Gehirn eines Migränepatienten reagiert besonders intensiv auf äußere Reize©

Manchmal hämmert der Schmerz vom Hinterkopf heran. Mit jedem Pulsschlag dröhnt er stärker und breitet sich langsam über den gesamten Schädel aus. Ein anderes Mal zieht er von den Schläfen herauf, um sich wie ein Nervengewitter im Kopf nach allen Seiten zu entladen. Jede Bewegung verursacht dann Pein, die von Minute zu Minute zunimmt. Als würden ihnen Stacheldrähte durch das Hirn gezogen, so beschreiben Leidende ihre Qual. Oder aber der Kopf sei in einem Schaubstock eingezwängt, der immer fester zugezogen werde. Den meisten Betroffenen hilft dann nur eines: absolute Ruhe. Sie ziehen sich allein zurück, schließen die Vorhänge und hüten das Bett.

Doch Migräne ist mehr als ein vernichtender Kopfschmerz, der vorbeigeht, wenn der Betroffene sich nur lange genug ins Bett legt. Im Gegenteil. Sie ist eine ernste neurologische Störung, die zu den am häufigsten auftretenden chronischen Erkrankungen zählt.

"Die Veranlagung dazu tragen die Geplagten bereits in ihren Genen", sagt Stefan Evers, Neurologe am Universitätsklinikum Münster. Anders als das Gehirn eines gesunden Menschen reagiere das eines Migränekranken viel intensiver auf äußere Reize. Es stehe ständig unter Hochspannung und könne Schmerzreize nicht mehr ausreichend filtern. Das allein löst aber noch keine Migräneattacke aus. Erst wenn bestimmte Faktoren, sogenannte Trigger, im Leben eines Migränegeplagten auftauchen, gerät das Gehirn außer Kontrolle. Die Auslöser dafür sind individuell verschieden. Wie der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, setzen diese Faktoren eine Kaskade von physiologischen Veränderungen im Körper in Gang - bis die Attacke wütet.

Um sie zu lindern, bedarf es der richtigen Therapie. Und das erfordert eine korrekte Diagnose. Doch von schätzungsweise 13 Millionen Menschen, die in Deutschland im Laufe ihres Lebens an Migräneattacken leiden, kennt nur jeder zweite Betroffene die Ursache seiner Qualen. Viele wechseln von Arzt zu Arzt, lassen sich die Halswirbel einrenken, die Nasenscheidewand operieren, Zähne ziehen oder verstellen im Schlafzimmer die Betten - in der Hoffnung, dies möge die Schmerzen beenden. Wirksame Medikamente und Therapien können helfen, der Krankheit den Schrecken zu nehmen.

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