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Coronavirus fordert weiteres Todesopfer

20. Februar 2013, 08:40 Uhr

In Großbritanninen ist ein weiterer Mensch an dem neuen Coronavirus gestorben. Die WHO rät zu Wachsamkeit. Forscher haben entdeckt, dass das Virus offenbar die menschliche Immunabwehr umgeht.

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Weltweit sind bisher zwölf Menschen bekannt, die sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben©

Ein mit dem neuartigen Coronavirus infizierter Patient ist im britischen Birmingham gestorben. Das gab das Queen Elizabeth Hospital bekannt. Damit sind sechs der zwölf Menschen, die sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit mit dem Erreger infiziert haben, tot.

Es handelt sich um den Sohn eines Mannes, der sich nach Angaben der Ärzte bei einer Reise in den Nahen Osten und nach Pakistan angesteckt hatte. Ein weiteres Familienmitglied gehört zu den Infizierten. Der Betroffene, der bereits am Sonntag in Birmingham starb, habe ein schwaches Immunsystem gehabt. Fast alle Patienten steckten sich im Nahen oder Mittleren Osten an.

Erst kürzlich hatte die WHO in Genf die Länder zu Wachsamkeit aufgerufen. In allen Staaten sollten Gesundheitseinrichtungen Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen und ungewöhnlichen Symptomen auf den neuen Erreger testen. Das Virus gehört zur selben Gruppe wie Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom). Die Ausbreitung der schweren Lungenkrankheit hatte vor zehn Jahren weltweit für Schrecken gesorgt. Damals waren weltweit etwa 800 Menschen gestorben.

Übertragungsweg noch unklar

Die Mediziner wissen nicht, wie das neue Virus auf den Menschen übertragen wird. "Die jüngsten Erfahrungen in Großbritannien lassen stark darauf schließen, dass zumindest unter bestimmten Umständen die Übertragung von Mensch zu Mensch stattfindet", sagte John Watson, Abteilungsleiter beim staatlichen britischen Gesundheitsamt. Die Gefahr für die Allgemeinbevölkerung sei aber "sehr gering". Das gefährliche Virus war erstmals im vergangenen Juni bei einem Mann aus Saudi-Arabien festgestellt worden. Nach einer gerade veröffentlichten Studie kann der neue Erreger die Immunabwehr in den Atemwegen des Menschen ähnlich leicht umgehen wie bestimmte Erkältungs- oder die Sars-Viren. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um ein Team vom Kantonspital in St. Gallen (Schweiz) nach Laborversuchen. Die Experten berichten im Online-Journal "mBio®" der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie auch, dass Patienten womöglich mit einer Immuntherapie behandelt werden könnten.

Die Studienautoren Volker Thiel und Ronald Dijkman vermuten, dass die Erreger von Tieren auf den Menschen übergegangen sind. Thiel: "Wir wissen nicht, ob die Fälle, die wir beobachten, die Spitze des Eisbergs sind oder ob viel mehr Menschen infiziert sind, ohne schwere Krankheitssymptome zu zeigen."

Das Team vom Institut für Immunbiologie in St. Gallen experimentierte mit Gewebekulturen von menschlichen Zellen aus den Atemwegen. Die Atemwege sind mit sogenannten Epithelzellen ausgekleidet, in denen Zellen und Stoffe des angeborenen Immunsystems sitzen. Diese dienen dazu, Krankheitserreger zu erkennen, zu bekämpfen und eine umfassende Reaktion des Immunsystems in Gang zu setzen.

Hoffnung für Patienten

Für die Studie infizierten die Wissenschaftler Epithelzell-Kulturen von drei Menschen. Die neuartigen Coronaviren vermehrten sich in diesen Zellen überraschend wirkungsvoll und anfangs schneller als Sars-Viren, hieß es. Sie umgingen die angeborene Immunabwehr ähnlich gut wie verschiedene Erkältungsviren. Die neuen Erreger seien damit gut an den Menschen angepasst.

Um die schwache Immunreaktion zu verbessern, behandelten die Forscher die Gewebezellen mit Interferonen, bevor sie die Zellen mit Viren infizierten. Den Angaben zufolge befielen die Erreger daraufhin weniger Zellen. Interferone sind Eiweiße, die das Immunsystem stimulieren und vom Körper selbst hergestellt werden. Patienten mit Viruserkrankungen wie Hepatitis C oder eben Sars werden mit Interferonen behandelt.

Die Ergebnisse seien ermutigend, hieß es. Möglicherweise sei dies eine Therapiemöglichkeit für Patienten mit dem neuen Coronavirus. Weitere Studien seien jedoch dringend notwendig.

vim/DPA

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