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Tabakindustrie soll Wissenschaftler bestochen haben

Die Tabakindustrie soll nach Darstellung einer internationalen Forschergruppe über Jahre hinweg mehr als 60 namhaften deutschen Wissenschaftlern Geld gegeben haben, um die Gefahren des Rauchens zu verschleiern.

Diese Ergebnisse berichtete die Gruppe um Thilo Grüning vom Royal Free Hospital in London im "American Journal of Public Health" (DOI: 10.2105/AJPH.2004.061507). Der Verband der Cigarettenindustrie (vdc) in Berlin wies die Vorwürfe am Montag zurück.

Die Forscher um Grüning hatten zahlreiche interne Dokumente von Tabakfirmen analysiert, die nach einem Rechtsstreit im Internet veröffentlich werden mussten. Ihre Untersuchung wirft den deutschen Forschern und der Tabakindustrie vor, als Gegenleistung für Forschungsgelder und großzügige Honorare seien wissenschaftliche Erkenntnisse "unterdrückt", "abgeschwächt" und "manipuliert" worden.

Tabakindustrie weist Vorwürfe zurück

vdc-Sprecherin Andrea Winkhardt sagte dazu am Montag auf Anfrage: "Der vdc hat zu keinem Zeitpunkt Ergebnisse vorgegeben oder die Veröffentlichung von "unliebsamen" Ergebnissen unterdrückt", Dies gelte auch für den einstmals vom Verband finanzierten "Forschungsrat Rauch und Gesundheit". Jeder Forscher, der mit dem Rat oder dem Verband zusammengearbeitet habe, habe seine Resultate frei publizieren können.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg empfahl allen Gesundheitsforschern, kein Geld von der Tabakindustrie anzunehmen. Ein entsprechender ethischer Codex sei am DKFZ bereits in Kraft. Dieses Verhalten empfehlen auch die Studienautoren.

"Jenseits aller Ethik eines Mediziners"

"Die Tabakindustrie schafft es nicht alleine, Verbraucher und Öffentlichkeit über die Folgen des Rauchens in die Irre zu führen", kommentierte die Leiterin des deutschen Kooperationszentrums für Tabakkontrolle der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Martina Pötschke-Langer vom DKFZ. Daher bediene sich die Industrie seit rund 35 Jahren "korrumpierbarer" Forscher, um Gutachten in ihrem Sinne zu erstellen.

"Dabei ist es der Industrie offenbar gelungen, sich auch medizinische Meinungsbilder gewogen zu machen", meint Pötschke-Langer. Einzelne Beispiele, die Grüning in seiner Untersuchung nennt, wollte sie nicht kommentieren: "Was hier verblüfft, ist die Breite des Konsenses und wer alles finanziert wurde." Dieses Verhalten sei jenseits aller Ethik eines Mediziners.

DPA

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