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Die Diäten-Lüge

Es ist zu schön, um wahr zu sein, was sogenannte "Low-Carb"-Diäten versprechen: Abnehmen ohne bohrendes Hungergefühl. Letztlich schaden sie aber nur der Gesundheit.

Viel Fleisch, Sahne und Käse und dafür kaum Brot und Kartoffeln sollen etwa nach der Atkins-Diät, die vor allem in den USA als Ernährungs-Hype große Wellen schlägt, die Pfunde ohne viel Mühe purzeln lassen. Ernährungsexperten aber warnen vor zahlreichen Gesundheitsrisiken. Zu Vollkornbrot, Obst und Gemüse sowie viel Bewegung gibt es ihrer Meinung nach keine Alternative.

Prominente Anhänger der Diät nach dem Kardiologen Robert Atkins sollen unter anderem auch die schlanken Filmstars Jennifer Aniston und Julia Roberts sein. Nach den weltweit in Millionenauflage verkauften Diätratgebern von Atkins sind alle Lebensmittel erlaubt, in denen Fett und Eiweiß vorhanden ist, verboten sind zumindest eine Zeit lang diejenigen mit vielen Kohlenhydraten, wie Kartoffeln, Brot und Nudeln, aber auch Obst und zahlreiche Gemüse.

Verteufelung von Kohlenhydraten

Kohlenhydrate gehören neben Fett und Eiweiß zu den Hauptbestandteilen unserer Nahrung und werden vom Körper zur kurzfristigen Energiegewinnung genutzt. Braucht der Körper gerade keine Energie, wandelt er die Kohlenhydrate zu Fett um. Neben der Atkins-Diät gibt es weitere so genannte Diäten, die den Verzehr von wenig Kohlenhydraten empfehlen, wie die South-Beach-, Hollywood-Star- oder Mayo-Diät. Nach dem niedrigen Kohlenhydrat-Verzehr werden sie "Low-Carb-Diäten" genannt, vom englischen Wort für Kohlenhydrat, carbohydrate.

Sogar die Evolutionstheorie wird bemüht, um für die Diäten zu werben. Während Fleisch und Fisch schon seit jeher auf dem Speiseplan der Menschen standen, kamen kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Getreide und Kartoffeln erst später hinzu, erklären die Low-Carb-Anhänger. Und tatsächlich: In mehreren Untersuchungen zeigte sich, dass es sich mit einer kohlenhydratarmen Ernährung schneller abnehmen lässt als mit einer fettarmen. Nach Ablauf eines Jahres glichen sich die Gewichtswerte bei den beiden Vergleichsgruppen allerdings wieder an. Dennoch deuteten sich positive Auswirkungen auf bestimmte Herzrisikofaktoren an.

Risiko der Herz-Kreislauf-Erkrankung bei "Low-Carb"-Ernährung

Das Gros der Ernährungswissenschaftler in Deutschland bleibt skeptisch. Die erhöhte Fettzufuhr berge Risiken insbesondere für Menschen mit Herz- und Kreislauferkrankungen, Schwangere und Ältere, denn das Fett könne Arterien verstopfen. Die hohe Eiweißzufuhr soll auch für Menschen mit Nieren- und Leberproblemen bedenklich sein, Gicht könnte schlimmer werden. Abgesehen davon könnten Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Mundgeruch und Übelkeit auftreten.

Wissenschaftler und Experten kritisieren, dass aufgrund der strikten Unterscheidung zwischen erlaubten (fett- und/oder eiweißreichen) und verbotenen (kohlenhydratreichen) Lebensmitteln bei den Diäten Rückfälle und Regelverstöße vorprogrammiert seien. Eine langfristige Umstellung der Ernährungs- und Lebensweise, wie sie zum dauerhaften Abnehmen nötig sei, sei damit nicht zu erreichen.

"Low-Carb"-Hysterie in Supermärkten und Fast-Food-Ketten

In den USA grassiert eine regelrechte "Low-Carb-Hysterie", Millionen von Amerikanern schwören auf eine reduzierte Kohlenhydrat-Zufuhr. Auch die US-Nahrungsindustrie ist längst auf den Zug aufgesprungen und füllt die Supermarktregale mit Produkten mit extra wenig Kohlenhydraten, wie sie es früher genauso mit fettarmen "Light"- oder fettfreien "No-fat"-Nahrungsmitteln tat. Fast-Food-Ketten werben mit kohlenhydratarmen Angeboten wie dem Big Mäc ohne Brötchen.

Dennoch: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bleibt bei ihren Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung und hält eine Verringerung der Kohlenhydratzufuhr für nicht notwendig. Um Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen, sollte die Ernährung demnach reich an komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen sein und zugleich wenig Fett, insbesondere tierische Fette enthalten. Nicht vergessen sollte man dabei die tägliche und ausreichende Bewegung zum Ausgleich der Energiebilanz.

Laut der Gesellschaft sollte man täglich 30 Gramm Ballaststoffe essen, mindestens 50 Prozent der täglich zugeführten Energie sollte aus komplexen Kohlenhydraten bestehen, zu finden in Brot, Nudeln, Reis und Getreideflocken, möglichst alle aus Vollkorn, sowie in Gemüse, Obst und Kartoffeln. Zudem sollten nicht mehr als zwei Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht aufgenommen werden. Dazu sollte eine fettarme Ernährung kommen, und wenn schon, dann sollte es möglichst oft aus Meeresfischen oder Raps und Walnussöl mit Omega-3-Fettsäuren stammen, die Herz und Kreislauf schützen sollen.


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Isabell Scheuplein/AP/AP
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