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28. Mai 2009, 12:50 Uhr

Hersteller tricksen bei Portionsgrößen

Die Lebensmittelindustrie rechnet mit zu kleinen Portionsgrößen ihre Produkte gesund. In vielen Lebensmitteln steckt mehr Zucker, Salz oder Fett als auf den ersten Blick ersichtlich. stern.de hat die Firmen mit ihren Angaben konfrontiert. Von Lea Wolz

Nährwerte, Nährwerttabellen, Portionsgrößen, Ampel

Bei diesem Müsli sind eine Portion 40 Gramm - nicht gerade ein üppiges Frühstück© Lea Wolz

Haben Sie heute eine Portion Müsli zum Frühstück gegessen? Denken Sie. Vermutlich haben Sie zwei bis drei Portionen verspeist. Zumindest nach den Angaben der Lebensmittelindustrie. Denn diese rechnet sich zum Teil mit zu kleinen Portionen ihre Lebensmittel gesund, kritisieren Verbraucherzentralen. Der Trick funktioniert so: Die Portionsgrößen, auf die sich die abgedruckten Nährwertangaben beziehen, werden so klein gewählt, dass der Gehalt an Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz geringer erscheint, als er bei einer realistischen Portion wäre. Zum Beispiel beim Müsli: 30 bis 40 Gramm entsprechen da einer Portion, manchmal sogar ohne Milch (Kommentare der Unternehmen siehe Fotostrecke)

Einen "Trend zum Schummeln" bei den Nährwertangaben beobachtet Sabine Schuster-Woldan, Ernährungsberaterin bei der Verbraucherzentrale Bayern. "Es ist zwar einerseits gut, dass es zunehmend üblich wird, Angaben zum Zucker-, Salz und Fettgehalt zu machen", sagt sie. Aber über die Portionsangaben würden Verbraucher getäuscht. "Wer nicht genau hinsieht und vom normalen Verständnis einer Portion ausgeht, nimmt viel mehr Fett, Kalorien und Zucker zu sich als er möchte." Auch Professorin Ursel Wahrburg findet die Nährwertkennzeichnungen für die meisten Verbraucher zu kompliziert und unübersichtlich: "Wenn bei Chips die Werte für eine Handvoll angegeben werden, muss ich erst eine halbe Stunde rechnen, um herauszubekommen, wie viel Fett und Salz ich bei einer realistischen Portion tatsächlich zu mir nehme", sagt die Ernährungswissenschaftlerin, die an der Fachhochschule Münster lehrt und den stern.de-Ratgeber Ernährung betreut. Doch kuriose Portionsangaben finden sich nicht nur bei Chips und Flips.

Eine halbe Pizza als Portion

Auf der Mozzarella-Packung druckt der Hersteller die Nährwerte für ein Viertel des Inhalts ab, bei einer Pizza werden die Werte für die Hälfte angegeben und auf einer Kekspackung werden zwei Stück als Portion ausgewiesen. Dabei kommt natürlich ein geringerer Kalorien- und Fettgehalt heraus. Die Unternehmen verteidigen ihre Angaben und berufen sich dabei oft auf nationale und internationale Studien.

Die Richtwerte für den Tagesbedarf an Zucker, Salz, Fett und Kalorien - die "Guideline Daily Amounts" (GDA) - sind ohnehin ein Pauschalwert - bezogen auf eine erwachsene Frau, die am Tag 2000 Kalorien zu sich nimmt. Definiert wurden die GDAs auch nicht von einer unabhängigen Instanz, sondern von einer Arbeitsgruppe eines europäischen Verbandes der Lebensmittelwirtschaft.

Die Ableitung der Bezugsgrößen sei wissenschaftlich nicht immer nachvollziehbar, sagt eine Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Beim Zucker setzt die Industrie zum Beispiel einen höheren erlaubten Wert an als die DGE und die Weltgesundheitsorganisation (WHO). 90 Gramm Zucker pro Tag legen die Lebensmittelhersteller ihren Berechnungen als zulässigen Wert zugrunde. DGE und WHO gehen davon aus, dass bis zu zehn Prozent der täglichen Energie in Form von Zucker aufgenommen werden können. Umgerechnet entspricht das einem Richtwert von 50 bis 60 Gramm bei Erwachsenen. Für Kinder und Senioren gelten ohnehin niedrigere Werte.

Seit 2007 drucken die Lebensmittelkonzerne die Nährwertangaben freiwillig auf den Produkten ab. Doch die Angaben verwirren zum Teil eher, als dass sie den Konsumenten helfen, warnen die Verbraucherzentralen. Um auf einen Blick salzige, süße oder fettige Lebensmittel zu erkennen, fordern sie erneut die Einführung einer einfacheren Kennzeichnung: der Ampel nach britischem Vorbild. Dort wird der Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Salz und Zucker durch rote, gelbe oder grüne Punkte ausgewiesen. "Das ist übersichtlicher und einfacher als die Nährwerttabellen", sagt Ernährungsberaterin Sabine Schuster-Woldan. "Man kann vom Verbraucher nicht verlangen, dass er beim Einkauf immer nachrechnen muss."

Die Ampel: "Einfach, aber nicht optimal"

Zurückhaltender zeigt sich da die DGE. "Auch die Ampelkennzeichnung hat ihre Schwächen", sagt eine Sprecherin. Bei einem Lebensmittel, dessen Fettgehalt aus wertvollem Rapsöl besteht, müsste man zum Beispiel überlegen, wie es ausgezeichnet wird. Rot für den hohen Fettgehalt oder Grün für die ernährungsphysiologisch wertvollen ungesättigten Fettsäuren? Ampelgegner befürchten eine übertriebene Vereinfachung, die den Verbrauchern falsche Signale liefert und gleichzeitig ihre eigene Einschätzung abnimmt. In Großbritannien hat man dagegen gute Erfahrungen mit dem Ampelsystem gemacht. Bei einer Konsumentenbefragung der britischen Lebensmittelbehörde (FSA) zeigte sich, dass die Verbraucher durchaus erkannten, dass ein roter Punkt nicht mit einem Verbot gleichzusetzen ist, sondern vielmehr bedeutet, dass dieses Lebensmittel von einem Inhaltsstoff viel enthält, von dem man eigentlich weniger essen sollte.

"Auch die derzeitige Ampel ist nicht optimal, zumindest aber sehr einfach", findet die Ernährungswissenschaftlerin Wahrburg. "Sie ließe sich aber noch verbessern." Zum Beispiel indem produktspezifische Kriterien für die Ampel entwickelt werden: "Bei den Milchprodukten macht es wenig Sinn, beim Salz einen grünen Punkt zu geben, da - abgesehen vom Käse - meist gar kein Salz enthalten ist. Beim Öl würde hingegen jedes gute Olivenöl beim Fett Rot erhalten." Eine Kombination aus Ampel und Nährwerttabelle sei am sinnvollsten. Vielleicht müsse man bei dem immerwährenden Streit darüber, ob nun das Ampelsystem oder die Nährwerttabellen dem Verbraucher eine bessere Orientierung geben, auch einmal über ganz andere Systeme nachdenken, findet sie. "Eine Alternative wäre, nur Lebensmittel auszuzeichnen, die gut für die Gesundheit sind - wie in den Niederlanden oder in Schweden." Bis jetzt haben die Verbraucher das Nachsehen: Wer sich gesund ernähren will, muss auch bei den Nährwerttabellen genau hinschauen und kritisch nachprüfen.

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Von Lea Wolz
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
kaksonen (31.05.2009, 09:12 Uhr)
Ampelkennzeichnung?
Vor mir liegt eine Packung Roggenbrot. Die Portion soll 30 g betragen; nicht gerade nachvollziehbar. Aber immerhin ist es deutlich dargestellt. Wer lesen kann hat die Informationen, die er oder sie haben möchte. Fuer wen ist die Ampelkennzeichnung gedacht? Fuer Analphabeten? Wie viel Prozent der Bevölkerung wissen eigentlich, dass man bei gelb nicht beschleunigen, sondern bremsen sollte?
Lore_UK (29.05.2009, 06:47 Uhr)
Vielleicht versucht mans einfach mal mit 2 Angaben zu Fetten?
...naemlich, wie es in Laendern mit der "Ampel" ueblich ist, mit "Gesamtmenge Fett" und der Angabe "gesaettigtes Fett". Damit kann man hier in England recht gut erkennen, wie viel fett insgesamt enthalten ist, und wievel davon ungesuenderes Fett ist.
Wenn ich hier auf meine Packung Frischkaese gucke, habe ich die Angaben: Kalories, Zucker, Fett, Gesaettigtes Fett, Protein und Salz.
Aber das wuerde ja Sinn machen, daher wird es bestimmt in Deutschland nicht eingefuehrt.
Youngtimer (28.05.2009, 21:26 Uhr)
Maria1000: Vergleichbarkeit?
Maria1000, Du hast im Prinzip schon recht, aber ich finde die Kennzeichnung nuetzlich wenn man zwei gleichartige Lebensmittel vergleicht.
- Welche Pizza hat weniger Salz?
- Welche Marmelade hat wneiger Zucker? (gibt's schon)
- Welcher Kuchen hat weniger gesaettigte Fettsaeuren?
Maria1000 (28.05.2009, 20:45 Uhr)
Dieser ganze Kennzeichnungsschwachsinn...für WEN ist der gedacht?
Für grenzdebile und Analphabeten, die als Erwachsene noch nie gelesen haben, dass Schokolade Fett und Zucker enthält und Gemüse wenig davon?
Für gesunde Ernährung und um zu wissen, was beim Einkaufen gesund ist braucht man keine "Ampeln" oder sonstwas und auch keine geschönten Portions- Nährwertangaben, sondern nur ein wenig Allgemeinbildung und LESEvvermögen und gesunden Menschenverstand! Wer bitte weiss NICHT, dass in Pommes mehr Fett und Kalorien sind als in einer gekochten Kartoffel???
Mich imnteressieren auch diese gefakten "Miniportionsangaben" nicht! Von allen Lebensmiteln und Fertiggerichten weiss ich den ungefähren Kaloriengehalt (den GENAUEN bis hinterm Komma braucht man nicht, solang man nicht ESSGESTÖRT ist!). Wenn ich Schokolade esse, weiss ich, die Tafel hat rund 500-600 Kalorien, ich ess die halbe, also nehm ich 300 Kalorien und jede Menge Zucker und gesättigte ungesunde Fette zu mir! Also ess ich, wenn ich Lust auf ne Tafel Schoki habe (ja, ich esse echt EINE ganze oder halbe Tafel auf einmal und nicht die 2 Rippchen, die als "Normalportion" von Herstellern angegeben wird bei den "Portionen", bin nämlich NICHT essgestört!), an dem Tag eben mittags und abends nichts sehr fettreiches als Ausgleich!
WO ist bitte das "Problem"??? WOZU irgendwelche Farbsysteme etc...?
Youngtimer (28.05.2009, 20:28 Uhr)
Lebensnaehe: Wer wiegt schon sein essen
Ich kann an den meisten Beispielen in der Fotogalerie nichts Schlimmes finden. Wer issts chon eine ganze pakcung Fleischsalat. Eine Scheibe Schinken oder Kaese laesst sich super hochrechnen. Das Problem sind meiner Ansicht nahc eher die lebensferne Angabe in GRAMM. Wer bitteshcoen wiegt shcon sien Muesli und seinen Kaese? Ich lebe in den USA und finde es hier zwei Dinge enorm hilfreich:
1.) Den Portionsangeben ist ein Vermerk "x Portionen pro Packung" hinzugefuegt. So wuerde leichter durchschaubar dass eine Dose Erdnuesse 20 Portionen oder so enthaelt. Lebensnah halt.
2.) Portionsangaben in lebensnahen Groessen wie Teeloeffel, Essloeffel, Tasse. So liesse sich leicht erkennen dass die Portion Huettenkaese gerade mal ein Essloeffel ist. Mit den Gramm-Angaben kann doch keiner etwas anfangen.
Es geht meiner Meinung nach also mehr um Transparanz und Verstaendlichkeit und nicht so sehr um Missbrauch durch die Hersteller. Wenn wir ehrlich sind kann doch kein Konsument den Unterschied zwischen 30 und 50 Gramm Muesli unterscheiden.
Politix (28.05.2009, 20:09 Uhr)
Selbstverantwortung
Ich würde die Schuld nicht nur bei den Unternemen suchen. Es ist vor allem die Politik, die so etwas zulässt oder nicht verhindert.
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Aber man kann ja auch als verantwortungsvoller und gebildeter Bürger auch einfach mal genauer hinschauen und sich dann darüber klar werden, was und wieviel man da ißt.
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Das Problem sind eher die Masse an Menschen aus "bildungsfernen Familien", die keine Ahnung haben, nicht lesen können und auch sonst viel Geld in Zigaretten und Alkohol stecken.
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Diese Menschen essen bestimmt zuviel von diesem Schrott.
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Aber es ist ja auch teilweise garnicht mehr möglich gute Lebensmittel zu produzieren. Die Böden sind so ausgelaugt, dass Mineralstoffe und Spurenelemente (M+S)in einem viel zu geringem Verhältnis zum Kohlehydratanteil stehen. Das bedeutet, dass der Mensch, um mit ausreichend M+S versorgt zu sein, ein vielfaches dessen essen muss, wie noch vor 20 Jahren. Das ist der eigentliche Skandal.
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Wir regenuns auf, dass ein durchgeknallter Despot in Nordkorea sein Volk hungern lässt, und wir sind auf dem besten Wege, genauso zu enden. Unsere Regieungen lassen es zu, dass Unternehmen wie Monsanto oder Nestlé die Menschen in Abhängigkeit bringen, um sie dann richtig auszupressen.
0814schnuff (28.05.2009, 19:28 Uhr)
Die Scheinfreiwilligkeit der Industrie, die Scheinheiligkeit der Politik
Also liebe Leute das wichtigste fehlt leider in der Diskussion. Es gibt leider keine einheitlichen Regeln der Kennzeichnung. Das ist das Ergebnis der Lobbyarbeit der Industrie, die einen einheitlichen Kennzeichnungsstandard mehr scheut als der Teufel das Weihwasser. Die sogenannte Freiwilligkeit bewirkt einfach, dass die Industrie mit allen Tricks tarnen und täuschen kann.
Defakto bedeutet dieses, dass der durchschnittliche Verbraucher mit unzähligen unterschiedlichen Angaben verwirrt wird und dann sehr schnell sehr genervt nicht mehr die Inhaltsangaben liest. Das ist das was die Industrie will.
Ein Skandal ist, dass die Politik die Verbraucher hier, wie in vielen anderen Fällen gnadelos im Regen, sprich der Industrie ausgeliefert, stehen lässt.
Ein kleines Beispiel. Das Gerücht die Großpackungen sind billiger. Klopapier beim Aldi. Die meisten greifen zur großen Packung. Nachrechnen und holla, die kleineren Packungen sind billiger, weil Stückzahl anders und Preis anders ist. Man muss halt nachrechnen, ist aber schwierig im Kopf, denn die Preise und die Stückzahlen sind krumm und damit rechnen etwas stressig. Würden hier exakt die Preise pro Stück bzw. alles Einheitlich in einem Standard ausgezeichnet bzw. Inhaltlich in einem Standardformat verpflichtend ausgewiesen, dann könnte man endlich richtig leicht vergleiche.
Dass das der Handel und die Industrie nicht will ist ja klar, die wollen ja so viel Profit wie möglich machen.
Hier ist die Politik gefragt. Bitte wo bleibt die?
Berentzenkiller (28.05.2009, 16:30 Uhr)
Warum stehen da wohl auch %-
Angaben???
Ja warum wohl????
truesilver (28.05.2009, 16:27 Uhr)
sinnloser Artikel, sinnlose Diskussion
es steht auf jeder Packung, wie eine Portion definiert ist (z.B. 150g), und wie gross die Packung ist (z.B. 400g). Also kann sich jeder leicht ausrechnen, was es bedeutet, die ganze Packung aufzuessen. Oder haben alle ihr Gehirn abgeschaltet? Und der Stern findet dann auch noch eine Professorin (!), die fuer so eine leichte Rechnung eine halbe Stunde veranschlagt, und sich dessen nicht schaemt. Leute, verwendet Euer Hirn, dann ist das Leben einfacher, und die Politik kann sich wichtigeren Dingen zuwenden als Ampeln auf Kekspackungen zu regulieren.
mister-mister (28.05.2009, 16:17 Uhr)
Wo ist denn das Problem..?
Klar ist es ärgerlich wenn wie beschrieben geschummelt und getrickst wird. Klar sollte etwas dagegen unternommen werden, aber wer unsere Papiertiger an den entscheidenden Stellen kennt (management by blue jeans = dickste Nieten an den wichtigsten Stellen), kann ja absehen was dabei rauskommt.
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Aber..........
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Für jeden der es wissen muss und will gibt es im WWW detaillierte Listen mit Nährwerten, Fettgehalt, Grundumsatz, Kalorien, etc. etc., an denen man sich orientieren kann.
Danach sollte man sich richten und nicht sklavisch hinter den Nebelbomben herrennen, die die Hersteller auf die bunten Päckchen drucken....... oder ?
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