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So krank sind unsere Krankenhäuser

Probleme mit Keimen sind nur die Spitze des Eisbergs. In unseren Krankenhäusern liegt viel mehr im Argen. Einblicke von Insidern in kranke Häuser, die die Gesundheit gefährden statt ihr zu dienen.

Von Christoph Koch

  Problemzone Krankenhaus: Wo Patienten geholfen werden soll, lauert häufig Gefahr

Problemzone Krankenhaus: Wo Patienten geholfen werden soll, lauert häufig Gefahr

Ein erfahrener Krankenpfleger hat im Leben viel gesehen - Leid, Schmerzen, Elend und Tod. Aber auch Rettung, Hilfe und Barmherzigkeit: Das, was Medizin kann, wenn sie gut ist, das, worauf wir alle hoffen, wenn uns selbst eine Krankheit befällt oder das Alter uns schwächt. Der Pfleger, der dem stern von seinen Erfahrungen auf Station erzählt hat, ist so ein erfahrener Mann. Und eines, da ist er sicher, will er nicht. Selbst ins Krankenhaus, als Patient. Seine Alltagserfahrung: Überarbeitung, Überforderung, Schmutz und Schlendrian.

Der Chefarzt, 30 Jahre in leitender Position an einem Brennpunkt des Gesundheitswesens, der Rettungsstelle mitten in Berlin, sieht es ähnlich. Am Ende seiner Laufbahn erlebte er, wie Gewinndruck und ständiger Steigerungszwang sein Krankenhaus entmenschlichten - immer mehr Menschen sollten in "Fälle" umgewandelt werden, um den Zwängen der Betriebswirtschaft zu dienen: Die Notaufnahme als "Saugrüssel der Klinik", wie er es nennt.

Protest auch von den höchsten Verbänden der Mediziner: Im Herbst riefen dir Bundesärztekammer und der Verband leitender Krankenhausärzte nach dem Parlament. Es soll den Kliniken verbieten, Chefärzten sich jährlich steigernde Zielvorgaben für Operationen in die Arbeitsverträge zu schreiben, unabhängig von der Volksgesundheit.

Die Alarmzeichen stehen auf Rot

Unsere Krankenhäuser, sie sind krank. Warnzeichen sind die vielen Hygieneverstöße und Infektionsausbrüche der vergangenen Jahre, zum Teil mit tödlichen Folgen. Solche Ereignisse, sagte US-Professor Peter Pronovost, einer der bedeutendsten Patientensicherheitsexperten der Welt, dem stern, "seien wie der Kanarienvogel in der Kohlenmine" - ein Zeichen dafür, dass etwas viel Größeres nicht in Ordnung sei, die Arbeitsprozesse, die Abläufe, die Sicherheit im Krankenhaus insgesamt. Fällt der Vogel von der Stange, ist die Explosion des Grubengases oder das Ersticken im Kohlendioxidnebel nicht mehr fern. Jeder Bergmann weiß, was dann zu tun ist: Nichts wie raus.

Die Bettlägrigen im Krankenhaus können nicht fliehen. Sie sind ausgeliefert. An ein System, das viel zu viele Klinikbetten subventioniert - von 501.000 stehen im Durchschnitt 113.000 leer. Klinikdirektoren versuchen, diesen Irrsinn mit "Mengenexpansion", besonders bei lukrativen Eingriffen wie dem Herzkatheter oder der Gelenkimplantation, auszugleichen. Oder mit "aktivem Zuweisermanagement": Niedergelassene Ärzte werden bearbeitet, mehr Kundschaft einzuweisen.

Notstandgebiet Krankenhaus

Die Schlagseite des "stationären Sektors", der Krankenhäuser also, ist so stark geworden, dass sich die in jahrzehntelangem Kompetenzchaos gefangenen Institutionen, der Bund und die Länder, langsam in Bewegung gesetzt haben - mit einem Eckpunktepapier steuern sie auf eine Krankenhausreform zu, die manches bessern könnte. Wenn die Versprechen gehalten werden. So lange das auf sich warten lässt, bleiben viele deutsche Kliniken ein Notstandsgebiet - mit einem der schlechtesten Pflegepersonal-Patient-Verhältnisse in Europa, mit unersättlicher Gier nach Patienten, die besser zu Hause geblieben wären und mit realen, teils lebensbedrohlichen, Risiken für die, die eingewiesen wurden.

Der stern gibt Einblicke in eine Welt, in der sich dringend etwas ändern muss. Es geht um Probleme unseres öffentlich finanzierten und für allen offenstehenden Gesundheitswesens, über die wir als Bürger miteinander reden sollten. Jetzt - und nicht erst, wenn wir selbst zu Patienten werden.

Erzählen Sie uns von Ihrer Erfahrung!

Wir, die stern-Redaktion, sind sehr interessiert daran,

welche Erfahrungen Sie mit unserem Gesundheitssystem gemacht haben

. Haben Sie als Arzt oder Pfleger selbst solche Notstände erlebt? Als Patient schlechte Erfahrungen im Krankenhaus gemacht? Oder erfahren, wie einer Ihrer Angehörigen unter den Missständen zu leiden hatte? Wir freuen uns auch über Anregungen und positive Beispiele, die zeigen, dass es in Krankenhäusern auch ganz anders zugehen kann.

Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben

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Mehr zum Thema "Gefahrenzone Krankenhaus" lesen Sie im aktuellen stern.

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