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Hilft ein Glas Wasser, einem Kater vorzubeugen?

Ein Glas Wasser zwischen jedem Drink oder ein kräftiger Schluck Sprudel nach der durchzechten Nacht - und schon fällt der Kater am nächsten Tag weniger schlimm aus. Den Tipp kennt wahrscheinlich jeder. Doch stimmt das? 

  Viel trinken gegen den Kater - hilft das?

Viel trinken gegen den Kater - hilft das?

Macht abends essen dick? Ist es schädlich, den Deckel des Joghurtbechers abzulecken? Gibt es süßes Blut? Der stern nimmt in loser Reihenfolge Alltagsmythen unter die Lupe.

Hilft ein Glas Wasser gegen einen Kater?

Die Auflösung

Rollmops, fettes Essen oder Spaghetti: Die Anti-Katermittel sind unzählig, genauso wie die Tipps, wie sich ein Hangover vermeiden lässt. Viel trinken zählt dazu, nicht Alkohol, sondern Wasser. Wer zwischen jedem Drink ein Glas Wasser leert oder nach der durchzechten Nacht noch einen ordentlichen Schluck aus der Sprudelflasche nimmt, bei dem fällt der Kater am nächsten Tag nicht so schlimm aus. Diese Empfehlung dürfte wohl jeder schon einmal gehört haben.

Doch was ist dran? Hat, wer reichlich Wasser zwischen Bier, Wein oder Cocktails trinkt, tatsächlich am nächsten Tag keinen Brummschädel?

Die Idee, die dahinter steckt, ist einleuchtend: Durch den Alkohol verliert der Körper mehr Flüssigkeit als er aufnimmt - und damit auch wichtige Mineralien. Die Dehydrierung führt wiederum zu Kopfschmerzen am kommenden Tag. Klingt plausibel, doch ganz so einfach ist es nicht.

Wissenschaftler wüssten noch immer nicht, was genau einen Kater entstehen lässt, sagte Joris Verster von der Utrecht Universität der BBC. "Forschungen zufolge ist es nicht einfach die Dehydrierung. Wir wissen zwar, dass das Immunsystem eine Rolle spielt, doch bevor wir nicht verstehen, was genau die Ursache ist, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir ein effektives Gegenmittel finden."

Was wirkt: Wasser? Essen? Weniger trinken?

Und so ist auch die Antwort ernüchternd, die die Wissenschaftler auf die Frage geben, ob Wasser gegen einen Kater wirkt: eher nicht, so das Fazit. Dafür baten die Forscher 826 Studenten, sich an ihren letzten Absturz zu erinnern. Sie befragten sie, wie viel Alkohol sie getrunken und ob sie direkt im Anschluss etwas gegessen hatten. Auf einer Skala ließen sie die Studenten die Schwere ihres Katers am nächsten Tag einschätzen.  

Gut die Hälfte der Studenten griff zu gehaltvollem und fettem Essen, entweder während sie tranken oder am Morgen danach. Auf die Schwere des Katers wirkte sich das nicht aus. Ähnlich war das bei der Flüssigkeit: 618 Studenten tranken zu Bier, Wein und Co reichlich Wasser, 502 bevor sie zu Bett gingen.

Zwar ging es den Wassertrinkern am nächsten Tag ein wenig besser als denen, die auf zusätzliche Flüssigkeit verzichtet hatten. Doch der Unterschied sei zu gering, um tatsächlich daraus zu schlussfolgern, dass die Extraportion Wasser einen Effekt hat, berichten die Wissenschaftler. "Wasser zu trinken, mag gegen den Durst und das Gefühl eines trockenen Mundes helfen, aber es wird das Elend, die Kopfschmerzen und die Übelkeit nicht beseitigen", sagte Verster der BBC.

Allerdings weist der Wissenschaftler selbst auf die Schwächen seiner Untersuchung hin: Diese beruht lediglich auf Befragungen. Die Studenten könnten sich etwa an die Menge ihrer Getränke falsch erinnert haben - oder ihren Kater viel schwerer eingeschätzt haben, als er tatsächlich war. Zudem ein Problem: Die beiden Gruppen waren nicht getrennt, Effekte daher nur schwer auf eine Ursache - etwa das Essen - zurückzuführen.

Wenn Wasser wirkt, dann indirekt

"Die Untersuchung lässt aber trotzdem erste, vorsichtige Aussagen zu", sagt der Biologe Steven Dooley, der zu alkoholbedingten Erkrankungen an der Universität Heidelberg forscht und nicht an der Untersuchung beteiligt war. Die Ergebnisse seien zumindest nachvollziehbar: "Wer etwa viel Bier trinkt, nimmt damit auch viel Flüssigkeit zu sich - und hat wohl dennoch am nächsten Tag einen Kater. Ein Wassermangel kann zumindest hier nicht die Ursache dafür sein."

Ob ein Kater entsteht oder nicht, liege auch an verschiedenen Inhaltsstoffen, die neben dem Alkohol in den Getränken stecken, ist Dooley überzeugt. "Wenn ich einen guten Wein trinke, habe ich keinen Kater, beim Bier ist er am nächsten Tag da." Letztlich sei es auch wichtig, wie gut eine Person den Alkohol verstoffwechseln könne. Bei einem Teil der Asiaten etwa sei die Aktivität bestimmter Enzyme reduziert, was dazu führt, dass sie Alkohol nur schlecht vertragen. Toxische Produkte des Alkoholabbaus reichern sich bei ihnen verstärkt in der Leber an und führen zu katerähnlichen Symptomen. Auch mit dem Alter verändere sich die Aktivität bestimmter Enzyme in der Leber, Alkohol könne dann nicht mehr so gut abgebaut werden, so Dooley. Heißt: Mit dem Alter verträgt man eher weniger.

Dass Wasser irgendeinen direkten Effekt auf den Kater hat, glaubt er nicht. "Ein Glas Wasser zu trinken, kann sicher nicht schaden. Es wird aber nicht dabei helfen, einem Kater vorzubeugen", sagt er. Wenn überhaupt, wirke es nur indirekt: "Wer zwischen jedem Glas Wein oder Bier ein Glas Wasser zu sich nimmt, trinkt wahrscheinlich im Endeffekt weniger alkoholische Getränke."  Auch Nahrungsergänzungsmittel, die ebenfalls eine Wirkung gegen den Kater anpreisen und  meist Vitamine und Elektrolyte wie Kalium, Magnesium und Natrium enthalten, können sich Katergeplagte sparen. Sie sind Dooley zufolge wenig sinnvoll.

Was also tun, um einen Kater zu vermeiden? Die Antwort der Studienautoren ist einfach: weniger trinken. "Das kann ich nur unterstreichen", sagt Dooley. Auch wenn es mancher nicht gerne hört: Das einzige zuverlässige Mittel, um dem Katzenjammer am nächsten Tag vorzubeugen, ist schlichtweg Verzicht.

lea
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