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Nicht immer gleich entsorgen!

22. Januar 2013, 15:18 Uhr

Zu viele Lebensmittel wandern zu schnell in den Müll, wie eine Studie zeigt. Dabei ist vieles noch lange nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums bedenkenlos verzehrbar. Worauf Sie achten sollten. Von Lea Wolz

Wie verschwenderisch wir in wohlhabenden Ländern mit Lebensmitteln umgehen, hat der Dokumentarfilm "Taste the Waste" bereits gezeigt. Vieles, was eigentlich noch essbar wäre, landet in der Tonne: Jährlich werden weltweit 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll entsorgt, wie aus einer in Genf vorgelegten Studie hervorgeht. Demnach schmeißt jeder Europäer und Nordamerikaner jedes Jahr zwischen 95 und 115 Kilogramm Essen weg.

Das UN-Umweltprogramm Unep und die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO haben daher jetzt eine Kampagne gestartet. "Think.Eat.Save" soll bei Produzenten und Verbrauchern mehr Bewusstsein für das Problem schaffen.

Denn klar ist: Dass vieles im Müll landet, was eigentlich noch auf den Teller kommen könnte, liegt vor allem an Unwissen: über die Haltbarkeit von Lebensmitteln, über die richtige Lagerung oder über einen sinnvollen Einkauf. Ein paar Tipps, die den Geldbeutel schonen und das Gewissen erleichtern - damit Lebensmittel nicht unnötig weggeworfen werden.

Was ist der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum?

Verwechseln Sie nicht das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) mit dem Verbrauchsdatum.

Das MHD ist kein Verfallsdatum. Es gibt vielmehr an, bis wann ein Lebensmittel bei richtiger Aufbewahrung seine Produktqualität behält - etwa ein Joghurt seine Cremigkeit. Zu den typischen Produkteigenschaften zählen Geschmack, Geruch, Konsistenz und Nährwert. Das MHD wird vom Hersteller festgelegt. Ist es überschritten, kann das Produkt in den meisten Fällen dennoch eine begrenzte Zeit lang ohne Risiko verzehrt werden.

Anders sieht es beim Verbrauchsdatum aus, das auf leicht verderblichen Speisen wie Hackfleisch, geräuchertem Fisch oder Putenfleisch angegeben ist ("Zu verbrauchen bis…"). Ist diese Frist erreicht, muss das Produkt entsorgt werden, da sich Keime und Bakterien entwickeln können.

Was kann ich nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch essen?

Viele Lebensmittel können auch nach Ablauf des MHD noch gegessen werden - allerdings je nach Produktgruppe unterschiedlich lange.

Brot ist laut Verbraucherzentrale Hamburg (VZH) auch nach Ablauf des MHD noch essbar - Brotlaibe länger als Schnittbrot. Hat sich Schimmel gebildet, sollte Brot besser entsorgt werden, da sich die Schimmelpilzgifte schon im Inneren verteilt haben können. Lediglich wenn die von Schimmel befallene Stelle auf einem Brotlaib sehr klein ist, reicht es aus, sie großzügig auszuschneiden.

Getreide und Müsli muss nach Ablauf des MHD ebenfalls nicht in die Tonne. Genau wie bei Nüssen gilt allerdings: Sobald Sie Schimmelbefall bemerken (auch wenn dieser nur an der Nussschale auftritt), sollten Sie diese Produkte entsorgen, da besonders starke Pilzgifte gebildet werden. Diese sogenannten Aflatoxine können Leberschäden hervorrufen. Sie wirken auch krebserregend.

Nudeln, Reis und Mehl sind bei trockener Lagerung noch viele Monate nach dem MHD verwendbar. Um sie vor Ungeziefer zu schützen, sollten sie gut verschlossen gelagert werden. Vollkornprodukte können der VZH zufolge etwas schneller verderben und ranzig werden.

Ist der Wasseranteil in einem Lebensmittel hoch - wie bei Obst und Gemüse - können sich die Schimmelpilzgifte gut verteilen. Diese Produkte sollten daher besser in den Müll wandern, sobald sich Schimmelspuren zeigen - ein Abschneiden ist hier meist nicht hilfreich. Sind bei Gebinden wie Weintrauben oder Schälchen wie Erdbeeren nur wenige Früchte befallen, reicht es, diese auszusortieren und den Rest gut abzuwaschen. Bei einem starken Befall sollten die Lebensmittel komplett entsorgt werden.

Verschlossen ist Milch nach Ablauf des MHD laut Verbraucherzentrale circa drei Tage lang noch genießbar. Eine angebrochene Packung H-Milch ist bis zu sieben Tage im Kühlschrank haltbar, Frischmilch etwa drei Tage.

Gut gekühlt sind Eier mindestens noch zwei Wochen nach Ende des MHD verwendbar. Sie sollten dann allerdings zum Backen oder Kochen gebraucht werden - und nicht für Speisen wie Tiramisu. Bei Eiern hilft auch ein einfacher Test zu überprüfen, wie frisch sie sind: Legen Sie das Ei in ein Glas Wasser - taucht es ab, ist es gut, schwimmt es oben, ist es alt.

Milchprodukte wie Käse, Joghurt oder Quark sind in der Regel noch einige Tage nach MHD genießbar. Sind sie von Schimmel befallen, müssen sie entsorgt werden. Eine Ausnahme ist Hartkäse wie Emmentaler oder Parmesan: Hier reicht es, befallene Stellen großzügig auszuschneiden.

Bei Rind-, Schweine- oder Kalbsfleisch sollte ebenso wie bei Fisch und Geflügel das Verbrauchsdatum eingehalten werden. Mit dessen Ablauf sollte Sie das Produkt nicht mehr verzehren. Wurst ist laut VZH ungeöffnet noch einige Tage nach MHD haltbar, geöffnet sollte sie innerhalb weniger Tage verbraucht werden.

Je mehr Zucker in Marmeladen und Konfitüren enthalten ist, desto schwerer kann sich der Schimmelpilz ausbreiten. Die VZH rät daher, bei Produkten mit mehr als 50 Prozent Zucker, den Schimmel großzügig zu entfernen. Achten Sie darauf, dass keine Schimmelreste am Rand verbleiben! Enthält die Marmelade weniger Zucker, sollten Sie diese bei Schimmelbefall gleich komplett entsorgt werden.

Generell gilt: Ist das MHD abgelaufen, sollten Sie auch Ihren Sinnen trauen - und durch Sehen, Riechen und Schmecken prüfen, ob das Lebensmittel noch bedenkenlos verzehrt werden kann. Schimmelpilzgifte sind übrigens sehr stabil: Verarbeitungstechniken wie Kochen, Braten, Backen, Trocknen oder Einfrieren können ihnen nichts anhaben.

Einen ausführlichen Überblick über die Haltbarkeit der verschiedenen Lebensmittelgruppen finden Sie hier oder auf den Seiten der VZH.

Wie kann ich Schimmelpilzbefall vermeiden?

Laut Verbraucherzentralen helfen ein paar Tipps, Schimmelpilzbefall bei Lebensmittel zu verhindern:

• Kaufen Sie Lebensmittel möglichst frisch und verbrauchen Sie diese zügig.

• Räumen Sie regelmäßig auf: Durchforsten sie Ihre Schränke und Truhen und sortieren Sie befallene Lebensmittel aus.

• Lagern Sie die Nahrungsmittel sauber, trocken und kühl.

• Kaufen Sie möglichst Obst und Gemüse ohne Druckstellen.

• Lassen Sie bereits von Schimmel befallene Lebensmittel nicht länger liegen - sonst verbreiten sich die Sporen. Säubern Sie die betroffenen Stellen mit Essigwasser.

• Trockene Lebensmittel wie Mehl oder Müsli gehören in gut verschließbare Behälter.

• Kaufen Sie nicht mit leerem Magen ein, sonst legen Sie eventuell mehr in den Einkaufswagen als nötig ist. Empfindliche Lebensmittel lieber in kleinen Mengen erwerben - und bei Bedarf nachkaufen.

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