Die Zahl der Krebskranken in Deutschland ist in den vergangenen 20 Jahren deutlich nach oben geschnellt. Aktuell leben fast 1,5 Millionen Tumorpatienten in Deutschland, deren Krankheit vor höchstens fünf Jahren entdeckt wurde.

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen© Colourbox
In Deutschland wird nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in diesem Jahr fast jede Minute eine neue Krebsdiagnose gestellt. Die Experten gehen davon aus, dass Ärzte bei rund 450.000 Menschen bösartige Tumore entdecken. Am häufigsten trifft Männer dabei Prostatakrebs, bei Frauen ist es Brustkrebs.
Bei den Hochrechnungen auf das Basis von Zahlen aus dem Jahr 2006, in dem 426.800 Menschen an Krebs erkrankten, spielt die demografische Entwicklung die entscheidende Rolle, teilte das RKI am Dienstag vor dem Deutschen Krebskongress (24. Bis 27. Februar) in Berlin mit. Im Alter wächst das Risiko, an einem Tumor zu erkranken.
Es ist das erste Mal, dass die RKI-Krebsstatistiker eine Prognose für das laufende Jahr wagen. Bisher hinkten die Krebsdaten für Deutschland der Gegenwart immer um Jahre hinterher - zuletzt stammten sie aus dem Jahr 2004. Nun beleuchten die jüngsten gesicherten Daten, die am Dienstag präsentiert wurden, das Jahr 2006.
Nach dieser Studie ist die Zahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen seit 1990 um fast 30 Prozent in die Höhe geschnellt - bei den Männern um 45 Prozent, bei den Frauen um 14 Prozent. Hauptgrund ist die Alterskurve. Bei den Männern ist das besonders spürbar. Durch die vielen Kriegstoten gab es bisher deutlich weniger Männer, die alt wurden. Nun kommt die "Babyboomer"-Generation langsam in das Krebs-Risikoalter ab 60.
Dem Gesundheitswesen droht deshalb eine Kostenexplosion. Allein zwischen 2002 und 2006 stiegen die Behandlungskosten bei Krebs nach Angaben des Bundes um 28 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro im Jahr. Grund dafür sind auch verbesserte Behandlungsmethoden, bei denen Medikamente den Tumor zielgerichteter angreifen können, oft in Ergänzung zu einer Chemotherapie. Sie können das Leben um Jahre verlängern, sind aber auch teurer.
Um die Kostenlawine abzubremsen, setzt der Präsident des Krebskongresses, Wolff Schmiegel, auf maßgeschneiderte Therapien für Patienten. Vor einer Behandlung solle eine genaue molekularbiologische Analyse zeigen, auf welche Therapien der Kranke ansprechen würde. Bei Brustkrebs sei dieses Verfahren bereits etabliert, sagte Schmiegel. Er mahnte aber an, dass es in der Krebsforschung zu wenige Studien gebe, die unabhängig von der Pharmaindustrie finanziert würden. Auch an Krebsspezialisten werde es in Deutschland durch den drohenden Ärztemangel bald fehlen.