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Am Ende wird alles gut.

Gut zwei Jahre lang berichtete Uta Melle über ihr Leben nach der Brustkrebsdiagnose - immer offen, ehrlich und sehr persönlich. Nun verabschiedet sie sich: mit drei Botschaften, die ihr am Herzen liegen.

Die letzten Jahre habe ich hier bei Stern.de cirka 60 mal über meinen Kampf gegen den Krebs berichtet. Ich habe davon geschrieben, was mir Mut und was mir Angst gemacht hat. Seit meiner Diagnose vor sieben Jahren engagiere ich mich mit Foto-Shootings, Vorträgen, Diskussionsteilnahmen, Gruppenarbeiten, Direkthilfe und Texten ehrenamtlich. Der Krebs soll aber nicht auf Dauer in meinem Leben wohnen, weshalb ich die Chance nutze, mich nun von euch allen zu verabschieden. Für mich fängt damit ein neuer spannender Lebensabschnitt an, den ich nur mit vollem Herzen in Angriff nehmen kann, wenn ich Altes loslasse, sonst bleibt es im Hinterkopf.

Es gibt noch drei Botschaften, die mir am Herzen liegen:

- Krebs braucht Öffentlichkeit.

Ich habe unglaublich viel Zuspruch für mein Fotoprojekt erhalten, aber leider bisher kaum Unterstützung, um es wirklich groß zu machen. Wer es weiter machen möchte, wer Ideen hat, wie man Frauen auch nach einer Amputation als schöne Frauen sehen kann, der mag es übernehmen ... ich helfe gern.

- Krebs braucht Ehrlichkeit

Die Arbeit der großen Krebs-Organisationen verstehe ich nicht. Ein paar mal habe ich am Katzen- oder Betroffenentisch gesessen, wenn die Damen der Gesellschaft ihre Roben und ihre großen Herzen vorgeführt haben. Es gibt für mich keinen Grund, den Krebs zu verstecken. Denn wo etwas versteckt wird, wuchert es im Dunklen weiter. Symptomatisch ist hier das Sammeln von Spenden für Schminkkurse, die sicher nette Treffen von Betroffenen sind, im Endeffekt allerdings dem „kaschieren“ dienen. Ich würde mir da mehr Ehrlichkeit wünschen, wir kommen alle nicht ohne Narben davon und nicht ohne Schmerz.

- Krebs braucht mitfühlende Medizin

Wir alle lieben Wunder. Aber wie viele von euch sind schon einem begegnet? Viele Helden der "alternativen" Medizin und ihre Heilungsgeschichten wurden als Lüge enttarnt. In der Zeit bin ich immer wieder, oft aggressiv, auf alternative Therapien hingewiesen worden. Nein, wenn man schwarze Salbe aufträgt, fällt der Krebs nicht einfach aus der Haut. Brüste wachsen nicht nach, auch wenn man an Engel glaubt. Ich bin für jede alternative Therapie, als Unterstützung einer schulmedizinischen Behandlung. Mir selbst hat die TCM sehr geholfen mit den Nebenwirkungen der Chemo klarzukommen. Ja, auch Frauen die Chemo machen, sind gestorben. Aber sie hatten eine Chance. Ich habe Freundinnen erlebt, die es allein mit alternativen Behandlungen versucht haben. Sie sind unnötig viel zu früh gestorben.

Brustkrebs folgen viele Probleme, die bei unterschiedlichen Menschen ähnlich gelagert sind. Offene Kommunikation hilft daher hier besonders gut, denn jeder sieht natürlich erst einmal nur sich selbst. Jedes Jahr kommen aber leider ca. 80.000 Neuerkrankungen allein in Deutschland hinzu. Ich wünsche jeder Einzelnen, ihren Partnern und der Familie alles erdenklich Gute. Ich bewundere, wie jede Betroffene jeden Morgen aufsteht und sich nach Kräften bemüht – denn das ist schon viel in der Zeit der Genesung. Gebt nicht auf! Über die Zukunft weiß man nur, dass sie anders sein wird.

Das Leben ist voller Überraschungen, aber am Ende wird alles gut. Und wenn nicht alles gut ist, dann ist es auch nicht das Ende.

Ich möchte hier die Möglichkeit ergreifen, eine Auswahl meiner Fotos aus den letzten sieben Jahren zu präsentieren und mich bei den vielen wunderbaren Menschen zu bedanken, die mich auf meiner Reise mit Liebe, Geduld und Arbeitseinsatz unterstützt haben. Speziell den großartigen Fotografinnen Esther Haase und Jackie Hardt; und natürlich meinem wunderbaren Mann Hendrick Melle ohne den gar nichts laufen würde. Vielen Dank für alles. Eure Uta.

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