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16. Februar 2012, 15:45 Uhr

Mehr als 1700 Patienten sterben durch Ärztepfusch

Mangelnde Desinfektion, Komplikationen bei einer OP, schlecht vernähte Wunden: Ärzte machen bei der Behandlung ihrer Patienten Fehler, die mitunter tödlich sein können. Laut einem Zeitungsbericht sind die Todesfälle durch Ärztepfusch im Jahr 2010 drastisch angestiegen.

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Gefahrenquelle Operation: Todesfälle durch Ärztefehler haben 2010 zugenommen© Oliver Berg/DPA

Die Zahl der Todesfälle durch Behandlungsfehler, Hygienemängel und fehlerhafte Medizinprodukte ist laut Statistik binnen eines Jahres deutlich gestiegen. 2010 wurden rund 1700 Tote registriert und damit hunderte mehr als im Vorjahr, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht. Experten führen dies auch auf ein höheres Problembewusstsein in den Kliniken zurück.

Im Jahr 2010 wurden insgesamt 1712 Todesfälle registriert. Das waren laut Statistischem Bundesamt 440 mehr als 2009, wo es noch 1272 Tote waren. Die "Bild"-Zeitung hatte über die Statistik am Donnerstag berichtet.

Zu den häufigsten Todesursachen zählten eine unzureichende Desinfektion, Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation oder Komplikationen bei einer Implantation eines künstlichen Gerätes. Allein durch "Zwischenfälle bei chirurgischen Eingriffen und medizinischer Behandlung" starben 944 Patienten. Ursache waren unter anderem fehlerhafte Schnitte und schlecht genähte Operationswunden.

Ärzte melden Fehler häufiger als früher

Die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS), Hedwig François-Kettner, sagte, die Dunkelziffer liege "noch höher". Hochrechnungen deuteten darauf hin, dass jährlich bis zu 17.000 Todesfälle aufgrund von Behandlungsfehlern und anderen Komplikationen vermeidbar wären.

Der Anstieg der offiziellen Todesfälle sei aber auch auf ein höheres Fehlerbewusstsein zurückzuführen. "Ärzte und Kliniken melden Fehler und Zwischenfälle heute eher", sagte sie. Das Aktionsbündnis setze sich seit Jahren dafür ein, dass Behandlungsfehler nicht mehr unter den Tisch gekehrt werden.

Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), verweist auf die verbesserte Dokumentation. "Immer mehr Ärzte und Krankenhäuser gehen zu Fehlermeldesystemen über", sagte er der "Saarbrücker Zeitung" vom Freitag. Dadurch würden "natürlich auch viel mehr Fehler erfasst".

Montgomery warnt vor Vorverurteilung

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink forderte ein "verbindliches Meldesystem" zu Behandlungsfehlern. Es gehe nicht darum, Ärzte und Krankenhäuser "an den Pranger zu stellen", sondern darum, eine "Kultur der Fehlervermeidung" zu etablieren, erklärte sie in Berlin. Auch die Deutsche Hospiz Stiftung drängt auf mehr Tranparenz bei Behandlungsfehlern.

Die Bundesärztekammer (BÄK) warnte indes vor einer Vorverurteilung der Ärzteschaft. "Jeder Mensch, der durch den Fehler eines Arztes oder eines anderen stirbt, ist einer zu viel", erklärte Ärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery. Nicht immer aber handele es sich um Behandlungsfehler. So seien Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation häufig auftretende Komplikationen und mangelnde Desinfektion oft "Strukturfehler und nicht Arztfehler".

Die Leiterin des Hygiene-Instituts der Berliner Charité, Petra Gastmeier, sagte im MDR Info, die Komplexität der Behandlungen nehme immer mehr zu. Bei immer mehr Patienten müsse ein Katheder oder ein Beatmungstubus eingeführt werden. Dadurch steige auch das Infektionsrisiko.

mlr/DPA/AFP
 
 
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