Operation Vorhaut

28. April 2007, 11:54 Uhr

Sie senkt das Risiko, sich mit dem Aids-Virus anzustecken, und kann Schmerzen und Entzündungen ein Ende machen: Aus medizinischer Sicht hat die Beschneidung viele Vorteile. Viele Männer schrecken dennoch zurück - doch langsam scheint sich die Meinung zu wandeln.

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Unters Messer - oder Schmerzen "männlich" ertragen? Das Thema Beschneidung verunsichert immer noch viele deutsche Männer©

Ein kleiner Schnitt für einen Mann, ein "großer" für die Männlichkeit: Im Vergleich zu früher sind in Deutschland mehr Männer beschnitten. Allein die kulturellen Kerngruppen mit beschnittenen Männern - Juden und Muslime - sind in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen. Die rituelle Zirkumzision geschieht im Judentum traditionell am achten Lebenstag, im Islam im Alter von vier bis acht Jahren. An genauen Zahlen, was den Anteil Beschnittener in Deutschland angeht, mangelt es aber. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die Beschneidung neuerdings im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids.

Laut WHO und dem Aids-Programm der Vereinten Nationen UNAIDS sind die wissenschaftlichen Belege inzwischen zwingend: eine Beschneidung senke das Infektionsrisiko um bis zu 60 Prozent. Warum das so ist, ist nicht endgültig geklärt. Vermutet wird unter anderem, dass die Zellen an der Oberfläche der Eichel dann verdicken und besseren Schutz gegen das Eindringen der Viren bieten. Experten warnen in jedem Fall vor Sorglosigkeit: Eine Beschneidung schütze keinesfalls zuverlässig.

Ansonsten wird die Beschneidung medizinisch bei einer Phimose (Vorhautverengung) im Schulalter empfohlen, wie es im "Pschyrembel Wörterbuch Sexualität" heißt - ein "bei entsprechender Wundversorgung unproblematischer Eingriff mit geringem Risiko von Komplikationen".

Probleme beim Wasserlassen, Entzündungen, Reinigungsprobleme

Nach Angaben des Instituts für Männergesundheit in Hamburg kann eine Vorhautverengung, die in den ersten Lebensjahren normal ist, in jedem Alter auftreten. Die Folge sind Probleme beim Wasserlassen, Entzündungen und auch Reinigungsprobleme. Studien zeigten, dass nicht entfernte Absonderungen unter der Vorhaut ein erhöhtes Risiko für Peniskrebs und bei einer Partnerin für Gebärmutterhalskrebs bedeuten.

Weltweit sollen nach Schätzungen 20 bis 40 Prozent aller Männer beschnitten sein. In den USA ist der Anteil seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders hoch - eine Tradition in der Ärzteschaft, die jedoch laut Pschyrembel eine rückläufige Tendenz aufweist.

"Ansehnlicher und hygienischer"

In Deutschland liegt der Anteil Beschnittener nach Angaben des Vereins "Eurocirc" bei etwa 15 Prozent. Der für die Beschneidung eintretende Verein im nordrhein-westfälischen Dinslaken berät per Internet-Seite und Hotline. Mitgründer Maurice Holzapfel sagt, der Umgang mit dem Thema sei in den vergangenen zehn Jahren lockerer geworden. Bei der Hotline seines Vereins riefen heutzutage auch Frauen an, die Argumente suchten, um ihren Partner zu überreden, weil sie einen beschnittenen Penis ansehnlicher und hygienischer fänden.

An Zahlen jenseits dieser Befürworter-Gruppe mangelt es jedoch. Weder bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den für Musterungen zuständigen Behörden, noch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es eine Statistik. Experten gehen jedoch davon aus, dass das Thema aus der Tabu-Zone heraus sei und Männer mit einer Vorhautverengung sich heute eher unters Messer legen, während viele früher glaubten, Schmerzen "männlich" ertragen zu müssen.

Gegner der Beschneidung - wie die US-Organisation "Nocirc" - bezeichnen sie Operation als "Menschenrechtsverletzung". Bei einer Phimose plädieren sie für Dehnungen. Der deutsche "Nocirc"-Vertreter, Frank Tschuschke, sagt: "Weibliche Beschneidung wird zum Glück oft angeprangert. Da denkt man an Afrika, rostige Klingen und Schmerz." Doch er findet, auch Männern werde bei einer Beschneidung körperliche Unversehrtheit und sexuelle Sensibilität geraubt.

Gregor Tholl/DPA
 
 
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KOMMENTARE (10 von 17)
 
leichtschwer (30.04.2007, 18:33 Uhr)
Beste Glans!
Alle, ich betone: Alle meine Freundinnen waren der Meinung: Ohne ist einfach besser. Hygienischer in jedem Fall, aber vor allen Dingen ästhetischer und einfach besser. Dieser nutzlose Hautzipfel bringt wenig Spaß, kann aber leider sehr ärgerlich sein...
kichaela (30.04.2007, 13:05 Uhr)
Mercedesstern
"Und ich kann dazu nur sagen, jede Frau, mit der ich in den 7 Jahren danach Sex hatte, war begeistert."
- Also ich finde diese Aussage absolut fragwürdig.
1.) Wahrscheinlich ging diesem "Ich bin begeistert" der Frauen die Frage "Wie war ich?" voraus, oder?
2.) Meinst du wirklich, die Existenz oder Nichtexistenz deiner Vorhaut hätte das sexuelle Empfinden der Frauen dermaßen beeinflusst?
3.) Irgendwie schreckt mich dieses vorgetragene - "ich kann so gut Bumsen, seitdem ich keine Vorhaut mehr habe" - doch ziemlich. Demnächst die Vorhaut statt Mercedesstern auf der Haube? Sexy ist das nicht gerade.
Wirklich relevant finde ich das Thema allerdings auch nicht gerade - was mich allerdings nervt ist, wenn für die Beschneidung Werbung gemacht wird. Das Thema ist in den USA tatsächlich durch - und zwar aus religiösen und asthetischen Gründen mit Recht.
HessiJames (30.04.2007, 11:54 Uhr)
Schluss mit Lustig !
Habe mit mitte 50 aus med. Gründen eine Beschneidung vornehmen lassen müssen.
Die Folgen. Reduzierung der Empfindsamkeit auf ca. 10%. Demzufolge ist ein Höhepunkt praktisch nicht mehr zu erreichen. So ist zwar "Sex ohne Ende" möglich, jedoch mit dem Reiz einer Turnübung.
Sogesehen wäre eine Bescheidung sogar ein 100%er Schutz vor AIDS.
Und um das Thema zu vervollständigen. Eine Bescheidung von Kinderen ist ein Verbrechen und gehört als Körperverletzung bestraft !
Izaac (30.04.2007, 11:43 Uhr)
Hallo???? Habt ihr den Schuss nicht gehört?
Die Thematik, Kindern aus religiösen Gründen eine Beschneidung zuzumuten, stelle ich hier gar nicht erst zur Disskusion.. für mich ist alles was "im Namen" von irgendwem anders gemacht werden soll als geheuchelt, unnötig und (i. d. R.) ungerecht. Allerdings kann ich nicht nachvollziehen, dass hier so viele schon zur Revolution aufrufen, wenn es denn noch um medizinsche oder kosmetische Gründe geht. Klar gibt es immer mehrere Wege, sein Ziel zu erreichen... im Fall einer Phimose eben die Dehnung oder die OP. Im fortgeschrittenen Alter wird doch aber niemand mehr gezwungen, sich die Vorhaut entfernen zu lassen. Generell gilt doch vielmehr, wer sich, aus welchen Gründen auch immer, operieren lässt, sollte sich DAVOR informieren, was das zur Folge hat.. oder eben, ob es Alternativen gibt. Ich selbst habe mich mit 21 beschneiden lassen, ebenfalls ohne tatsächliche medizinische Notwendigkeit. Und ich kann dazu nur sagen, jede Frau, mit der ich in den 7 Jahren danach Sex hatte, war begeistert (Na gut.. es gab EINE Ausnahme, die war irritiert "fass ich den genauso an, wie mit Vorhaut?"). Allein das wäre Grund für mich meine Wahl wieder so ausfallen zu lassen. Mal davon ab, dass ich keine Spur einer Desensibilisierung an mir feststellen kann. Im Gegenteil: Die Region um das Vorhautbändchen z. B. ist noch viel empfindlicher als vorher.. und zwar ausschließlich im positivem Sinne. Die Pro-Argumentation im hygienischen Sinne lässt sich wahrlich nicht von der Hand weisen... wer das Gegenteil behauptet, gehört wohl zu der Sorte Mensch, der nie geraucht hat, und der Meinung ist, es sei völlig einfach, damit aufzuhören. Es gab hier auch mal einen Artikel "Von Eunuchen, die Eunuchen beschreiben wie Sex ist" (o. ä.)... das würde mir dazu auch noch einfallen. Die Studie über die Verringerung der Gefahr einer Infektion mit dem HIV-Virus kenn ich nicht.. tolle Sache... allerdings ist jeder Nicht-100-Prozent-Schutz eben kein 100%-Schutz.. von daher werde ich auch weiter Präservative benutzen... Wie gesagt, niemand sollte zu irgendwas gezwungen werden, das steht außer Frage... aber das Thema Beschneidung hier so zu verteufeln... DAS halte ich für völlig überflüssig... es gibt wahrlich bewegendere Dinge auf dieser Welt.
kichaela (30.04.2007, 11:33 Uhr)
Marathonsex?
Ein Penis ist auch nicht sauberer, wenn er faltenfreier ist.
Über Ästhetik lässt sich wahrscheinlich bei sämtlichen Genitalien wie bei außerirdischem Gemüse streiten - auch wieder mit oder ohne Falten.
Marathonsex ist auch seit den 70ern out.
"Meine Freundin hat sich auch noch nicht beschwert" - na ja, aber bitte genau hinhören, denn es kann durchaus Schwierigkeiten geben.
Ich kenne als Frau keinen Grund, mir zu wünschen, dass mein Partner beschnitten wäre. Und ich kenne überhaupt keine Grundlage, diese Entscheidung für sein Kind (abgesehen von Krankheitsgründen) zu treffen.
js110010 (30.04.2007, 11:05 Uhr)
Keiner legt Hand an mein bestes Stück!
Wieder so eine dumme Modewelle.
Ein Schwanz sieht schöner aus ohne Vorhaut? Hallo?!? Bin ich Pornodarsteller? Nein!
Ohne Vorhaut ist es sauberer? Na, Gott sei dank, muss ich endlich nicht mehr waschen, oder wie?
Die Eichel wird mit der Zeit weniger empfindlich? Und was habe ich davon? Ist mir völlig egal.
Ich kann jetzt länger? Na, und? Ob ich nach 5 oder 10 Minuten komme. Ist das dann mehr Lebensqualität?
Frau blasen jetzt lieber? Klar, sie warten nur darauf, dass ich endlich ohne Vorhaut bin, um loslegen zu können. Hat man so einen Scheiß schon gehört?
Was demnächst? Männer brauchen keine Brustwarzen. Sieht nicht schön aus. Weg damit! "Zu große" Schamlippen? Weg damit! (Achja, sorry, gibt es ja schon, vaginal reconstruction mit Laser). Schamhaare? Stören beim Lecken? Am besten Epilieren! Barthaare gleich mit! Zähne schief? Weg damit! Fettploster? Absaugen! Titten zu klein? Gummi rein! Schwanz zu schlaf? Plakstik macht's straff? Usw. Usw. Usw.
Alle sind verrückt! Nur ich nicht
reisschuessel (30.04.2007, 08:34 Uhr)
"Unten ohne"
Ob eine Beschneidung von Kindern aus religiösen Gründen vertretbar ist, kann und will ich hier nicht kommentieren.
Daß sie allerdings aus medizinischen Gründen eine echte Wohltat sein kann, das habe ich am eigenen Leibe erlebt. Obwohl es schon viele Jahre her ist, kann ich mich heute noch lebhaft an die Schmerzen erinnern, die mir meine damals verengte und entzündete Vorhaut bereitet hat.
Bei meinem Sohn war es das gleiche Drama: Immer, wenn man beim Waschen die Vorhaut vorsichtig zurückschieben wollte, schrie er vor Schmerzen. Natürlich ist für einen Dreieinhalb-Jährigen eine schmerzhafte Operation kein Vergnügen, aber schon nach wenigen Tagen war die Wunde gut abgeheilt und die Schmerzen waren verschwunden. Die psychischen Schäden durch die verengte Vorhaut erwiesen sich als sehr viel langlebiger. Noch heute (über ein Jahr nach der OP) hat mein Sohn panische Angst vor Schmerzen, wenn er seinen Penis waschen soll. Immer noch ist er überrascht, daß es nach der OP eben nicht mehr weh tut. Warum sollte ich meinem Kind diese Erlösung verweigern?
franz.kocijan (30.04.2007, 01:20 Uhr)
Operation Vorhaut
Beschneidung ist ein wichtiger Schritt in der Brutalisierung des Menschen. Mir wurde in Doertyol (Tuerkei) klargelegt, dass ein beschnittener Penis "stark" sei und ermoeglichen wuerde eine Frau so stark zu penetrieren, dass sie bluten wuerde und ein fuer alle Male wuesste wer der Herr sei. Ich habe in Pakistan den erschreckenden Persoenlichkeitswandel eines jungen Buben miterlebt als er "Mann" (beschnitten) wurde. In vielen Gesellschaften und Kulturen wird Sex als Waffe empfunden ("Battle of the Sexes")und Beschneidung hilft den Mann hart und unerotisch werden zu lassen und zu brutalisieren.
Jemals ueberlegt warum der menschenverachtende Streit im Nahen Osten so tief geht? Jemals ueberlegt dass dort alle aktive "Verteidigern von Werten" beschnitten sind? Jemals gewundert warum die Amerikanische Gesellschaft so brutal, kompetitive und roh ist? Warum der Zerstoerungstrieb (siehe Afrika) so unglaublich tief ist? Beschneidung ist "One Brick in the Wall". Ein wichtiger.
Medizinische Gruende moegen ehrenwert sein doch muss auch hier hinterfragt werden welche Interessen dahinterstecken und ob wir wirklich nichts anderes sind als eine zufallige Ansammlung von chemischen Bausteinen.
Soltice (29.04.2007, 10:01 Uhr)
Seltsame Ansichten hier
Psychische Probleme?, fehlende Sensibilität?, Horror?
Ja gehts denn noch?
Bei mir ist das mit drei Jahren passiert (Phimose) und kann nur sagen, dass ich es wahrscheinlich mit 18-20 Jahren hätte machen lassen.
Allein die hygenischen Vorteile lassen sich nicht von der Hand weisen (und da bin ich äusserst penibel).
Zu den "Standzeiten" kann ich recht wenig sagen: ich kenns halt nicht anders.
Von meinen ehemaligen Freundinnen weiss ich natürlich, dass der Hygienevorteil sich (erheblich!) bemerkbar macht.
Den seelischen Schmerz und den verlust von "normalen Gefühlen" (klar ich war da 3 Jahre alt) kann ich nun überhaupt nicht nachvollziehen.
Beim Sex, oder in der Sauna, hab ich keine Probleme (hatte die auch nie in der Schule).
k.v. (29.04.2007, 09:53 Uhr)
alles weg
ich weiss noch, wenn man die brueste weg macht, geht das brustkrebsrisiko total zurueck...und dem ruecken geht es wesentlich besser...also, machen wir doch alles weg.
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