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US-Amerikaner braut Bier im eigenen Bauch

Bierbauch für Fortgeschrittene: Ein US-Amerikaner litt jahrelang unter plötzlichen Trunkenheitssymptomen. Er galt schon als alkoholkrank, doch dann entdeckten Ärzte sein kurioses und seltenes Leiden.

Von Jannis Frech

  Bierbäuche sind omnipräsent, ein selbst brauender Bauch ist dagegen (zum Glück) eine Seltenheit

Bierbäuche sind omnipräsent, ein selbst brauender Bauch ist dagegen (zum Glück) eine Seltenheit

Der Fall klingt so absurd wie unmöglich: Ein 61-jähriger Mann aus Texas wird im November 2009 völlig betrunken ins örtliche Krankenhaus von Carthage gebracht. Der Alkoholtest ergibt 3,7 Promille, ein mehr als ambitionierter Wert. Doch der Mann beteuert, dass er keinen Schluck Alkohol getrunken habe. Am Ende stellt sich heraus: Der Mann leidet am sogenannten Eigenbrauerei-Syndrom.

Das US-amerikanische öffentliche Radio NPR (National Public Radio) berichtet in seinem Ernährungsblog "The Salt" über den kuriosen Fall. Grundlage ist eine Fallstudie im "International Journal of Clinical Medicine". Demnach wurde der Mann 2004 am Fuß operiert und litt seitdem immer wieder unter plötzlich auftretenden Vergiftungserscheinungen durch Alkohol, ohne dass er getrunken hätte. Seine Frau, eine Krankenschwester, dokumentierte die Vorfälle mit einem Atemtester.

Verdacht auf heimliche Trunkenheit

"Er wurde aus heiterem Himmel betrunken", zitiert "The Salt" Barbara Cordell, die leitende Krankenschwester des Krankenhauses in Carthage. Die Ärzte wissen sich nicht anders zu helfen, als dem Mann heimliche Trinkerei vorzuwerfen. Doch zwei Monate später entdeckt ein Gastroenterologe, ein Spezialist für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, im Verdauungstrakt des Mannes Spuren eines Hefepilzes. Die Mediziner beschließen, einen Test durchzuführen.

Der Texaner wird für 24 Stunden in einem Krankenhauszimmer isoliert. Das Personal durchsucht sogar seine Klamotten, um auszuschließen, dass der Mann Alkohol bei sich trägt. Regelmäßig bekommt er kohlenhydrathaltige Nahrung und wird auf seinen Alkoholgehalt getestet. Die Ärzte stellen schließlich fest: Immer, wenn der 61-Jährige Kohlenhydrate zu sich nimmt, wird er betrunken.

Gärungsprozess wie in der Brauerei

Der spezielle Hefepilz im Magen ernährt sich von Zucker und produziert dabei nicht nur Kohlendioxid, sondern auch Alkohol. Es handelt sich tatsächlich um denselben Gärungsprozess wie beim Brauen von Bier. Das "Eigenbrauerei-Syndrom" ist extrem selten, es gibt aber einige dokumentierte Fälle.

Bei dem Mann war der Studie zufolge vermutlich die lange Behandlung mit Antibiotika nach der Fuß-Operation Auslöser der Infektion mit dem Hefepilz. Eigentlich sind Hefepilze ungefährlich, die Darmbakterien halten sie in der Regel in Schach. Doch Antibiotika können die normale Darmflora schädigen - zugunsten der Pilze. Sind sie übermäßig vertreten, kann dies zu Problemen führen.

Immerhin: Das Syndrom ist behandelbar. Medikamente gegen den Pilz und eine strenge Diät konnten den Mann schließlich von seinem Leiden befreien. Heimliche Trunkenheit wird ihm so schnell keiner mehr vorwerfen. Und die Medizin ist um einen kuriosen Fall reicher.

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