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Die ethisch unbedenkliche Stammzelle

Sie gelten als die große Hoffnung der Medizin, doch embryonale Stammzellen sind ethisch stark umstritten. Nun ist es Wissenschaftlern gelungen, menschliche Hautzellen in embryonale Stammzellen umzuwandeln. Das könnte der erste Schritt zu einer Therapie gegen unheilbare Krankheiten sein.

Von Nina Bublitz

Das Ziel war für Wissenschaftler weltweit klar: "Normale" menschliche Zellen im Labor so umzuprogrammieren, dass sie sich wie embryonale Stammzellen verhalten. Die embryonalen Zellen, das ist die große Hoffnung, sollen einmal dabei helfen, heute unheilbare Krankheiten zu bekämpfen. Sie sind in der Lage, sich im Körper in jede beliebige Gewebeform zu entwickeln - von der Nervenzelle über das Blutkörperchen bis hin zur Hautzelle. Theoretisch können sie also beliebige Gewebe erneuern und ersetzen. Beispielsweise könnte man mit embryonalen Stammzellen zerstörtes Rückenmark heilen und damit eine Querschnittslähmung aufheben. Doch schon die Forschung an embryonalen Stammzellen ist stark umstritten. Weil man bisher, um so eine Stammzelllinie zu gewinnen, einen Embryo zerstören muss. In Deutschland darf zurzeit daher nur mit Stammzelllinien gearbeitet werden, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden.

Programmieren statt Klonen

Nun ist es gleich zwei Forschergruppen gelungen, menschliche Hautzellen im Labor so zu verändern, dass sie embryonalen Stammzellen täuschend ähnlich werden. Dies ermöglicht erstmals Forschung mit embryonalen Stammzellen ohne ethische Konflikte - eine Sensation. Ian Wilmut, der das Schaf Dolly klonte, kündigte bereits im Vorfeld an, seinen Forschungsschwerpunkt zu verlegen. Er will weg vom Klonen, hin zum Umprogrammieren von Zellen. Die Methode bietet noch einen weiteren großen Vorteil: Mit ihr lassen sich aus Gewebezellen von Patienten maßgeschneiderte Stammzellen für ihre individuelle Behandlung gewinnen.

Die Gruppe von Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto nahm für ihre Versuche Hautzellen einer 36-Jährigen sowie Bindegewebszellen eines 69-Jährigen. James Thomson und seinen Kollegen von der Universität von Wisconsin nutzen Vorhautzellen eines Neugeborenen. Ihre Arbeiten veröffentlichten die Wissenschaftler heute in den Fachmagazinen „Cell“ und „Science“.

Viren als Laborhelfer

Beide Forschergruppen nutzen so genannte Retroviren als Zell-Programmierer. Diese Viren schleusen ihr Erbgut direkt in das Erbgut der befallenen Zelle ein. Die Forscher bestückten die Viren mit je vier verschiedenen Genen, welche die Umprogrammierung zur Stammzelle einleiten. Einen großen Nachteil hat diese Technik allerdings: Sie erhöht das Krebsrisiko, weil die Viren das Erbgut zerschneiden, wenn sie ihr eigenes einfügen. Der nächste Schritt wird daher sein, Zellen ohne den Einsatz von Retroviren zu verändern. In dem Tempo, in dem die Stammzellforschung momentan voranschreitet, könnte dies allerdings schon bald möglich sein.

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