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Antibiotika versagen häufiger

Mediziner verschreiben Antibiotika zu oft und zu sorglos. Daher wirken die Allzweckwaffen bei immer mehr Erregern nicht mehr - mit dramatischen Folgen.

Antibiotika sind wichtige Medikamente, vielleicht sogar die wichtigsten in der Medizin. Die Arzneien sind Allzweckwaffen, mit denen bakterielle Infektionen wie Scharlach wirksam bekämpft werden können. Doch die scharfe Waffe droht stumpf zu werden, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Weltgesundheitstag warnt. Schuld daran sei der übermäßige und falsche Einsatz.

Bakterien werden resistent gegen die Mittel, die zu häufig und zu sorglos angewendet werden. Ungünstig ist es zum Beispiel, wenn Antibiotika zu früh abgesetzt werden. Resistenzen können so leicht entstehen. Immer wieder machen Keime die Runde, gegen die selbst die stärksten Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Doch neue Antibiotika fehlen, für die Pharmaindustrie ist es vergleichsweise wenig lukrativ, sich auf diesem Markt zu engagieren.

"In Ermangelung dringender Korrektur- und Schutzmaßnahmen steuert die Welt auf ein post-antibiotisches Zeitalter zu, in dem viele gewöhnliche Infektionen nicht mehr geheilt werden und unvermindert töten", warnt WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.

25.000 Tote jährlich

In den EU-Ländern sterben nach Angaben der WHO pro Jahr 25.000 Menschen durch Infektionen mit Bakterien, die gegen Antibiotika resistent geworden sind. Oft sind sie im Krankenhaus erworben. Im vergangenen Jahr wurden laut WHO rund 440.000 neue Tuberkulose-Fälle in fast 70 Ländern gemeldet, gegen die eine Vielzahl von Mitteln nichts ausrichten konnte.

Eine erschreckende Nachricht kommt unterdessen aus Indien: Dort entdeckten Forscher der britischen Universität Cardiff in öffentlichen Wasserstellen in Neu Delhi Bakterien, die das bedrohliche Resistenz-Gen namens NDM-1 in sich tragen. Gegen Keime, die diesen DNA-Schnipsel enthalten, sind Ärzte oft machtlos - bei den Krankheitserregern schlagen wichtige Antibiotika nicht mehr an.

Das Resistenz-Gen wurde in der Untersuchung in mehr als einem Dutzend Bakterienarten entdeckt - darunter elf, in denen es zuvor noch nicht gefunden worden war. Erstmals sei NDM-1 auch in den Erregern für Ruhr und Cholera nachgewiesen worden, heißt es im Medizinjournal "The Lancet Infectious Disease".

Kritischer Punkt erreicht

"Wir sind an einem kritischen Punkt angelangt, weil die Resistenz gegen vorhandene Antibiotika beispiellose Ausmaße erreicht hat und neue Antibiotika nicht schnell genug bereitgestellt werden können", sagte die europäische WHO-Chefin Zsuzsanna Jakab. Nach Angaben von Experten dauert es etwa zehn Jahre, bis ein neues Antibiotikum entwickelt ist.

Die Organisation fordert daher unter anderem von den einzelnen Staaten, den Arzneimitteleinsatz zu regulieren, sowie mehr Forschung. Das unterstützt auch die Europäische Gesellschaft für klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten. Sie wünscht sich mehr Aufklärung - sowohl der Mediziner als auch der Öffentlichkeit.

Ein Problem ist auch, dass es in vielen Staaten keine geordnete Anwendung antibiotischer Medikamente gibt. Als Negativbeispiel nennt die WHO, dass Antibiotika in 14 von 21 osteuropäischen Ländern ohne ärztliches Rezept frei verkäuflich sind. Das würden unter anderem Landwirte nutzen, die ihren Tieren Antibiotika vorbeugend verabreichten. Viele Ärzte würden die Mittel außerdem "leichtfertig und unangemessen" zur Behandlung von Virusinfekten wie Grippe und simplen Erkältungen verschreiben - obwohl sie gegen Viren gar nicht wirken.

lea/DPA/DPA
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