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Jung und ausgebrannt

Soviel psychisch kranke Arbeitnehmer wie 2010 gab es noch nie. Besonders alarmierend: Depressionen treffen auch immer mehr junge Menschen. Hohe Anforderungen im Beruf, Flexibilität und unsichere Verträge fordern ihren Tribut.

Die Zahl psychischer Erkrankungen ist bei Arbeitnehmern in Deutschland im vorigen Jahr so stark angestiegen wie noch nie. Innerhalb eines Jahres verursachten psychische Probleme 13,5 Prozent mehr Krankheitstage. Damit machten Depressionen und andere psychische Krankheiten ein Achtel des gesamten Krankenstandes aus. Diese Diagnosen spielen eine fast doppelt so große Rolle wie noch 1998, wie sich aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport ergibt. Insgesamt blieb der Krankenstand mit 3,4 Prozent im Wirtschaftsaufschwung allerdings unverändert.

Besonders bei jungen Arbeitnehmern sind psychische Krankheiten auf dem Vormarsch. Jeder zehnte zwischen 15 und 29 Jahren hat Schmerzen oder andere körperliche Probleme ohne organische Ursache, oft begleitet von Depressionen. Knapp sechs Prozent haben Anpassungsstörungen - also Probleme, mit wichtigen Lebensveränderungen umzugehen.

Berufseinsteiger immer häufiger krank

Auch eine Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK) kommt zu dem alarmierenden Ergebnis. "Wir stellen auch bei jüngeren Beschäftigten in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg von Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen fest", sagt TK-Expertin Gudrun Ahlers. Die Ursache könnten gestiegene Anforderungen der Arbeitswelt sein. Berufseinsteigern würde ein hohes Maß an Qualifikation und Flexibilität abverlangt, sagt Ahlers. Hinzu komme die Unsicherheit durch befristete Arbeitsverträge.

Der TK-Studie zufolge sind junge Arbeitnehmer inzwischen doppelt so häufig krankgeschrieben wie ihre älteren Kollegen. Die 15- bis 25-Jährigen fehlten durchschnittlich zweimal pro Jahr, ältere Beschäftigte blieben im Mittel nur einmal jährlich zuhause. Allerdings nehme die durchschnittliche Ausfalldauer mit steigendem Alter zu.

Auch Unterforderung provoziert Stress

Aber nicht nur Arbeitsüberlastung ist ein Problem: Rund 60 Prozent der befragten jungen Arbeitnehmer gaben in der repräsentativen Umfrage der DAK an, sie könnten mehr leisten als im Job verlangt wird. DAK-Chef Herbert Rebscher sagte: "In der Arbeitsorganisation und im betrieblichen Gesundheitsmanagement sollte der Fokus nicht nur auf Überforderung und Burn-Out gerichtet sein, sondern auch darauf, wie sich Unterforderung auswirkt." Das könne auch Stress verursachen.

Die Zunahme psychischer Probleme fällt mit Schwierigkeiten zusammen, einen Therapieplatz zu finden. Im Schnitt müssen Menschen mit seelischen Problemen zweieinhalb Monate auf eine Psychotherapie warten, wie aus Studie des Duisburger Gesundheitsforschers Jürgen Wasem im Auftrag der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung hervorging.

DPA/Kra/DPA

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