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Ist Matcha-Tee wirklich so gesund?

Er soll Krebs vorbeugen, beim Abnehmen helfen, und ein echter Muntermacher sein: Immer mehr Menschen schwören auf Matcha, ein Getränk aus zerriebenen Teeblättern. Hält es, was es verspricht?

Matcha-Tee: Wie gesund ist er wirklich?

Matcha-Tee aus Japan werden zahlreiche heilsame Wirkungen zugeschrieben.

Auf den ersten Blick sieht Matcha ziemlich gewöhnungsbedürftig aus: Leuchtend grün, fast neon schimmert das Teepulver, das es in Reformhäusern und gut sortierten Supermärkten zu kaufen gibt. Verantwortlich dafür ist der natürliche Farbstoff Chlorophyll, der auch in den Blättern des Grüntees enthalten ist. Und genau dabei handelt es sich um Matcha: fein zermahlenes Pulver der Grünteepflanze Tencha.

In Deutschland erfreut sich das grüne Pulver immer größerer Beliebtheit: Matcha-Fans verquirlen es meist mit Soja- oder Kuhmilch, was den Tee milder und leicht cremig werden lässt. In Japan, von wo das Getränk ursprünglich stammt, würde man angesichts dieser Zubereitung wohl nur die Nase rümpfen. Dort wird Matcha auf traditionelle Weise getrunken: Das Pulver wird mit einem Schluck Wasser glatt gerührt, mit heißem Wasser aufgegossen und mit einem Bambusbesen, dem Chasen, schaumig geschlagen. Auf diese Weise zubereitet schmeckt der Tee herb-bitter mit einer süßlichen Note.

Für die Beliebtheit von Matcha dürfte der besondere Geschmack allein allerdings nicht  verantwortlich sein. Dem grünen Pulver werden auch zahlreiche gesundheitliche Wirkungen zugeschrieben: So soll Matcha anregend wirken, beim Abnehmen helfen und sogar vor Alzheimer schützen. Ganz schön große Versprechen. Was ist da dran? Und ist Matcha-Tee gar gesünder als herkömmliche Teesorten?

Die Auflösung: Matcha – wie gesund ist der Tee wirklich?

Der Ernährungsexperte Benno Zimmermann, der am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften in Bonn arbeitet, beobachtet den Matcha-Trend bereits seit Längerem – und relativiert: "Was die Inhaltsstoffe angeht, gibt es keinen großen Unterschied zwischen Matcha und herkömmlichen Grüntee. Die Unterschiede sind lediglich graduell." Zwar werde beim Matcha das ganze Blatt verzehrt und damit auch einige Inhaltsstoffe, die bei normalem Tee im Blatt zurückbleiben würden, etwa fettlösliche Vitamine. Allerdings sei fraglich, ob daraus tatsächlich ein zusätzlicher gesundheitlicher Nutzen entstehe. Denn: "In Deutschland gibt es praktisch keinen Mangel an diesen Vitaminen."

Belegt ist dagegen die anregende Wirkung der Teesorte: Matcha enthält Koffein, das früher auch als Teein bezeichnet wurde. Davon ist man jedoch abgekommen. Der Stoff fördert die Konzentration und regt den Kreislauf an. "Im Gegensatz zu Kaffee liegt das Koffein in gebundener Form vor, sodass es seine anregende Wirkung langsamer entfaltet als beim Genuss von Kaffee", sagt Monika Beutgen, Geschäftsführerin des Deutschen Teeverbands. Wie viel Koffein in einer Tasse Tee steckt, schwankt allerdings, da es sich um ein Naturprodukt handelt. Die Expertin schätzt, dass eine Tasse Tee rund 60 Milligramm enthält – und damit in etwa so viel wie ein Espresso.

"Im Vergleich zu Kaffee wird das Koffein langsamer aufgenommen und wirkt länger", bestätigt Benno Zimmermann. Allerdings sei dies kein Inhaltsstoff, der speziell im Matcha-Tee enthalten sei: So würden auch andere Teesorten, etwa Schwarzer Tee, den Wirkstoff enthalten.

Und wie steht es um die Behauptung, Matcha schütze vor Krankheiten wie Alzheimer und Krebs?

Tatsächlich enthält Grüner Tee und damit auch Matcha einen Inhaltsstoff, dem zahlreiche positive Eigenschaften zugeschrieben werden: das Antioxidans Epigallocatechingallat, kurz EGCG. In Laborversuchen löste EGCG ein bestimmtes Protein auf, das Alzheimer-Patienten im Gehirn anlagern. Zudem gibt es Hinweise, dass EGCG positiv in das Krebsgeschehen eingreifen kann, etwa bei Darmkrebs. Das Antioxidans führt zu einer sogenannten Apoptose - dem programmierten Zelltod von Tumorzellen. Allerdings zeigt sich diese Wirkung bislang nur im Reagenzglas - fraglich also, ob sie überhaupt auf den Menschen übertragbar ist. Krebspatienten sollten in jedem Fall Rücksprache mit ihrem Arzt halten, wenn sie zusätzlich zur Therapie Grüntee trinken möchten. So können etwaige Wechselwirkungen ausgeschlossen werden.

Thomas Seufferlein, Direktor der Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Ulm, forscht derzeit zu der Frage, ob Grüntee unter Umständen auch Krebs vorbeugen kann: "Kleinere Studien legen nahe, dass grüner Tee möglicherweise eine krebspräventive Wirkung hat, etwa bei Leber-, Prostata- oder Brustkrebs", so der Experte. "Allerdings handelt es dabei meist um Beobachtungsstudien, ein klarer Zusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten." Die vorliegenden Daten seien zwar interessant, so Seufferlein, würden aber noch nicht ausreichen, um eine Empfehlung für Grünen Tee zu geben: "Wir können derzeit noch nicht sagen, ob Grüner Tee zur Vorbeugung von Krebserkrankungen eingesetzt werden kann oder vielleicht sogar sollte. Zur Klärung dieser Frage finden derzeit aber zahlreiche Studien statt."

Auch Benno Zimmermann warnt angesichts des frühen Forschungsstands vor allzu großen Erwartungen: "Für EGCG finden sich sehr viele Hinweise auf gesundheitliche Nutzen – das fängt bei Übergewicht an, geht über Alzheimer bis hin zu Krebs. Man muss allerdings betonen, dass es lediglich Hinweise sind. Beweise für eine Wirkung oder gar konkrete Therapien gibt es nicht."

So ist auch unklar, ob Grüntee tatsächlich beim Abnehmen hilft. "Es könnte sein, dass Polyphenole dabei eine Rolle spielen", erklärt Zimmermann. "Aber auch hier gilt: Es könnte einen Zusammenhang geben, wir wissen es aber noch nicht mit Sicherheit." Der Experte rät daher zu einem rationalen Umgang mit dem Thema: "Wer ein Problem mit Übergewicht hat, kann Tee trinken, das schadet sicher nicht. Allerdings gibt es hier effektivere Wege, Gewicht zu verlieren, etwa eine Ernährungsumstellung."

Fazit zu Matcha

Matcha-Tee schmeckt gut, macht wach und steigert die Leistung. Das gilt aber auch für herkömmlichen Grüntee. Ob und wie Matcha-Tee Krankheiten vorbeugen kann, ist unklar. Zwar gibt es Hinweise auf mögliche gesundheitliche Effekte - allerdings keine Beweise.

Sicher ist, dass Matcha-Tee in üblichen Mengen nicht schadet. Wer allerdings reichlich davon trinkt, nimmt über den Tag verteilt große Mengen Koffein auf. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind 400 Milligramm Koffein pro Tag unbedenklich, Schwangere und vor allem Kinder sollte noch weniger zu sich nehmen. Diese Menge entspricht, grob geschätzt, knapp sieben Tassen des Grüntees. Allerdings schwankt der Koffeingehalt der einzelnen Matcha-Teesorten deutlich, weshalb eine genaue Obergrenze schwer zu ziehen ist. 

Wer Matcha-Tee in Bio-Qualität kauft, ist in der Regel auch vor möglichen Pestiziden geschützt. Aufgrund der feinen Textur verliert Matcha-Tee schnell an Geschmack. Daher gilt: Nach dem Öffnen luftdicht lagern und rasch verbrauchen.

Was zieht denn da?

    Tee wird nicht nur nach dem Geschmack, sondern auch nach der Farbe unterschieden. Welche ist am häufigsten in deutschen Tassen zu sehen?

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